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In Time (Andrew Niccol, USA 2011)

Posted by 3. Mai 2012

Die Währung der Zukunft ist Zeit. Ein Kaffee? Kostet fünf Minuten. Einmal Busfahren? Zwei Stunden. In eine andere, reichere Zeitzone reisen kann sogar schon mal ein Jahr kosten. Will Salas (Justin Timberlake) lebt im wahrsten Sinne von einem Tag auf den anderen. Viel mehr Zeit hat der junge Mann auf seiner Lebensuhr meist nicht. Nicht anders ergeht es den anderen Menschen im Ghetto Dayton, das zu einer niedrigen Zeitzone gehört. Als Will in einer Bar einen Mann vor Zeitdieben rettet, überlässt dieser ihm seine gesamte Restlebenszeit – ganze 116 Jahre – geschenkt. In Dayton ist er mit soviel Lebenszeit allerdings nicht sicher, deswegen reist er in eine reichere Zeitzone, wo er allerdings von  einem Time-Cop (Cillian Murphy) gestellt wird  Der ist der Meinung, er hätte die 116 Jahre nicht legal erworben. Kurzentschlossen kidnappt Will darauf hin Sylvia Weis (Amanda Seyfried), Tochter des Zeitmoguls Philippe Weis (Vincent Kartheiser) und flieht..

Andrew Niccol hat meinen ewigen Respekt, weil er das Drehbuch zu „The Truman Show“ geschrieben hat. Der Mann hat fantastische Ideen. Und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann Niccol seine Ideen auch selber inszenieren.  Zu sehen bei „Gattaca“, den ich nach mehrmaligem Anschauen auch richtig lieb gewonnen habe. Gar nicht funktioniert hat bei mir „Lord Of War“ – obwohl die Grundidee ihren Reiz hat, habe ich ihn als überinszenierte, bemühte Satire wahrgenommen. Irgendwie habe ich mir deswegen gemerkt: Andrew Niccol, gute Ideen, mäßiger Regisseur. Meine Neugier „In Time“ betreffend, Niccols aktuellem Film, bei dem er als Dreifaltigkeit für Drehbuch, Regie und Produktion zuständig war, hielt sich infolgedessen in Grenzen. Zu Recht, wie ich gerade eben herausgefunden habe.

An der Idee ist nichts auszusetzen. Niccols Version einer Chronokratie sowie aller daraus resultierender Konsequenzen haben durchaus ihren Reiz. Als klar ist, wie die Uhr tickt, geht dem Film allerdings schnell die Puste aus. Sicherlich flankieren hier und da immer noch ein paar gute Einfälle den Weg, richtig spannend wird es aber nie.  Selbst als sich Will und Sylvia als Bonnie & Clyde bzw. als modernes Team Robin Hood durch die Zeitbanken rauben, um den Gewinn unter den Zeitknappen zu verteilen, was ja durchaus eine charmante Entwicklung ist, kommt der Film nicht in Fahrt. Außerdem wirkt der Film an dieser Stelle nicht zu Ende gedacht. Was passiert mit der Welt, wenn alle Menschen unendlich viel Zeit zur Verfügung haben und damit unsterblich werden? Wohl möglich wäre „In Time“ besser geraten, wenn  Niccol wie z.B. in „Gattaca“ mehr auf die emotionale  Dimension gesetzt hätte, anstatt den Versuch zu unternehmen, einen Action-Film daraus zu machen. Denn nach „In Time“ kann ich meine Aussage von oben, dass Niccol tolle Ideen hat, aber ein mäßiger Regisseur ist, noch differenzieren: Action inszenieren – das kann Andrew Niccol gar nicht.

Bild © Twentieth Century Fox