Tag: Film im Film

Demons (Lamberto Bava, Italien 1985)

Posted by 13. Januar 2013

demons„I don’t know how to explain it, but it’s the movie that’s making this happen!“ – Cheryl

Der zuletzt gesehene „Anguish“ hat mir Lust gemacht auf Filme, die im Kino spielen. Eine gute Gelegenheit mal Lamberto Bavas „Demons“ einzulegen. Der steht schon seit fast einem Jahr wartend im Regal.

„Demons“ (OT: Dèmoni) beginnt mit einer Einladung ins Kino. Als Cheryl (Natasha Hovey) aus der U-Bahn steigt, fühlt sie sich verfolgt von einem seltsamen Mann mit einer silbernen Maske. Doch dann stellt sich heraus, dass er nur einen Film im Berliner Kino Metropol promotet. Cheryl erhält eine Einladung für sich und ihre Freundin Kathi (Paola Cozzo). Später im  Kino treffen zahlreiche unterschiedliche Charaktere aufeinander.  Aufsehen erregt ein seltsames Objekt im Foyer: Ein rotes Motorrad mit einem Samurai-Schwert und einer silbernen Maske. Ein weiblicher Gast setzt sich die Maske auf und verletzt sich dabei. Als der Film beginnt – ein Horrorfilm über Dämonen – fängt die Wunde der Frau auf einmal wieder stärker an zu bluten. Kurze Zeit später verwandelt sie sich in einen Dämon. Das Kino wird zu Todesfalle.

Dies war allerdings nicht meine erste Sichtung des Films. Ich habe ihn schon mal irgendwann als Jugendlicher gesehen. Die Erinnerung war dementsprechend blass – aber positiv. So war das erste, das mich auch bei Neusichtung des Films gleich wieder fasziniert hat, das Lokalkolorit und Berlin-Charme dieses italienischen Films. An der U-Bahn-Station Heidelberger Platz steige ich derzeit auch immer aus, wenn ich von der Arbeit kommen; und das Metropol-Kino habe ich selbst noch erlebt. Insofern ist die erste halbe Stunde dieses Films für mich ganz wunderbar, sicherlich auch, weil sie mit nostalgischen Gefühlen verbunden ist, aber eben auch, weil sie wirklich gut ist. Spannungsaufbau, Atmosphäre, die Vorstellung der verschiedenen Charaktere – das alles ist gelungen. Doch leider konnte der Film im weiteren Verlauf meiner Erinnerung doch nicht ganz gerecht werden.

Je mehr der Dämonenvirus um sich greift, desto mehr entwickelt sich dieser anfangs stil- und stimmungsvolle Film in einen brutalen, leidlich amüsanten frühen Vertreter des Fun-Splatters-Genres. Sicherlich, hier und da gibt es immer wieder optisch herausragende Momente und auch den einen oder anderen gelungenen Scherz. Aber ab dem Zeitpunkt, als das Spiel mit den verschiedenen Ebenen und die Film-im-Film-Idee aufgegeben wird, beginnt der Film zäher und zäher zu werden – und einfach uninteressanter.  Was mich ebenfalls stört, ist, dass clever eingeführte Elemente (Samuraischwert) oder Figuren, (der Blinde oder die rothaarige Kinodame), einfach fallen gelassen werden. Dabei hätte man mit ihnen die Story noch in eine interessante Richtung lenken können. Anstelle dessen werden umständlich neue Figuren eingeführt (die Rockertruppe), die zu nichts gut ist, außer zu sterben.

„Demons“ ist also kein wirklich guter Film. Ich bin trotzdem nicht unglücklich, ihn mal wieder gesehen zu haben. Auch wenn er im weiteren Verlauf immer schwächer wird (bis zum Hubschrauber, das ist dann doch irgendwie ziemlich prima), hat er immerhin eine starke erste halbe Stunde und danach noch einige gute Einzelszenen. Und eine Moral gibt’s auch noch: „We got to stop it I tell you, we got to stop the movie!“ ruft eine der Figuren irgendwann im Film. Doch man muss feststellen, dass es zu spät ist. Wenn so ein Film wie dieser erst einmal angelaufen ist, kann ihn nämlich nichts mehr aufhalten. Oder mit anderen Worten: Büchse der Pandora und so.

Bild © Arrow Video
 

Anguish (Bigas Luna, Spanien 1987)

Posted by 12. Januar 2013

Anguish

Die Idee, dass sich im Kinosaal das gleiche abspielt wie auf der Leinwand, hat wahrscheinlich die größte Wirkung, wenn man den entsprechenden Film (über einen Film im Film) selbst im Kino sieht. Aber auch auf DVD ist Bigas Lunas „Anguish“ –übrigens meine erste Begegnung diesem Regisseur, der ansonsten eher für seine seltsamen, gewalttätigen Erotikfilme bekannt ist – ganz große Klasse!

John (Michael Lerner) arbeitet als Assistent beim Augenarzt. Er selbst ist kurz davor, sein Augenlicht zu verlieren, weil er an Diabetes leidet.  Nachdem er Ärger mit einer Patientin bekommt, wird er zu Hause von seiner herrschsüchtigen Mutter (Zelda Rubinstein) hypnotisiert – und stattet der Patientin infolgedessen einen abendlichen Besuch ab. Und schneidet ihr die Augen heraus! Und dann merkt der Zuschauer plötzlich, dass es sich bei den Ereignissen um John und seine Mutter nur um den Film „The Mother“ handelt, der in einem Kino läuft.  Unter den Zuschauern sind auch die Freundinnen Linda (Clara Pastor) und Patty (Talia Paul). Patty erträgt den Film nicht und klagt über Magenschmerzen und Übelkeit. Sie verlässt das Kino und begegnet auf der Toilette einem Mann, den sie für einen Killer hält. Versucht jemand die Ereignisse auf der Leinwand in die Tat umzusetzen?

Nach Luhman ist jedes Beobachten von Texten, Bildern etc. ein „Beobachten zweiter Ordnung“, das Vertrauen in die Beobachtung erster Ordnung voraussetzt. „Anguish“ (OT: Angustia) – der in Deutschland unter dem nichtssagenden Titel „Im Augenblick der Angst“ bekannt ist – unterminiert dieses Vertrauen nachhaltig, weil er den Zuschauer sozusagen in einer Beobachtungsspirale abwärts reißt und Zweifel an der Identität des wahrnehmenden Subjekts aufkommen lässt. „Anguish“ beginnt mit einer Warnung an den Zuschauer, dass der Film sublimale Techniken eingesetzt und er, der Zuschauer, während der Vorstellung in eine leichte Hypnose versetzt wird. Bei Problemen solle man den Film sofort verlassen. Und in der Tat zeigen nicht Patty und die Besucher des Films Anzeichen der Hypnose. Wenn die Killer mit ihren Geiseln vor den Leinwänden stehen und sich zur hypnotischen Stimme von Zelda Rubinstein die verschiedenen Schichten überlagern, dann stürzt auch der Zuschauer, der Beobachter erster Ordnung in einen filmischen Taumel der seines gleichen sucht.

Ich würde nicht ausschließen, dass „Anguish“ auch mich erfolgreich hypnotisiert hat. Jedenfalls kann ich nicht anders als seit gestern die ganze Zeit über diesen Film zu schwärmen.

Bild © Sunfilm
 

Cigarette Burns (John Carpenter, USA 2005)

Posted by 9. Juni 2012

Der kürzlich gesehene „The Ward“ hat mir wieder ganz schrecklich Lust auf John-Carpenter-Filme gemacht. „Cigarette Burns“, sein Beitrag für die Horror-Kurzfilm-Reihe „Masters Of Horror“, hat dieser Euphorie allerdings gleich wieder einen Dämpfer versetzt.

Geld spielt für Bellinger (Udo Kier) keine Rolle. Was er will ist die letzte Kopie des Films „Fin Absolute du Monde“, die seit ihrer Uraufführung als verschollen gilt. Deswegen soll Jimmy Sweetman (Norman Reedus), Kinobesitzer und Experte für die Beschaffung besonderer Filme, Bellinger die Kopie verschaffen. Das trifft sich für Jimmy gut, schließlich schuldet er dem Vater seiner verstorbenen Frau noch viel Knete, was er nach erledigtem Job zurückzahlen könnte. Doch Geld ist bald seine kleinste Sorge. Je näher er dem Film kommt, desto auswegloser verliert er sich in einer düsteren Welt voller tödlicher Geheimnisse.

Nein, dieser Film ist John Carpenter nicht besonders gut gelungen. Gemessen an den anderen Teilen der „Masters Of Horror“-Reihe mag er okay sein, bezogen auf Klassiker wie „Halloween“, „The Thing“, „Prince Of Darkness“, „The Fog“ (uvm.) fällt „Cigarette Burns“ aber gehörig ab.  Sich als Filmemacher einmal selbstreflexiv mit den Schattenseiten seiner Kunst auseinandersetzen zu dürfen, muss für Carpenter verlockend gewesen sein. Doch es wird schnell deutlich, dass die Story aus der Feder von Drew McWeeny und Scott Swan Carpenters Stärken, beispielsweise der klaustrophobischen Inszenierung von Raum, nicht wirklich entgegenkommt.

Das soll jetzt gar nicht in einen umfassenden Verriss münden. Ganz unspannend ist „Cigarette Burns“ nicht. Und für Fans deftiger Szenen gibt es auch den einen oder anderen Moment – z.B. als eine Figur auf die Idee kommt, den Filmprojektor mit Gedärmen statt Zelluloid zu füttern. Außerdem haben wir noch einen gefangenen Engel ohne Flügel, der traurig auf einem Drehpodest ausgestellt wird. In seinen  besten Momenten erinnert „Cigarette Burs“ sogar ein wenig an Polanskis „The Ninth Gate“ oder an Theodore Roszaks  Roman „Schattenlichter“. Aber letztlich sind die knappen 60 Minuten Spielzeit einfach zu wenig, um derartige Ideen weiterzuentwickeln. Also kein Verriss, aber dennoch die Enttäuschung darüber, dass „Cigarette Burns“ einfach nur ein gerade mal überdurchschnittlicher Kurzfilm in einer mittelmäßigen Horror-Reihe ist.

 Bild © Splendid