Tag: James Karen

Invaders From Mars (Tobe Hooper, USA 1986)

Posted by 3. Oktober 2014

Invasion vom Mars#Horrorcober #6

Tobe Hooper hat nicht nur rein äußerlich ein wenig Ähnlichkeit mit Steven Spielberg, auch beruflich haben die beiden Regisseure einiges miteinander gemein. In den frühen 1980er Jahren drehte Hooper für Spielberg „Poltergeist“, 20 Jahre später wirkte er an Spielbergs Miniserie „Taken“ mit; und auch Toopers „Invaders From Mars“ ist so etwas wie die Alptraum-Version von Spielbergs „Close Encounters Of The Third Kind“

Der jungeDavid (Hunter Carson) beobachtet eines Nachts aus dem Fenster wie hinter dem Hügel seines Elternhauses ein Ufo landet. Seine Eltern glauben ihm nicht. Am nächsten Morgen ist sein Vater (Timothy Bottoms), der nach eigenem Bekunden hinter dem Hügel nachgesehen und nichts gefunden hat, irgendwie verändert. Und auch in der Schule beobachtet David seltsame Veränderungen. So verhält sich seine Lehrerin Mrs. McKeltch (Louise Fletcher) eigenartig. Oder ist es normal, dass sie die Frösche, die eigentlich für den Bio-Unterricht gedacht waren, plötzlich selber isst? Zusammen mit Mrs. Magnusson (Karen Black) und General Wilson (James Karen) macht sich David daran, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Natürlich sind mal wieder Außerirdische schuld, genauer die im Titel schon erwähnten Marsianer. Aber obwohl man das ja schon von Anfang an weiß, wird im Film die Katze für meinen Geschmack trotzdem zu früh aus dem Sack gelassen. Ich mag „Invaders From Mars“ solange er etwas von „Invasion of the Body Snatchers“ hat, doch wenn die klopsigen Marsianereinmal ins Bild kommen, ist das Ganze einfach nur noch putzig und für einen Erwachsenen, der versucht, sich im Rahmen des #Horroctober etwas zu gruseln, einfach nicht das Richtige. Die Effekte, vor allem das Monsterdesign wie auch zahlreiche zähe, und ein paar einmalig kauzige Momente im Verlauf des Films, machen es dem gruselwilligen Zuschauer nicht leicht. Man wird einfach das Gefühl nicht los, die Autoren hätten die Essenz der Geschichte nicht verstanden. (Oder wollten sie wohlmöglich etwas ganz anderes, als man erwartet?) Schade, denn Szenen wie solche, als erst Davids Eltern und später noch andere Personen hinter dem Hügel verschwinden und später verändert zurückkehren, haben sich tief in mein Gehirn gebrannt. Vor allem der anfängliche Charakterwandel von Davids Vater hat mich damals als Jugendlicher wirklich gegruselt. Nach dem Film habe ich meine Eltern tatsächlich eine zeitlang argwöhnisch beäugt und mich jedes Mal, wenn sie abends vom Sport wiedergekommen sind, gefragt, ob es noch die gleichen Eltern sind.

Ein wenig ging es mir mit „Invaders From Mars“ wie mit „Fright Night“ und „Night Of The Creeps“, feine Filme zweifellos, aber sie entfalten leider nicht mehr die Wirkung, wie sie es bei mir als Teenager getan haben. Hoopers Remake wirkt wie eine proportionslose, irgendwie groteske Version eines Spielbergfilms – und ist übrigens Jugend(alp)traum im doppelten Sinne: Nicht nur, weil ich ihn damals besser fand, auch das internationale Ende bietet einen Twist, der die Seltsamkeit des Films noch einmal in ein anderes Licht rückt und viele seiner sonderlichen Einfälle konzeptionell einbindet. So war ich zum Schluss, auch wenn die ganz große Begeisterung ausblieb, doch irgendwie wieder versöhnt.

Bild © Koch Media
 

Return Of The Living Dead (Dan O’Bannon, USA 1985)

Posted by 16. Juni 2012

Vieles wird vom Regen fortgespült. Aber manches bleibt. Einer meiner Lieblingszombiefilme zum Beispiel: „Return Of The Living Dead“. Seine Atmosphäre und Tonalität sind in meinen Augen etwas besonderes, weil der Spagat zwischen Horror, Komik und Tragik hier so wunderbar gelungen ist. Vor ein paar Tagen habe ich ihn nach sehr langer Zeit endlich mal wieder gesehen und erfreut festgestellt, dass ich ihn immer noch herausragend finde.

Frank (James Karen) und Freddy (Thom Mathews), zwei Mitarbeiter eines medizinischen Versandhauses, öffnen versehentlich einen Behälter der US Army. Das daraus entweichende Gas hat die Eigenschaft, alles Tote wieder zum Leben zu erwecken. Die daraufhin Amok laufende Leiche aus dem Lagerraum können die beiden nur mit Hilfe von Versandhaus-Chef Burt (Clu Gulager) unschädlich machen. Die zuckenden Leichenteile im nahen Krematorium zu entsorgen erweist sich allerdings als keine gute Idee, denn der Rauch, der noch Spuren des gefährlichen Toxins 245 enthält, gelangt durch den Regen ins Grundwasser. Zu blöd, dass sich genau neben dem Krematorium ein Friedhof befindet…

Dan O’Bannon mag ein eigensinniger und schwieriger Mensch gewesen sein. Seinen Kollegen hat er es mit Sicherheit nicht immer leicht gemacht. Für viele Filmfreunde hingegen gilt er als Lichtgestalt. Er war ein großartiger Drehbuchautor wie er unter anderem bei „Dark Star“, „Alien“ und „Total Recall“ unter Beweis gestellt hat, ist aber auch, wie sich bei „Return Of The Living Dead“ zeigt, ein extrem fähiger Regisseur. Der Film, der in Deutschland unter dem unschönen Namen „Verdammt, die Zombies kommen“ vermarktet wurde, strotzt geradezu vor unzähligen kleinen Gags und charmanten Ideen. Aber auch der intellektuelle Überbau stimmt.

„You mean the movie lied? Oh jesus!“ Frank, Burt und Freddy sind schockiert als sie feststellen, dass man die Zombies nicht töten kann, indem man ihr Gehirn zerstört. Diese Erkenntnis gibt auch gleich die Marschrichtung für den Film vor, denn auch auf den Zuschauer warten einige kleine Genre-Variationen, die allerdings eine große Wirkung entfalten. Sowieso sind die Zombies bei O’Bannon sehr gelungene Vertreter ihrer Zunft. Was ihre Lust auf GEHIIIIRN betrifft, kennen sie keine Kompromisse, ansonsten zeigen sie sich aber als genreuntypisch individuell und erstaunlich intelligent. Besonders mitgenommen haben mich als Jugendlicher immer die langen Verwandlungsszenen, wenn lebende Menschen durch Toxin 245 infiziert werden. Freddy und Frank, die am Anfang des Films das Gift eingeatmet haben, erleiden nahezu den kompletten Film über dieses Schicksal. Leben ist Leiden, scheint O’Bannon zu finden, und am Ende wartet auf den Menschen weder Nirwana noch Himmel, sondern der unendliche Hunger auf Gehirne. Der rabenschwarze Grundton dieses vermeintlich lustigen Films ist kein Ausrutscher, sondern Konzept. Und es ist bestimmt auch kein Zufall, dass an dem Friedhofstor ein Grafitti prangt, das dem Zuschauer unmissverständlich klar macht: „No Future“.

Versteckt hinter allen Kautzigkeiten und Genrebestandteilen macht O’Bannon  philosophisches Kino, das von einer sehr pessimistischen Grundaussage geprägt ist. Das wurde auch schon bei seinem Erstlingswerk „Dark Star“ deutlich, aber auch bei vielen seiner anderen Filme ist dies zu erkennen. O’Bannon hat , behaupte ich mal, schon immer versteckt politisches Kino gemacht. Und auch „Return Of The Living Dead“ ist voll von kritischen Anspielungen. Dass es beispielsweise in seinem Film gar keine Möglichkeit gibt, die Zombies aufzuhalten, ist eine Zuspitzung der Aussage von Romeros Film(en), wo der Bedrohung ja zumindest prinzipiell – zum Beispiel durch einen schönen Kopfschuss –Einhalt zu gebieten war. Die Menschen haben die Nebenfolgen ihrer Technologien nicht mehr unter Kontrolle. Neuere, weitere Technologien sind darauf keine Antwort. In dieser Hinsicht ist O’Bannons Film sehr ätzend zeitkritisch und vermutlich auch weitsichtig. In diesem Zusammenhang darf auch das wunderschöne Ende nicht vergessen werden. „The Rain will wash everything away“ heißt es da. Dass dem nicht so ist, davon handelt dieser Film.

Bild © MGM