Tag: Daryl Hannah

Memoirs Of An Invisible Man (John Carpenter, USA 1992)

Posted by 17. Juli 2015

Jagd auf einen UnsichtbarenWer würde nicht gerne einmal Mäuschen spielen und sich, ohne bemerkt zu werden, an Orten aufhalten, zu denen man sonst keinen Zugang hat? Wer wäre nicht gerne einmal unsichtbar? Bestimmt die meisten. Was man sich allerdings selten klar macht, ist, welche Einschränkungen dieser vermeintliche Zustand absoluter Freiheit mit sich bringt. Nicht gesehen zu werden heißt nämlich vor allem eins – unendlich allein zu sein. Wie in John Carpenters „Memoirs Of An Invisible Man“. Da macht der lebefreudige Geschäftsmann Nick Halloway (Chevy Chase) während einer Tagung in einem Forschungszentrum ein Nickerchen. Durch einen Unfall im Labor wird ein Teil des Gebäudes sowie er selbst unsichtbar. Ehe er sich versieht ist ihm eine Spezialeinheit der C.I.A. unter der Führung des skrupellosen David Jenkins (Sam Neill) auf den Fersen. Sie wollen sich die Fähigkeiten des Unsichtbaren zu Nutze machen.

Die folgende Stunde ist Nick auf der Flucht, und ich fühlte mich nicht nur einmal an Andrew Davis’ meisterlichen „The Fugative“ erinnert. Dessen Spannung und Dichte erreicht Carpenters Film zwar nicht, seine Stärken liegen dafür anderswo. Allerdings verhält es sich mit ihnen ein wenig ähnlich wie mit dem Protagonisten – es fällt mir gar nicht so leicht zu sagen, wo sie sich befinden. Ich kann jedenfalls nicht ganz nachvollziehen, warum dieser Film so mäßige Kritiken eingefahren hat, da ich ihn als reinen Unterhaltungsfilm wie auch im Kontext von Carpenters Werk (als dessen er auf den ersten Blick gar nicht so leicht erkennbar ist) sehr schätze. Denn von den Möglichkeiten, die seine Unsichtbarkeit bieten sollte, bekommt Nick nur wenig mit. Er ist ein Gejagter, der ständig kurz davor steht, entdeckt zu werden. Er kann kaum schlafen, weil das Licht durch seine Augenlider scheint, er darf nicht essen, weil die Nahrung in seinem Magen natürlich nicht unsichtbar ist und er sich so verraten würde, er kann sich niemandem anvertrauen, weil der C.I.A. alles überwacht. Nick kann alles Sehen, aber er hat so gut wie keinen Einfluss auf die Dinge. Jede Intervention von ihm würde sofort seine Häscher auf ihn aufmerksam machen. Unsichtbar bedeutet bei Carpenter nicht frei, sondern gefangen zu sein. Wie Carpenter diesen Aspekt von Unsichtbarkeit hier herausarbeitet, finde ich besonders reizvoll.

Was nicht heißen soll, dass sich meine Sympathie diesem Film gegenüber hierin erschöpft. Von den zahlreichen Dingen, die ich an ihm mag, möchte ich vor allen noch einmal die drei Hauptdarsteller, Chevey Chase, Sam Neill und mit Einschränkung auch Daryl Hannah hervorheben, die jeder für sich wie auch im Zusammenspiel gut funktionieren. Chase hatte vor, mit diesem Film ins ernstere Fach zu wechseln, doch seine „funny bones“ kann er nicht komplett verstecken. Ich finde ihn einfach super besetzt in der Rolle des gelangweilten Playboys, der sich seine Wirklichkeit Stück für Stück zurück erkämpfen muss, und der erst durch sein Verschwinden lernt, in welcher Weise er in der Welt sein will. Neills Figur ist der perfekte Antagonist für diesen passiven Helden, sein David Jenkins ist ebenso clever wie skrupellos, gierig und omnipräsent. Er ist es gewohnt, Druck auf andere Menschen auszuüben, er drängt sie immer weiter an den Rand, bis sie sich entweder unterwerfen oder von der Klippe stürzen. Oder wie Nick, der irgendwann zum Gegenangriff bläst.

Einen kleineren Kritikpunkt hätte ich aber dennoch. Nicks furchtbare Situation, gejagt zu werden, nirgendwo hin zu können und allein zu sein, wird vielleicht ein wenig zu sehr abgemildert durch den Love Interest in Gestalt von Daryl Hannah. Die Chemie zwischen ihrer Figur und Nick stimmt, aber mit Sicherheit wäre alles noch etwas dramatischer, wenn Nick niemanden hätte, der ihn unterstützt. Ich selbst bin unsicher, ob ich mir den Film hier anders wünsche, denn einerseits fehlt ihm so, wie er ist, die letzte Konsequenz, andererseits gefällt mir gerade die Mischung aus Tragik und Humor, Anspruch und Unterhaltung. Doch auch so, wie er ist, habe ich „Memoirs Of An Invisible Man“ unheimlich gern. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich ihn sehe, auch wenn ich es nicht bis ins Detail erklären kann.

Bildm © Euro Video