Tag: George Clooney

Tomorrowland (Brad Bird, USA 2015)

Posted by 19. Mai 2015

Bei „Tomorrowland“ bzw. „A World Beyond“, wie er auf gut deutsch heißt, weiß ich auch nicht so recht. Einerseits fand ich ihn flott, amüsant und warmherzig. Gute Action-Szenen! Und auch die Figuren – George Clooney als griesgrämiger Erfinder Frank Walter, Britt Robertson als das junge Genie Casey Newton und Raffey Cassidy als Götterbotin Athena – waren mir sehr sympathisch. Trotzdem hat mich Brad Birds Film in einer ambivalenten Stimmung zurückgelassen. Am Ende ist alles zu einfach, zu schwarz-weiß und moralisch zumindest zu hinterfragen. Denn wenn es wirklich Disney’s Träumer-Elite obliegt, die Welt von Morgen (er)finden, wage ich die Prognose, dass sich nicht jeder Mensch gleichermaßen gut vertreten fühlen wird. Auf Kino-Zeit.de führe ich diese Gedanken weiter aus.

Gravity (Alfonso Cuarón, USA, UK 2013)


gravityWährend die Astronauten Matt Kowalsky (George Clooney) und Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) gerade Reparaturen an einem Weltraumteleskop durchführen, wird ihr Shuttle von Trümmern eines Satelliten zerstört – und die beiden Astronauten befinden sich plötzlich ganz alleine in den dunklen Tiefen des Weltraums.

Ich habe ein bisschen Höhenangst. Vielleicht liegt es auch daran, dass „Gravity“ eine so ungeheure Wirkung auf mich gemacht hat. Ich saß im Kino, beobachtete die beiden freischwebenden Astronauten und bekam Herzrasen und feuchte Handflächen. Einen Film, der das Gefühl, verlassen im Weltraum zu schweben, so gut und intensiv auf die Leinwand bringt, habe ich noch nicht gesehen. Nach dem Film habe ich gedacht: Ach wie schön, dass ich Filmkritiker bin und kein Astronaut!

Was Bewegung in Schwerelosigkeit betrifft haben Alfonso Cuarón und sein Kameramann Emmanuel Lubezki Unvergleichliches erreicht: Diese Bilder.. Die Kamera schwebt, kreist, ja taumelt durch das Geschehen und vermittelt dem Zuschauer ein Gefühl davon, wie es den beiden durchs All driftenden Astronauten gehen muss, die Surround-Sound-Technik „Dolby Atmos“ und das gelungene 3D vermitteln weiterhin das Gefühl von einer unglaublichen Räumlichkeit und Tiefe. Sensationell! Mich jedenfalls hat „Gravity“ nahezu körperlich mitgenommen!

Auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick wirkt „Gravity“ wie ein klassischer Katastrophenfilm, ein Weltraum-Abenteuer vor dem Hintergrund einer Havarie in der Umlaufbahn. Kowalskys und Dr. Stones einzige Hoffnung ist es, die nächste Raumstation zu erreichen und mit Hilfe ihrer Rettungskapseln wieder sicher auf der Erde zu landen. Doch der Sauerstoff wird knapp und auch die Trümmer des Satelliten und des Shuttles, die um die Erde kreisen, stellen weiterhin eine große Gefahr dar. Es gibt ein paar Wiederholungen in der Handlung, ein formidabler, mitreißender Actionfilm in ungewöhnlicher Umgebung ist „Gravitiy“ trotzdem in jedem Fall. Aber ist da noch mehr? Cuarón hatte doch bestimmt nicht nur im Sinn, eine spannende Geschichte zu erzählen?

Mit der Frage, warum der Film eigentlich „Gravity“ heißt, könnte man z.B. ansetzen. Die Menschen im All wirken so klein und so verloren. Ohne Luft und wärmende Schutzkleidung  würden sie dort oben nur Sekunden überleben. Das bisschen fragile Technik gibt kaum Halt. Eine falsche Bewegung, ein Fehlgriff und sie stürzen in die Unendlichkeit. Das einzige, das verhindert, dass der Mensch sich verliert, ist die Anziehung der Erde – sei es durch die Gravitationskräfte oder durch die emotionale Bindung, die wir untereinander haben. Für Dr. Stone ist es beispielsweise Kowalski, der ihr Mut macht und ihr Kind auf der Erde, das ihr Hoffnung schenkt. Ohne diese Bindungen wäre der Mensch einfach Körper und Spielball der Naturgewalten; und es ist bestimmt kein Zufall, dass den Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft in Cuaróns Film eine besondere Bedeutung zukommt (so wie der Mensch aus dem Wasser kommt, zieht es ihn auch irgendwann dahin zurück). Aber es sind vor allem die Anziehungskräfte zwischen Menschen – Liebe, Freundschaft, Vertrauen –, die hier den Unterschied machen zwischen Objekt und Subjekt, Leben und Tod. Und die schlussendlich verhindern, dass wir in der Dunkelheit des Weltraums einfach verschwinden.

Was soll das bedeuten? Vielleicht, dass wir  da oben nichts verloren haben? Oder doch, dass wir uns hinauswagen dürfen in die unendlichen Weiten, solange wir miteinander in Kontakt bleiben? Ich weiß es nicht, aber ich habe es als sehr positiv empfunden, dass Cuarón sich diesmal, wenn schon nicht mit dem gelegentlich ein wenig übers Ziel hinausschießenden Score, so doch mit plakativer Symbolik zurückhält und dem Zuschauer einen sehr offenen Film mit viele Deutungsmöglichkeiten übergibt. Dies, die grandiose technische Umsetzung sowie die Leistung von Sandra Bullock machen „Gravitiy“ zu einem großen, wichtigen und existenziellen Kinoerlebnis.

Bild © Warner Bros.