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Kristy (Oliver Blackburn, USA 2014)

Posted by 6. März 2015

kristyNeulich gab es auf Twitter eine kleine Diskussion darüber, warum wir Slasher mögen. Ich schaue sie mir in der Regel nicht an, weil ich mich gruseln will, sondern eher ästhetischen und – als Carpenter-Fan – aus, ich nenne es mal: räumlichen Gründen. Außerdem finde ich es spannend, sie mit anderen Filmen des Genres zu vergleichen. Slasher sind sich schon alle sehr ähnlich, deswegen fallen die kleinen aber feinen Unterschiede umso mehr ins Gewicht. In besagter Diskussion wurde mir jedenfalls von Christian von Moviroyal der College-Invasion-Streifen „Kristy“ empfohlen. Den habe ich mir nun angesehen und will hier kurz meine Gedanken mitteilen

Es geht um die Studentin Justine (Haley Bennett). Neben dem Security-Mann Wayne (Mathew St. Patrick) und dem Hausmeister Scott (James Ransone) ist sie über die Thanksgiving-Tage ganz alleine auf dem Campus. Plötzlich taucht eine Gruppe Maskierter auf, die erbarmungslos Jagd auf die junge Frau machen. Ja und mehr passiert auch schon nicht in „Kristy“. Warum heißt der Film so, was sind die Motive der Täter, das alles erfährt der Zuschauer bereits zu Beginn in einen kleinen Epilog. Die nächsten Minuten stehen im Zeichen des Spannungsaufbaus, die Protagonisten und ihr Freund Aaron (Lucas Till) werden kurz vorgestellt, hinterher bekommen wir schnell einen Eindruck, wie sich der Leere Campus anfühlt. Justine beschäftigt sich so gut es geht, sie telefoniert, sie schwimmt, sie plaudert mit dem Wachmann, doch am Thanksgiving-Abend ist ihr etwas fad und sie beschließt, von der nahegelegenen Tankstelle etwas zum Knabbern und Eis zu holen. Dort trifft sie einen der Killer und von da an hat sie keine ruhige Minute mehr.

Sicherlich, das ist alles nichts Neues und recht konventionell. Und auch ein paar gängige Klischees haben hier unvermeidlicher Weise Einzug gehalten. Hinzu kommt, dass der Film über wenig echte Höhepunkte verfügt. Auf der anderen Seite hat der Film einen schönen Spannungsaufbau, ein wirklich atmosphärisches Setting und vor allem mit der Sängerin und Schauspielerin Haley Bennett eine sympathische Hauptdarstellerin. Ab knapp der Hälfte des Films, kurz nach dem Justine von der Tankstelle auf das Campusgelände zurückgekehrt ist, gibt es Action Non-Stop.

Ich sagte gerade „konventionell“, aber in einigen Details hebt sich „Kristy“ doch von der Masse ab. Das fängt schon damit an, dass es kein klassisches Final Girl, sondern nur das One And Only Girl Justine gibt. Durch die Happy-Slapping-Thematik – die Killer filmen ihre Taten mit dem Handy und stellen sie dann ins Netz – hat er weiterhin einen aktuellen Bezug, der in vielen anderen Genrebeiträgen entweder aufgesetzt wirkt oder gar nicht erst vorkommt. Bei Blackburn ist es aber durchdachter, als es wohl möglich zunächst den Anschein haben mag, denn hinter der vordergründig einfach gehaltenen Campus-Hatz tut sich ein Drama um die Machtverteilung in der Gesellschaft und um soziale Unterschiede auf. Justine wird von den Tätern als „Kristy“ bezeichnet. Kristy bedeutet hier Anhänger von Christus. Tötest du Christus, sagen sie, dann tötest du Gott. Die müssen eine ganz schöne Wut haben! Eine Kristy ist hübsch, behütet und unschuldig. Doch gerade diese Eigenschaften machen sie in den Augen der Täten schuldig. Denn sie sind auch privilegiert. Justine ist hübsch, freundlich und studiert. Denn sie ist auch ziemlich clever. Das müssen ihre Widersacher im Verlauf des Films feststellen. Mit ihren Taten lehnen sich die Killer gegen das System auf und prangern die Ungerechtigkeit, ja die göttliche Ordnung der Welt an – und scheitern. Das ist, wie ich finde, schon ein interessanter Aspekt an Blackburns Film, dass die Protagonistin hier triumphiert, weil sie im Sinne der Anklage schuldig ist. Das Final Girl hat sich hier von den starren Genreregeln insofern emanzipiert, als dass sie nicht überlebt, weil sie keusch und drogenfrei lebt, sondern weil sie einfach gebildeter ist als ihre Widersacher (und damit tatsächlich privilegiert!). Die Gegner sind hier keine anonymen Wesen wie beispielsweise in „F“, sondern echte Menschen. Das deutet sich schon durch den verwahrlosten Eindruck an, den der weibliche Teil der Killertruppe (Ashley Greene) macht, aber spätestens wenn Justine einem Widersacher den Schädel spaltet und ihm dann die Maske abnimmt… Gänsehaut!

Man könnte „Kristy“ als soliden, straighten Slasher bezeichnen. Aber er ist eben auch noch etwas mehr. Ich sage: Sehenswert!

Bild © Tiberius Film