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Evil Dead (Fede Alvarez, USA 2013)

Posted by 13. April 2013

Evil Dead RemakeGestern habe ich noch für die kommende, zwölfte Ausgabe des AGM geschrieben, dass es sich beim demnächst im Kino anlaufenden „Evil Dead“ um ein gelungenes Remake des Raimi-Klassikers handelt. Heute, nachdem ich  einmal drüber geschlafen habe, möchte ich diese Aussage zwar nicht revidieren, allerdings doch ein wenig relativieren bzw. ins rechte Licht rücken. Ich bin immer noch der Meinung, dass der Film von Fede Alvarez seine Vorzüge hat. Aber ich denke auch, dass bei einer Neuinterpretation eines Stoffs erkennbar sein sollte, inwieweit sie künstlerischen Mehrwert darstellt. Und das fehlt mir bei diesem Remake leider etwas.

Alvarez übernimmt die Grundprämissen von Raimis Film (Wald, Hütte, Necromonicon), weicht aber im Detail recht stark von der Originalgeschichte ab: Hier geht es um David (Shiloh Fernandez), der mit seinen Freunden Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) in der Waldhütte Urlaub machen will, der sich aber gleichzeitig noch um seine Schwester Mia (Jane Levy) kümmern muss, die gerade versucht von ihrer Heroinsucht loszukommen. Allerdings läuft diese, im Vergleich zum Original durchaus differenziertere Figurenkonstellation ins Leere: Mias Drogensucht, die durchaus das Potenzial geboten hätte, der Besessenheit durch Dämonen eine neue Facette abzugewinnen, wird im Folgenden kaum weiter thematisiert. Und auch die Beziehung zwischen Mia und ihrem Bruder sowie der Konflikt zwischen ihnen werden nicht entwickelt. Was weiterhin an dem Remake auffällt (was ihn aber ebenso wenig wie die inhaltlichen Änderungen signifikant vom Original unterscheidet), sind die rabiaten, aber gut gemachten Splatter-Einlagen: Da werden Gliedmaßen abgesägt, Knochen zertrümmert, Körper zerteilt oder mit Nagelschussgeräten bearbeitet. Wahrscheinlich ist diese kompromisslose Härte, die in ihrer Übertreibung aber gleichzeitig schon wieder einen Schritt in Richtung Komödie macht und hierin die größte Nähe zum Original hat, der stärkste Aspekt des Films. Aber Ramis „Evil Dead“-Filme sind ja nicht deswegen so großartig, weil sie blutrünstig sind, sondern weil sie einen ganz eigenen Ton haben und vor inszenatorischem Einfallsreichtum nur so wimmeln. Was der 1978 in Montevideo geborene Regisseur hier zeigt, kann sich durchaus sehen lassen. Von der überbordenden Kreativität Raimis, der, als er 1981 „The Evil Dead“ drehte, erst 23 Jahre alt war, ist Alvarez allerdings ziemlich weit entfernt.

„Evil Dead“ ist geradliniger, blutrünstiger Horror, der zeigt, dass auch nach „Cabin In The Woods“ noch Filme über Hütten im Wald möglich sind. Insofern: gelungen. Es ist ein Film für Leute, die sehen wollen, wie sich jemand mit einem Brotmesser den Arm absägt. Insofern: gelungen. Doch Alvarez Remake ist eben auch eines, das Experimentierfreude und eigene Ideen – vom feurige Finale vielleicht einmal abgesehen – schmerzlich missen lässt und dem Original deswegen in keiner Hinsicht das Wasser abgraben kann. Wer die Filme von Sam Raimi liebt, wird dieses Remake nicht unbedingt hassen, würde vermutlich aber sehr gut ohne es auskommen.

Bild © Sony