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Attenberg (Athina Rachel Tsangari, Griechenland 2010)

Posted by 15. Mai 2012

Mein Traum von heute Nacht: Ich war im Berliner Kino Arsenal bei einer Veranstaltung. Es wurde ein Film gezeigt über den im Anschluss mit einem Filmwissenschaftlicher diskutiert werden konnte. Der Film, ich weiß nicht mehr welcher es war, kam bei Publikum nicht so gut an. Nach vielen Buh-Rufen wurde der er abgebrochen und gleich mit der Diskussion gestartet. Mensch Leute, ich wollte den Film sehen! Außerdem könnt ihr doch jetzt schlecht diskutieren, wenn ihr gar nicht wisst, worüber! Ich war gerade dabei, mich rechtschaffend zu empören, da bin ich aufgewacht.

„Attenberg“, der zweite Film der Griechin Athina Rachel Tsangari, hat mit meinem Traum eigentlich gar nichts zu tun. Da ich ihn aber vor ein paar Tagen im Arsenal gesehen habe, hat er mich wohl einfach daran erinnert, dass ich noch gar nichts zum Film aufgeschrieben habe.

Marina (Ariane Labed) mag Tierdokumentationen von David Attenborough, den sie Attenberg nennt. Und auch sonst ist die junge Frau keine durchschnittliche Vertreterin der Gattung Mensch. Wie ihre Artgenossen leben und lieben, das alles ist ihr fremd. Ihre einzigen Bezugspersonen sind ihr todkranker Vater, ein kauziger und zeitkritischer Architekt und ihre Freundin Bella, mit der Marina Küssen und Tanzschritte einübt. Doch dann wird Marina, die als Fahrerin für ein Unternehmen arbeitet, ein neuer Fahrgast zugeteilt und sie beschließt, ihrem Vorbild Attenberg nachzueifern und selbst die (Liebes-)Geheimnisse ihrer Artgenossen zu erforschen.

Um „Attenberg“ zu verstehen, muss man wohl selbst noch ein wenig Forschung in den Film stecken. Tsangari hat es jedenfalls augenscheinlich nicht darauf angelegt, dass sich ihr Film leicht entschlüsseln ließe. Ungeachtet dessen ist es faszinierend,  Marina dabei zuzusehen, wie unbeholfen, dabei aber gleichzeitig eine vereinnahmend Ehrlichkeit an den Tag legend, durchs Leben stakt. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mit dem Film meine Schwierigkeiten hatte. Am Anfang habe ich mich unruhig auf meinem Sitz gewunden. Die Grenze zur Genervtheit wurde zwar nie überschritten, aber sie war eine Zeitlang in Sichtweite, wohl auch deswegen, weil mir die Skurrilität der Szenen anfangs etwas zu bemüht vorkam. Doch irgendwie hat mich der „Attenberg“ dann doch noch in seinen Bann gezogen. Vielleicht lag es vor allem an Marinas Beziehung zu ihrem Vater (ebenfalls eine sehr interessante Figur!). Irgendwo hier, in dem Leben das die beiden zusammen hatten, das aber vor dem erzählten Film liegt, scheint der eigentlich interessante Kern der Geschichte zu stecken.  Denn – soviel ist sicher – irgendwas ist in Marinas Erziehung gehörig schief gelaufen. Gleichzeit stellt sich allerdings die Frage, ob das wirklich so schlimm ist.

Nach dem Film gab es im Arsenal übrigens noch eine Diskussion mit der Regisseurin. Die habe ich mir allerdings nicht mehr angehört. Und jetzt muss ich komischerweise wieder an meinen Traum von heute Nacht denken.

Bild © Rapid Eye Movies