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What About Bob? (Frank Oz, USA 1991)

Posted by 7. April 2015

What About BobDass ich mit Komödien sehr oft nichts anfangen kann, erwähnte ich bestimmt schon mal. Der Grund, warum ich Frank Oz’ „What About Bob?“ trotzdem so mag, ist wahrscheinlich, dass es sich hierbei im Grunde nicht um eine Komödie, sondern um einen Horrorfilm handelt.

Worum geht’s? – Um den Psychiater Leo Marvin (Richard Dreyfuss), der mit Bob Wiley (Bill Murray) einen Patienten bekommt, der ihn an seine Grenzen bringt – und darüber hinaus. Nicht nur, dass Bob seinen Therapeuten bis an dessen Urlaubsdomizil verfolgt und sich dort breit macht, der multiphobische Neurotiker erobert auch im Nu die Herzen von Leos Familie. – Natürlich ist das lustig. Denn Bill Murray und Richard Dreyfuss sind kongenial als Seelenklempner und Irrer. Während Murrays Fähigkeiten als Comedian auf der Hand liegen, möchte ich an dieser Stelle nachdrücklich bemerken, wie perfekt Dreyfuss für seine Rolle gecastet ist und wie gut er sie ausfüllt. Ich denke, seine Performance als selbstgefälliger Arzt trägt maßgeblich zum Gelingen des Films bei. Der Horror, von dem ich eingangs sprach, wird durch den Humor sogar noch verstärkt. Für Leo ist es furchtbar, dass Bob ihn bis an seinen Urlaubsort verfolgt, noch schrecklicher ist es allerdings, dass alle den Eindringling zwar als liebenswert kauzig, auf keinen Fall aber als Bedrohung ansehen. Und eine Bedrohung für Leib und Leben ist er ja auch nicht, wohl aber für die Spießerwelt des Egozentrikers Leo. Für den Zuschauer bedeutet das ein Wechselbad der Gefühle, denn einerseits ist es natürlich nicht ganz ohne Reiz, mitzuzusehen, wie der Verrückte im geordneten Leben Leos alles durcheinander bringt. Andererseits kann man auch tiefes Mitgefühl und empathische Panik dafür empfinden, was der plötzlich hilflose Helfer durchmacht.

Was ich an dem Film ebenfalls sehr schätze, ist die Art, wie er Psychotherapie des letzten Jahrhunderts auf die Schippe nimmt. Das tut er nicht, in dem er sich infantil veralbert, sondern indem er ihr Selbstverständnis ad absurdum führt: Sicherlich kann eine psychologische Behandlung helfen, doch das tut sie eher weniger aufgrund von psychologischem Geheimwissen, sondern durch das Gespräch zwischen Therapeut und Patient, dem Aufdecken versteckter Ressourcen und dem Aktivieren von sozialen Netzwerken. Die der Figur des Leo innewohnende Arroganz, ist auch die Arroganz seiner ganzen Profession – der Hilfesuchende wird hier behandelt wie der Kunde jeder anderen Dienstleistung. Er bekommt ein Produkt verkauft und soll sich dann bitte schnell wieder entfernen. Dass Patienten keine Objekte sind, sondern dass die Wirkung von Therapien gerade in der persönlichen Beziehung zwischen Arzt und Hilfesuchendem liegt, zeigt Bob dem selbstgefälligen Psycho-Doc eben dadurch, dass er in einem Tabubereich netzwerkt und sich die Beziehung zu seinem Arzt mit Gewalt holt. Das ist scharfsinnig beobachtet, ziemlich lustig umgesetzt aber, wie gesagt, auch ganz schön gruselig.

Ich komme zum Ende. An diesem Film stimmt so gut wie alles. Außer vielleicht die Grimasse, die der gebeutelte Psychiater in seine letzten Szene zieht, die Resignation aber auch so etwas wie Akzeptanz zum Ausdruck bringt. Hier ist der Film dann auf einmal doch versöhnliche Komödie, indem er den Anschein erweckt: Alles halb so wild. Oder doch nicht? Offenbart „What About Bob?“ möglicherweise eben an dieser Stelle erst seinen wahren Schrecken? Denn der Leidensgenosse Leo ist besiegt und das gleich doppelt: Nicht nur sein Renommee ist dahin, denn er hat seine Familie sowie seine Schwester an den Patienten verloren. Und benimmt sich zum Schluss, wie man es von einer Figur in diesem Gerne erwartet. Damit kehrt er dem Zuschauer den Rücken zu. Dann ist man ganz allein. Paranoia.

Bild © Touchstone