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The Strange Vice Of Mrs. Wardh (Sergio Martino, Italien / Spanien 1971)

Posted by 15. April 2015

der killer von wienIn Wien geht ein Rasiermessermörder um. Als Julie Wardh (Edwige Fenech), Frau eines wohlhabenden Geschäftsmannes (Alberto de Mendoza), von dem Killer bedroht wird, fällt ihr Verdacht sofort auf ihren brutalen Ex-Liebhaber Jean (Ivan Rassimov). Könnte er der Killer sein? Oder vielleicht ihr neuer Liebhaber George (George Hilton)?

Für den Killer und die Morde, die, fürs Genre untypisch recht kurz, fast schon lieblos abgehandelt werden, interessiert sich Sergio Martino in „The Strange Vice Of Mrs. Wardh“ herzlich wenig. Wer dem Giallo vor allem wegen dessen Schmuddelflair und blutigen Einlagen zugetan ist, für den dieser hier möglicherweise nicht der perfekte Film. Das gilt etwas anderen Gründen auch für mich. Ich bin in Kladde gesprochen vor allem an der Ästhetik der Gewalt interessiert und daran, wie das Böse beinahe schon in abstrahierter Form in die oft nur rudimentären Geschichten eindringt. Aus diesem Grund gehört der Film, ehrlich gesagt, auch nicht so richtig zu meinem Beuteschema. Dennoch erkenne ich durchaus an, wie geschickt Sergio Martino seinen Psychokrimi-Plot webt. Zum Schluss macht all das, was sich während des Sehens für den ein oder anderen vielleicht etwas unzusammenhängend oder sogar wirr anfühlt, richtig Sinn. Und ich denke, Martino ist es durch den starken Fokus auf seine Hauptfigur hier sogar gelungen, einen bestimmten Aspekt vieler Gialli, der mit dem Verhältnis Täter-Opfer zu tun hat, besonders schön herauszuarbeiten. Damit gefällt mir Film, der mich ein wenig  Lucio Fulcis „A Lizard In A Woman’s Skin“, wesentlich besser als Martinos zwei Jahre jüngerer„Torso“.

Neben einschlägigen Werken von Dario Argento und Mario Bava ist „The Strange Vice Of Mrs. Wardh“ wahrscheinlich einer der hierzulande bekanntesten Gialli. Zumindest kannte ich schon bevor ich meine ersten Erfahrungen mit diesem Genre machte den deutschen Titel „Der Killer von Wien“. Wie so oft – und das ist mir neulich bei meiner Zweitsichtung des Films noch einmal aufgefallen – passt der Originaltitel weitaus besser, und das nicht nur weil der deutsche Name aus Gründen, die zu nennen einem Spoiler gleichkäme, irreführend ist. Nein der Originaltitel (OT: La strano vizio della Signora Wardh) passt einfach so gut, geht es in Martinos Film doch wirklich vor allem um Mrs. Wardh und ihr Laster. Ob man darunter ihre masochistische Neigung oder ihre schlechte Angewohnheit, sich immer mit den komplett falschen Männern einzulassen, verstehen will, bleibt jedem selbst überlassen.

Bild © Media Target Distribution