Tag: Dominic Cooper

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Posted by 22. März 2014

Es ist nicht die Zeit für patriotische Helden, deren Kostüm aussieht, wie aus einer Amerika-Flagge zusammengenäht. Habe ich gedacht. Das erste Solo-Abenteuer von Captain America vor drei Jahren hat mich in dieser Ansicht bestärkt. Mit „Captain America: The Winter Soldier“ haben mich Anthony und Joe Russo nun allerdings eines Besseren belehrt. Geht anscheinend doch. Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen. Ein wenig geschwätzig zwar und in manchen Momenten over the top, war ich dennoch erstaunt, wie offensiv und mutig hier die Gefahr, die von allmächtigen Geheimorganisationen ausgeht, kritisiert wird. Dass die Antwort auf diese Bedrohung gerade ein Mann in nationalfarbenen Strumpfhosen sein soll, ist bestimmt diskussionswürdig, aber auf jeden Fall weniger trivial als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Systeme können sich nicht selbst heilen. Dazu bedarf es Menschen. Und zwar solche, die transparent agieren, die vertrauenswürdig sind und in der Lage, selbst zu vertrauen. Woran man denn die Bösen erkennt, wird im Film einmal gefragt. Das sind die, die auf dich schießen, antwortet Captain America. So einfach ist es vielleicht nicht. Doch den Impuls, die totale Überwachung und Waffensysteme, welche angeblich der Sicherheit dienen, unbedingt und entschlossen abzulehnen, kann ja wohl so falsch nicht sein. Dass diese Haltung gerade von einem Mann vertreten wird, der aus der Vergangenheit der USA kommt, ist vor dem Hintergrund aktueller Problemlagen natürlich besonders interessant. Ja, „Captain America: The Winter Soldier“ hat mich überrascht. Ein unterhaltsamer Film. Und vielleicht sogar ein schlauer. Die Action-Szenen nicht zu vergessen. Zumindest derer drei sind ziemlich geil. Für Kino-Zeit.de habe ich eine Kritik geschrieben.

Need For Speed (Scott Waugh, USA 2014)

Posted by 14. März 2014

Ich mag keine Autos. Und auch keine Auto-Filme. Doch keine Regel ohne Ausnahme. „Need For Speed“ ist so eine. Für die Ausgabe No. 17 des AGM-Magazins, welches in jedem gut sortierten Zeitschriftenhandel auffindbar sein sollte, aber auch hier bestellt werden kann, habe ich eine kleine Hymne auf den Film geschrieben. Im Kern sage ich dort Folgendes: Scott Waugh ist ein unglaublich stylischer, visuell starker, herrlich ernsthafter und gleichzeitig wunderbarer naiv-komischer Film gelungen, sicherlich auch ein Kniefall vor Richard C. Sarafians Klassiker „Vanishing Point“, aber auch ein selbstbewusstes, eigenständiges Werk, das den Zuschauer in ein anderes, fernes und trotzdem hyperreales Jetzt katapultiert. Muss man einfach lieb haben! Das Gesicht von „Breaking Bad“-Star Aaron Paul scheint zu quietschen, wenn er versucht, es zu bewegen, ganz so, als wäre er selbst ein Teil der Maschine, seines Rennautos, das er quer durch Amerika steuert. Und die großartige Imogen Poots („28 Weeks Later“) ist der göttliche Funke, der dem rasenden Vehikel Leben einhaucht. Wer einen wunderschönen, reichlich seltsamen und den vielleicht besten Auto-Film des Jahres sehen will, kommt an „Need For Speed“ nicht vorbei. Er startet am 30. März 2014 im Kino.

Abraham Lincoln: Vampire Hunter (Timur Bekmambetov, USA 2012)


Weil seine Mutter (Robin McLeavy) von einem Vampir umgebracht wurde, ist Abraham Lincoln (Benjamin Walker) nicht gut auf Blutsauger zu sprechen. Eine Möglichkeit sich zu rächen bekommt Abe aber erst, als er durch den geheimnisvollen Henry Sturgess (Dominic Cooper) in die Kunst des Vampiretötens eingeführt wird. Mit einer Axt und unterstützt von seiner Frau (Mary Elizabeth Winstead) und Freund (Jimmi Simpson) geht der junge Mann daraufhin äußerst erfolgreich gegen alle Vampire und deren fiesen Boss (Rufus Sewell) vor – und wird nebenher auch noch Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Das ist schon harter Tobak: Bei seinem Krieg gegen die Sklaverei ging es Lincoln gar nicht in erster Linie darum, den Menschen die Freiheit zu schenken – eigentlich wollte er nur den in den Südstaaten ansässigen Vampiren ihre Lebensgrundlage entziehen. Über diese und andere Ideen, die von abstrus bis menschenverachtend reichen, möchte man gar nicht weiter nachdenken. Aber auch den Mist, den Seth Grahame-Smith („Dark Shadows“) hier zusammengeschrieben hat, einmal völlig bei Seite gelassen – auch sonst bietet der neue Film von Timur Bekmambetov wenig Grund zur Freude. Wehmütig denke ich an „Night Watch“ (OT: Nochnoy Dozor) und „Day Watch“ (OT: Nochnoy Bazar), wo sich Style und Substance noch ganz wunderbar die Waage gehalten haben; sogar zum überkandidelten „Wanted“ lässt sich einiges Positive anführen. Bei Bekmambetov gibt es immer eine gehörige Portion Irrsinn. Der Mann hat(te) die Fantasy und das Handwerkszeug, Filme einfach mal anders zu machen. Auch in „Abraham Lincoln“ finden sich noch einige wenige Momente, in denen das Können Bekmambetovs aufblitzt, z.B. wenn Abe in/auf/unter einer galoppierenden Pferdeherde gegen einen Vampir kämpft; oder beim Showdown in einem Zug, wenn die Schwerelosigkeit und alle anderen Regeln der Physik endgültig aufgehoben scheinen. Doch solche Momente sind einfach zu selten. Die Geschichte zieht nicht, die Figuren bleiben uninteressant. Es überwiegt die Aneinanderreihung von schlechten Dialogen, mäßigem Schauspiel und CGI-Actionsequenzen, die überwältigen sollen, aber leider kalt lassen.

Wenn man „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ nicht als Totalausfall bezeichnen möchte, funktioniert das zumindest für mich am besten, wenn man ihn im Kontext von Bekmambetovs Gesamtwerk sieht. Der Russe hat sich schon immer für Stoffe interessiert, die der gemeinhin für wahr gehaltenen Weltordnung  ein düsteres Spiegelbild entgegenstellt: In den beiden Wächter-Filmen sind es eine Gruppe Zauberer, die die irdischen Geschicke lenken, in „Wanted“ bestimmen Killer im Auftrag einer anonymen Macht das Weltgeschehen und in „Abraham Lincoln“ ist es eben nur vordergründig der Recht schaffende 16. Präsident der Vereinigten Staaten, der sich für die Freiheit einsetzt – in Wirklichkeit aber nur seine persönlichen Rachegelüste befriedigen will.  Dieses Motiv zieht sich wie ein kaum hörbarer Missklang durch die bunten Bilderwelten und macht für mich seine Filme – selbst die schlechten, wie „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ – immer noch interessant.

Bild © Twentieth Century Fox