Tag: Bruno Dumont

Berlinale 2013 – Tag 6

Posted by 12. Februar 2013

IMG_7610Pardé (Jafar Panahi, Kamboziya Partovi, Iran 2013)

„Pardé“, der neue Film des Iraners Jafar Panahi („Offside“), hat es trotz Hausarrest und Arbeitsverbot des Regisseurs zur Berlinale geschafft. Schön! Vordergründig handelt die Geschichte von einem Mann und seinem Hund, der in einem Haus Zuflucht sucht. Doch es ist unschwer zu erkennen, dass Panahi sich hiermit auf künstlerischem Weg mit seiner eigenen Situation auseinandersetzt. Das wirkt manchmal wie Berliner Schule auf iranisch. Und vielleicht liegt auch irgendwo hier das Problem des Films, nämlich, dass man diese Form von Selbstbezüglichkeit nicht zum ersten Mal sieht. [Hier 27 Beispiele einfügen.] Nichtsdestotrotz hat mir „Pardé“ ganz gut gefallen. Dieser Mann in diesem Haus, dieser Mann mit seinem Hund, doch, das hatte was.

Side Effects (Steven Soderbergh, USA 2013)

Steven Soderbergh ist ein Regie-Chamäleon, der mit verschiedenen Stilen und Genres experimentiert. Diesmal gibt es einen Pharma-Thriller. Jude Law spielt darin den Psychiater Dr. Jonathan Banks , der eine selbstmordgefährdete Frau (Rooney Mara) behandelt. Doch das verschriebene, neuartige Medikament verschlimmert die Situation nur noch. Es geschieht ein Mord. Ist das Präparat Schuld? Verraten tue ich nur Folgendes: Soderbergh ist – mal wieder – ein stilistisch interessantes, pfiffiges Filmchen gelungen, in dem die Schauspieler zu Bestformen auflaufen. Insofern alles top. Aber warum werde ich das Gefühl nicht los, bei Soderbergh wäre alles nur eine Fingerübung? Hält er sich zurück? Ist ein Film wie „Side Effects“ die Höhe seiner Kunst oder geht da noch was?

Camille Claudel 1915 (Bruno Dumont, Frankreich 2012)

Um psychische Störungen geht es auch in „Camille Claudel 1915“, ein Film, der bestimmt nichts für jedermann/frau ist. Erzählt wird die wahre Geschichte von der titelgebenden Künstlerin (Juliette Binoche), die von ihrer Familie in eine psychiatrische Anstalt bei Avignon überstellt wird. Sie hat nur einen Gedanken: Das Heim verlassen, um wieder ihrer Kunst nachgehen zu können. Was mir an dem Film imponierte: Die Einsamkeit, das endlose, nervenzerrende Warten, die Monotonie der Tage, die Trostlosigkeit der Anstalt – all diese Stimmungen sind in Dumonts Film perfekt eingefangen und übertragen sich fast eins zu eins auf den Zuschauer: Nachdem ich mich anfangs außerordentlich unwohl fühlte und nur mühsam dem Fluchtimpuls widerstand, habe ich mich irgendwann ergeben. Der Film dauert so lange wie er eben dauert. Ich hoffe, dass sich auch die reale Camille Claudel irgendwann ihrem Schicksal ergeben konnte. Am Ende macht es kurz den Anschein, als könne sie freikommen. Doch tatsächlich hat sie ihr restliches Leben – fast 30 weitere Jahre! – in dieser Anstalt verbracht.