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Source Code (Duncan Jones, USA 2011)


source codeDuncan Jones Debüfilm „Moon“ gilt schon wenige Jahre nach seinem Erscheinen als Science-Fiction-Klassiker. Jones trieb in diesem Quasi-Ein-Mann-Stück nicht nur seinen Hauptdarsteller Sam Rockwell („The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“, „Choke“) zu absoluten Höchstleistungen an, sondern präsentierte erzählerisch geschickt und inszenatorisch eigenwillig das schauriges Bild einer Zukunft, in der nur das zählt, was sich rechnet. Ich bin nicht uneingeschrenkt zufrieden mit „Moon“, weil mir der Film einfach zu sehr wie ein gestreckter Kurzfilm vorkommt, aber ich mag ihn trotzdem.

Noch viel besser finde ich allerdings „Source Code“, Jones zweiten Langfilm nach einem Drehbuch von Ben Ripley, der seinem Debüt in mehrfacher Hinsicht sehr ähnlich ist. Abermals findet sich ein Mann – und mit ihm der Zuschauer – in einer schwer zu durchschauenden Situation wieder, erneut werden philosophische Themen wie Identität, neue Technologien sowie Fragen nach dem Menschsein an sich mit einer gehörigen Portion Kapitalismuskritik zu einer reizvollen, aber auch herausfordernden Melange vermischt. Diesmal handelt die Geschichte von dem Soldaten Captain Colter Stevens (Jake Gyllenhaal), der sich unversehens in einem Zug Richtung New Jersey wiederfindet – jedoch nicht in seinem Körper, sondern in dem eines ihm fremden Mannes. Die anderen Passagiere, allen voran die Frau auf dem Platz vor ihm (Michelle Monaghan), scheinen ihn allerdings zu kennen. Ehe er das Rätsel lösen kann, detoniert eine Bombe in dem Zug – und Stevens findet sich in der gleichen Situation wieder, in der er vor ein paar Minuten war.

Mehr soll an dieser Stelle gar nicht über den Inhalt des Films verraten werden. Dem Leser dieses Textes sei weiterhin ans Herz gelegt, sich vorab möglichst wenig über den Film zu informieren. Denn „Source Code“, der wie eine Mischung aus Duncan Jones letztem Film, „Twelve Monkeys“, „eXistenZ“ und einer explosiven Variante von „Groundhog Day“ wirkt, hält noch einige Überraschungen bereit, denen man sich möglichst uninformiert aussetzen sollte, um in den Genuss des maximalen Guckspaßes zu kommen. Allerdings – und das macht Jones’ Neuen nicht nur zu einem sehr guten, sondern zu einem großartigen Film – lebt „Source Code“ nicht (nur) von seinen Twists, einem leidenschaftlichen Gyllenhaal sowie der bezaubernden Monaghan, sondern darüber hinaus von seiner exzellent umgesetzten, visionären Grundidee. Diese offenbart sich allerdings nicht auf den ersten Blick, sondern will gefunden werden.

Mit seinen ersten beiden Werken hat sich Duncan Jones, der Sohn von David Bowie, bereits als sehr fähigen und cleverer Filmemacher profiliert. Bei kaum jemanden bin ich derzeit so gespannt auf den nächsten Film. Im Falle von Jones ist das wohl die Spieladaption „Warcraft“, die irgendwann 2016 in die Kinos kommen soll.

Bild © Optimum Releasing