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Who Saw Her Die (Aldo Lado, Deutschland, Italien 1972)

Posted by 25. Oktober 2013

who saw her dieDer Oktober nähert sich dem Ende. Und ich hänge hinterher. Während ich heute bereits immerhin den neunten Film meines #Horrorctober gesehen habe (4 to go!), kommen hier erst die Notizen zum sechsten.

Franco Serpieri (George Lazenby) ist Bildhauer in Venedig. Als seine kleine Tochter  Roberta (Nicoletta Elmi) spurlos verschwindet und kurze Zeit später tot aufgefunden wird, suchen Franco und seine Frau Elizabeth (Anita Edberg) auf eigene Faust nach dem Mörder. Bald finden sie heraus: Der Mord an ihrer Tochter war nicht der erste Mord an einem rothaarigen Mädchen…

Von Aldo Lado kannte ich bisher nur den starken „Night Train Murders“  (OT: L’Ultimo Treno della Notte) und ich war extrem gespannt auf seinen Giallo „Who Saw Her Die“ (OT: Chi l’ha vista morire?). Dieser ist ebenfalls ein toller Film, zweifellos, meine hohen Erwartungen haben sich leider trotzdem nicht ganz erfüllt. Dabei passt die Stimmung. Und es gibt einige Szenen, die mein Herz vor cineastischer Freude haben höher schlagen lassen. Z.B. gleich am Anfang, als in Megève, Frankreich, ein (rothaariges) Mädchen während in eines Winterurlaubs  getötet wird. Man sieht den Mord durch die Augen des Täters, die aber durch einen Schleier verhüllt sind. Was diese Szene so intensiv macht, ist nicht nur die eindrucksvolle Winterlandschaft und der wirklich ganz fantastische  Kindergesang-Score von Ennio Morricone, es ist das Verhalten des Mörders: Nach der Tat versucht dieser, fast panisch, sein Opfer im Schnee zu verscharren, während sich im Hintergrund die Kinderfrau das Mädchens nähert. Ich habe diese Szene als Versprechen von psychologischer Tiefe der Geschichte gedeutet.

Auch im weiteren Verlauf gibt es immer wieder Momente, die ganz wunderbar sind. Die Tauben-Szene ziemlich am Anfang, viele atmosphärische Venedig-Aufnahmen, Kanäle im Nebel, eine Verfolgungsjagd in einem verfallenen Wohnkomplex usw.  Nicht nur diese „Rosinen“ im Kuchen,  der ganze Teig ist schmackhaft, denn Lado ist, wie ich nach der zweiten Begegnung mit ihm jetzt mit Sicherheit weiß, ein wirklich guter Regisseur, der handwerkliches Können mit einem guten Auge verbindet. Trotzdem hat mir etwas gefehlt. „Who Saw Her Die“ ist ohne Frage ein sehr starker Giallo. Und sogar noch ein wenig mehr. Doch „ein wenig mehr“ ist mir hier einfach nicht genug. Lados Film hätte ja nicht gleich ein zweiter „Don’t Look Now“ sein müssen, aber aufgrund seiner ähnlichen Prämisse hätte ich mir einfach mehr emotionale Tiefe sowohl bei den trauernden Eltern als auch bei dem Killer gewünscht. (Da hatte ich ja am Anfang auch durchaus etwas mehr angedeutet.) Ich weiß, das ist  Jammern auf hohem Niveau, aber „Who Saw Her Die“ ist mir einfach nicht traurig genug.

Bild © Shameless