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The Bourne Legacy (Tony Gilroy, USA 2012)


Es hat bei mir etwas gedauert, bis ich die Bourne-Filme zu schätzen wusste. „The Bourne Identity“ von Doug Liman war mir erst etwas zu lahm, die beiden folgenden Teile von Paul Greengrass zu hektisch. Aber irgendwann, bei einer TV-Sichtung des ersten Teils, hat es dann Klick gemacht und auf einmal fand ich ihn mitreißend. Ähnlich erging es mir mit Teil zwei und Teil drei. Eigentlich wollte ich aus diesem Grund die Bourne-Filme mal am Stück gucken, was ich aber bisher nicht geschafft habe. Bisher. Anlässlich des Release von „The Bourne Legacy“ ist mir dieses Projekt aber wieder eingefallen und ich gelobe, dass ich das demnächst auch mal durchziehe und dann auch was dazu hier ins Blog stelle. Aber vorher hier ein paar Sätze zum aktuellen Teil, „The Bourne Legacy“, der es nicht ganz schafft, mit den Vorgängern mitzuhalten. (Ein ausführlicheres Review gibt’s hier.)

Weil Jason Bourne den Geheimdienst ärgert sollen alle Top-Secret-Programme, in denen Menschen durch Medikamente zu Supersoldaten gemacht werden, geschlossen werden. Damit nichts an die Öffentlichkeit gerät, müssen allerdings auch alle Agenten und involvierten Wissenschaftler sterben. Aaron Cross (Jeremy Renner) aka Agent Nummer 5 entgeht aber den Anschlägen. Zusammen mit Chemikerin Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz), die aufgrund ihres Insiderwissens ebenfalls zur Zielscheibe geworden ist, versucht er seinen Häschern zu entkommen.

Über die Geschichte muss man wohl nicht viele Worte verlieren. Innerhalb des Bourne-Universums ist sie glaubwürdig genug, aber in gewisser Weise auch überflüssig, weil sie nichts wesentlich Neues über die Killer-Programme der Regierung enthüllt. Insofern kann man Paul Greengrass schon verstehen, dass er nach „The Bourne Ultimatum“ entgültig die Nase voll hatte. Rein vom Erleben, habe ich mich bei „The Bourne Legacy“ die ersten 30 Minuten etwas gelangweilt: Agent Nummer 5 läuft durch den Wald, während anderswo umständlich die Weichen gestellt werden, ihn und alle anderen Agenten aus dem Weg zu träumen. Das hätte man für meinen Geschmack kürzer erzählen dürfen. Aber dann, irgendwann in der Mitte, gab es dann eine grandiose Actionsequenz, die mich wieder geweckt hat: Erst werden Dr. Marta Shearing Kollegen brutal von einem anderen Chemiker erschossen, aber die stärkste Sequenz geht erst nach dem Blutbad los. Da sitzt Marta zu Hause in ihrem renovierungsbedürftigen Haus (dieses Haus ist es übrigens, das einer Profil von dieser ansonsten austauschbaren Figur am nächsten kommt), als die Polizei vorbei kommt, um sie noch einmal zu den Vorfällen im Labor zu verhören. Doch die Stimmung kippt, Marta merkt, dass die Beamten ihr nicht helfen, sondern ihr anscheinend eine Teilschuld an den Vorfällen unterstellen wollen. Je mehr sich Marte gegen die Anschuldigungen wehrt, je aggressiver werden auch die Beamten – und schließlich merkt Marta, ihr Besuch ganz andere Absichten hat, als sie zu verhören.

Leider hat mich nach dieser grandiosen Sequenz nichts mehr vom Hocker gerissen. Als Tony Gilroy dann im Finale versucht, es noch einmal richtig krachen zu lassen, hat das bei mir eher den gegenteiligen Effekt ausgelöst. Der „Endgegner“ wurde mir etwas zu unvermittelt aus dem Hut gezaubert und die Verfolgungsjagd per Auto und Motorrad war für mich over the top. Ich fasse mal so zusammen: „The Bourne Legacy“ über weite Strecken ein kurzweiliger Actionfilm. Aber Gilroy scheint sich entschieden zu haben, dass das Franchise etwas mehr Gewalt benötigt. Das führt daszu, dass Agent Nummer fünf weder bei freundlichem Sicherheitspersonal noch unschuldigen Wolfsrudeln Gnade kennt und alles was sich ihm in den Weg stellt, kurzerhand niedermetzelt. Verglichen mit den Vorgängern hat „The Bourne Legacy“ deswegen das Herz aber nicht mehr am rechten Fleck.

Bild © Universal Pictures