Tag: David Gordon Green

Berlinale 2013 – Tag 7

Posted by 13. Februar 2013

An Episode In The Life Of An Iron Picker (Danis Tanovic,  Bosnien Herzegowina / Frankreich / Slowenien 2013)

Die Frau eines Mannes, der sich und seine Familie mit dem Sammeln von Altmetall über Wasser hält, ist schwanger. Doch sie bekommt Schmerzen. Im Krankenhaus wird ihr mitgeteilt, dass das Kind in ihrem Bauch nicht mehr lebt und schnell abgetrieben werden muss, damit sie keine Blutvergiftung bekommt. Die Behandlung soll allerdings fast tausend Mark kosten, was für die Roma-Familie unerschwinglich ist. Krankenversichert sind sie nicht. Doch auch dies ist nur eine Episode im Leben des Altmetall-Sammlers. Es ist nicht das erste und wohl auch nicht das letzte Problem, das die Familie in ihrem Leben meistern wird.  „An Episode In The Life Of An Iron Picker“ (OT: Epizoda u zivotu beraca zeljeza) ist sicherlich ein Sozial-Drama. Aber – und das steht für mich im Vordergrund – er ist auch ein warmherziger Film über die Freundschaft von Menschen am Rande der Gesellschaft, Menschen, die sich gegenseitig helfen und für einander einstehen – weil kein anderer es tut.

Prince Avalanche (David Gordon Green, USA 2013)

Alvin (Paul Rudd) und Lance (Emile Hirsch) erneuern die Fahrbahnmarkierungen einer kilometerlangen Landstraße in einem einsamen Waldgebiet. Während Lance unter dem Alleinsein leidet, nutzt Alvin die Zeit, um sein Leben zu planen und Fremdsprachen zu lernen – den nächsten Urlaub will er mit seiner Freundin in Deutschland verbringen. David Gordon Green, von dem ich nur „Pineapple Express“ kenne, hat mit „Prince Avalanche“, dem Remake des isländischen „Either Way“ von Hafsteinn Gunna, einen irgendwie typischen amerikanischen Independent-Film gemacht. Insofern sticht der Film auch angenehm aus dem bislang tendenziell schwermütigen Wettbewerbsprogramm heraus. Die Klischees dieses Genres hat Green allerdings nicht alle meiden können oder wollen. Mit ein wenig zu kalkulierter Lakonie und einigen Stereotypen muss der Zuschauer rechnen.

Night Train To Lisbon (Bille August, Deutschland, Schweiz, Portugal 2013)

Richtig schlimm wird es dann bei meinem letzten Film des Tages, „Night Train To Lisbon“. Schon den Roman von Peter Bieri alias Pascal Mercier habe ich nicht gerade geliebt – zu schmalzig waren mir manche Passagen und zu verliebt schien mir der Autor in die Figur des fiktiven Schriftstellers Amadeu Inácio de Almeida Prado –, aber die Verfilmung durch Bille August erreicht nicht einmal annähernd dessen Klasse.  Ich will mich gar nicht darüber aufregen, dass einige, meiner Meinung nach für die Geschichte essenzielle Aspekte weggelassen wurden. Dass August die Selbstfindung eines Mannes als kitschige Schmonzette in langweiligstem Rückblendenstil inszeniert, kann da schon eher frustrieren. Dass aber die Hauptfigur, ein Schweizer Latein-, Griechisch- und Hebräischlehrer von einem Engländer und  die Portugiesen des Films wiederum von englisch sprechenden Deutschen gespielt werden, die versuchen, den Akzent nachzuahmen, raubt dem Film nicht nur den letzten Rest Glaubwürdigkeit – er macht die Geschichte auch noch zu einer lächerlichen Farce. Ich wundere mich fast, dass man den Film nicht z.B. in Hannover hat spielen lassen. Das hätte den einen oder anderen Finanzier dieses Co-Produktions-Monsters vielleicht noch glücklicher gemacht.