Tag: Christopher Eccleston

Thor: The Dark World (Alan Taylor, USA 2013)

Posted by 28. Oktober 2013

„Thor“, von Kenneth Branagh, war unter den Superhelden-Filmen der letzten Jahre einer der überraschendsten: Quietschbunt, aber dem nötigen Ernst und trotzdem nicht humorlos. Das aktuelle Sequel „Thor: The Dark World“ (auf deutsch: „Thor: The Dark KINGDOM“) von Alan Taylor ähnelt in vielerlei Hinsicht seinem Vorgänger, erreicht aber aufgrund seines mit Verweisen überfrachteten, oft beliebig wirkenden Drehbuchs fast nie dessen Stärke. Dem Script mangelt es nicht an guten Ideen,  aber vor allem herrscht ein erstaunlicher Mangel an dramaturgischem Gefühl. Die gut aufgelegten Darsteller und das wilde Finale retten zum Glück so einiges, auf dem Olymp der Superhelden-Filme ist für „Thor 2“ dennoch kein Platz. Mehr dazu von mir auf Kino-Zeit.de.

Cracker (Michael Winterbottom, Andy Wilson, Simon Cellan Jones, Tim Fywell, Julian Jarrold, Jean Stewart, Roy Battersby, Charles McDougall, UK 1993-1995)

Posted by 3. März 2013

CrackerSerien. Viele sind zumindest kurzweilig. Und einige wenige gefallen mir auch richtig gut. Den Stellenwert von Filmen erreichen sie für mich dennoch nicht. Es mag stimmen, dass das Mehr an Erzählzeit, über das Serien verfügen, auch Chancen in sich birgt. Trotzdem: Für mich sind sie meist kein geschlossenes Ganzes – schon weil sie auf Biegen und Brechen so lange weitererzählt werden wie die Quote stimmt. Dass verschiedene Autoren und Regisseure an ihnen herumwerkeln macht die Sache auch nicht besser.

Aus diesem Grund habe ich eigentlich nie besonders viel Lust, mich zu Serien zu äußern. Im Falle von „Cracker“ möchte ich nicht nur eine Ausnahme machen. Ich möchte für diese Serie – oder sagen wir besser Filmreihe – sogar richtig laut die Werbetrommel rühren. Im Mittelpunkt von „Cracker“ (in Deutschland unter dem Titel „Für alle Fälle Fitz“ bekannt) steht der übergewichtige, kettenrauchende, fremdgehende, alkohol- und spielsüchtige Eddie „Fitz“ Fitzgerald (Robbie Coltrane), der die Mordkommission von Manchester als Profiler unterstützt. Doch nicht nur Mörder und Polizeikollegen machen dem launischen Psychologen zu schaffen, auch seine Ehe mit Judith (Barbara Flynn) stellt ihn vor große Herausforderungen.

Was die von Jimmy McGovern erdachte Serie von anderen Vertretern ihrer Art unterscheidet, ist zum einen die Länge einer Episode: kaum eine dauert unter 2 Stunden. Doch auch dramaturgisch hebt sich „Crackers“ von seinen Artgenossen ab: Hier geht es nicht um Hooks, Cliffhanger, Twists und möglichst ökonomisches Erzählen. Ruhig, präzise und einfühlsam werden die verschiedenen Kriminalfälle erzählt. Eine Folge dauert so lange wie sie eben dauert. Und wird erzählt, wie es der Geschichte am besten tut.

Diese hervorragend geschriebene und von Coltrane sowie allen anderen Darstellern (Robert Carlyle, John Simm und Christopher Eccleston verhalf die Serie zum Durchbruch!) famos gespielte Filmreihe hat ein von mir besonders geschätztes und erwähnenswertes Merkmal: Sie wagt sich nah – für viele Zuschauer bestimmt zu nah –an die Täter heran. Der Zuschauer erlebt nicht nur die grausamsten Taten, die Verbrechen werden für ihn sogar verständlich. Die Möglichkeit, die Täter als Monster, als Un-Menschen zu klassifizieren und das Gesehene dadurch erträglicher zu machen, gibt es nicht mehr. Jede Folge „Cracker“ ist wie die 2-stündige Reise in den Kopf eines Psychopathen. Es ist klar, dass man nach so einem „Urlaub“ nicht mehr der gleiche ist. Was auch der Grund für jede Menge Kritik sein dürfte, die die Serie bei Erstausstrahlung 1993 einstecken musste. Was „Cracker“ aufbietet, hat mit normaler Fernsehunterhaltung nichts mehr zu tun. Es geht ziemlich an die Nieren. Und so habe ich die Folgen auch nicht am Stück schauen können, sondern brauchte nach jeder Episode einige Wochen Erholung.

Und das soll auch mein Fazit sein: „Cracker“ braucht definitiv Zeit, aber diese Zeit ist gut investiert. Jede Folge ist ein Trip in die dunklen Seiten der menschlichen Psyche, eine manchmal amüsante, aber oft auch qualvolle Reise, von der man verändert zurückkehrt. Warum man das ertragen wollen sollte? Weil das Leid Teil der Welt ist. Und weil es sich vielleicht mindern lässt, wenn wir wissen, wie es entsteht und welche Formen es annehmen kann.

Bild © ITV Studios Home Entertainment