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Berlinale 2013 – Tag 4

Posted by 11. Februar 2013

IMG_7636The Nun (Guillaume Nicloux, Frankreich / Deutschland / Belgien 2012)

Frankreich im 18. Jahrhundert. Suzanne Simonin (Pauline Étienne) wird von ihrer Familie ins Kloster geschickt. Suzanne hat einen starken Glauben, hinter Klostermauern einsperren lassen will sie sich trotzdem nicht. Doch mit ihrer schonungslosen Ehrlichkeit und ihrem Freiheitsdrang eckt sie überall an und sie muss schnell lernen, dass auch Christen zu allerlei Grausamkeiten imstande sind. Nunsploitation im Wettbewerb der Berlinale? Oder doch, wie das Presseheft zum Film zu „The Nun“ (OT: La Religieuse) verrät, ein „leidenschaftliches Plädoyer für ein unabhängiges Leben, für Courage und die Kraft, die durch die Gewissheit entsteht, das Richtige zu tun“? Ich halte mich da raus, möchte aber zumindest anmerken, dass ich den Moment, als Suzanne zu guter Letzt auch noch auf eine lesbische Ordensschwester (Isabelle Huppert) trifft, als Bruch wahrgenommen habe. Wenn das kein Versehen war, verstehe ich nicht, was Nicloux hierbei im Sinn hatte. Wenn nicht, hatte der Regisseur seinen Film nicht unter Kontrolle.

Vic+Flo Saw A Bear (Denis Côté, Kanada 2013)

Nach „Gold“ der zweite Wettbewerbsfilm in dem eine Bärenfalle eine wichtige Rolle spielt. Nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen wurde, findet Vic (Pierrette Robitaille) zusammen mit ihrer Geliebten, Flo (Romane Bohringer), Unterschlupf bei einem Verwandten auf dem Land. Doch die Tage der Ruhe sind für die beiden Frauen gezählt. – Kein Film hat mich bisher so ratlos zurückgelassen, wie Denis Côtés „Vic+Flo Saw A Bear“ (OT: Vic+Flo ont vu un ours). Ich werde mich deswegen auch erst einmal mit einer Meinung zurückhalten und noch ein, zwei Nächte drüber schlafen. Falls jemand nicht abwarten kann und unbedingt jetzt schon eine Meinung hören will: Mein Daumen geht tendenziell eher nach oben.

Maladies (Carter, USA 2012)

Seit Ayassis „Vinzent“ habe ich die Theorie, dass Regisseure mit nur einem Namen keine guten Filme machen können. Carters „Maladies“ bestätigt ein weiteres Mal diese Regel. Der Film handelt von den Außenseitern James (James Franco), einem ehemaligen Seriendarsteller, Catherine (Catherine Keener) einer Maler- und Crossdresserin, der schweigsamen Patricia (Fallon Goodson) und dem verschrobenen Nachbarn Delmar (David Straithairn). Ich sehe diese Schauspieler gerne und ich finde es eine gute und liebenswerte Idee, einen Film über eine Gruppe von Leuten zu machen, im weitesten Sinne über Künstler, die in ihrer eigenen Welt leben. Kunst und Wahnsinn – das gehört irgendwie zusammen. Aber anstatt über Carters Film nachzugrübeln schweifen meine Gedanken immer wieder ab und ich denke an „Funny Bones“ von Peter Chelsom, der so wunderbar ist… Das spricht nicht für „Maladies“.