Tag: Jennifer Garner

Elektra (Rob Bowman, USA, Kanada, Schweiz 2005)


elektraWas ich über „Daredevil“ gesagt habe, nämlich dass er rückblickend vor allem deswegen so interessant ist, weil er sich von den geleckten, aktuellen Marvel-Produktionen abhebt, gilt für „Elektra“ sogar noch mehr. Das liegt nicht nur an der Heldin – eine absolute Ausnahmeerscheinung in der männerdominierten Filmwelt Marvels – sondern auch an seiner von einer seltsamen Melancholie und Schwere durchzogenen Stimmung.

Elektra Natchios (Jennifer Garner) arbeitet als Profikillerin. Bei ihrem neuen Auftrag – auf einer abgelegenen Insel soll sie Mark Miller (Goran Višnjić) und dessen 13-jährige Tochter Abby (Kirsten Prout) umbringen – schaltet sich ihr Gewissen ein. Sie lehnt den Job ab. Und ehe sie sich versieht, befindet sie sich in der Rolle der Beschützerin der Millers. Keine leichte Aufgabe, denn die gefährliche Verbrecherorganisation „Die Hand“ hat es auf Vater und Tochter abgesehen.

In kurzen Rückblicken erfährt der Zuschauer, dass Elektra, die ja eigentlich in „Daredevil“ gestorben war, von einem blinden Sensei namens Stick (Terence Stamp) von den Toten zurückgeholt und zu einer noch besseren Kämpferin ausgebildet wurde. Vielleicht war es ihr Tod, vielleicht die Ausbildung durch Stick oder das tägliche Meditationstraining, jedenfalls ist Elektra seitdem nicht nur besonders kampfstark, sondern kann manchmal auch einen Blick in die Zukunft werfen. Wenn man von dieser Fähigkeit absieht, und davon dass die Schergen der Hand mit Superkräften ausgestattet sind, könnte „Elektra“ auch als bodenständiger Actionfilm über Profis auf Abwegen durchgehen. Ja, wahrscheinlich funktioniert nahezu jeder Vertreter dieser Kategorie, der nach dem Muster „Killer kneift und bekommt danach selber Ärger“ aufgebaut ist. Und in der Tat strahlt Bowmans Film die Melancholie und Einsamkeit aus, die in diesem Genre charakteristisch ist. Zwar sind auch viele Superhelden Einzelgänger, müssen sie ja darauf achten, dass niemand ihre zweite Identität erkennt, doch so richtig trostlos geht es dort trotzdem nicht zu. Es ist eher eine kindliche Lust an Heimlichkeiten, würde ich mal behaupten, das viele Superhelden-Filme gemeinsam haben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Elektra ist schon durch ihr rotes Kostüm farbdramaturgisch in dem entsättigten Film isoliert, aber auch dem Charakter ihrer Figur fällt es unglaublich schwer, andere Menschen an sich heranzulassen. Hier wartet der Film auch nicht, wie sonst üblich, mit einem Charakterwandel auf – ein Küsschen hier, ein freundlicher Blick da, aber ansonsten bleibt Elektra die einsame Wölfin und unnahbare Killerin. Trotzdem ist der Film natürlich kein ausgefeiltes Psychogramm, sondern immer noch eine Comic-Verfilmung, in gewisser Hinsicht so eine besonders grob geschnitzte. Genauer darüber nachdenken, was da eigentlich warum passiert, sollte man eher nicht, das versaut einem den Spaß. Auf die Comic-Elemente möchte ich aber genauso wenig verzichten wie auf übernatürlichen Aspekte des Films, besonders die von Hong-Kong-Kino inspirierten (Super-)Schurken, den geschwinden Boss, einen steinharten Koloss, eine Dame, deren Küsse töten und ein Tätowierter, der die Bilder auf seinem Körper zum Leben erwecken kann. Besonders letztgenannter hat es mir angetan. Die Kämpfe mit den Schurken sind allesamt ordentlich choreografiert und hübsch anzusehen und warten mit der ein oder anderen feinen visuellen Idee auf.

Wenn man, wie gesagt, mal davon absieht, dass die Geschichte hinten, vorne und mittendrin kaum Sinn macht (was mir persönlich ziemlich leicht fällt), kann man durchaus mal behaupten, dass man es bei „Elektra“, wenn auch nicht mit einem Meisterwerk, so doch mit einem unterschätzten Beitrag im Marvel-Universum zu tun hat. Aus dem Giftschrank einer der bekömmlicheren Tropfen.

Bild © Universum
 

Daredevil (Mark Steven Johnson, USA 2003)

Posted by 8. Dezember 2014

daredevilMittlerweile, so scheint es, haben die Marvel-Helden die Kinos erobert und fest in ihrem stählernen Griff. Es gibt kein Entkommen mehr aus Marvel Cinematic Universe. Vor etwas über 10 Jahren war die Situation noch nicht ganz so krass, da wurden noch (Marvel-)Filme gemacht, die mit dem geleckten Coorporate Design heutiger Beiträge nicht allzu viel zu tun hatten. Ein bisschen wehmütig hat mich das Wiedersehen mit „Daredevil“ an diese Zeit erinnert.

Es geht um den Anwalt Matt Murdock (Ben Affleck), der durch einen Unfall in der Kindheit erblindet ist, seitdem aber besondere Fähigkeiten hat. Kostümiert und mit geschärften Sinnen macht er Jagd auf die Ganoven, die mit legalen Mitteln nicht zu fassen sind. Als der die ebenso kampfstarke wie schöne Griechin Elektra Natchios (Jennifer Garner) kennenlernt, ahnt er noch nicht, dass er bald die Chance bekommen wird, den mysteriösen Tod seines Vaters aufzuklären.

Marvel war im frühen Jahrtausend noch in der Findungsphase was kostümierte Männer, die von Hausdächern entschlossen herabblicken, angeht. Schon damals feierte Marvel mit Filmen wie „X-Men“ oder „Spider-Man“ Erfolge, aber selbst die Gurken, zu denen gemeinhin auch „Daredevil“ gezählt wird, haben noch den gewissen Charme des Unvollkommenen. Ein helles Licht in der Dunkelheit des Marvel Cinematic Universe ist Mark Steven Johnsons Film tatsächlich nicht – das sehe ich auch nach der Zweitsichtung noch so –, aber er wird nicht ganz zu Recht so gebashed, finde ich. Es gibt viele schöne Einfälle in dem Film, bereits zu Beginn, als der Teufel in eine Kirche stürzt; die von Colin Farrells völlig überzogene, aber trotzdem irgendwie ziemliche geile Interpretation des Superschurken Deadshot; oder der völlig sinnbefreite Kampf zwischen Matt Murdock und Elektra Natchios auf dem Kinderspielplatz – so eine Szene wäre heute gar nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass sich Johnson gar nicht mal so schlecht darin schlägt, sich den Herausforderungen, die der „Daredevil“-Stoff durch die Blindheit seines Helden mit sich bringt, zumindest entschlossen zu stellen. In Ansätzen klappt es gar nicht schlecht, die veränderte Wahrnehmung des Protagonisten auf die Kämpfe zu übertragen. Hier wäre vor allem die Sequenz zu nennen als Daredevil einen zu Unrecht freigesprochenen Verbrecher jagt und in einer Kneipe stellt. Das darauf folgende unübersichtliche Getümmel zeigt meines Erachtens recht gut die mit seiner besonderen Wahrnehmung zusammenhängenden Fähigkeiten des blinden Superhelden.

So gut wie an dieser Stelle klappt das im weiteren Verlauf leider nur noch selten. Was dem Film, wenn auch vielleicht nicht das Genick bricht, so aber doch diesen einen gehörigen Knacks verpasst, ist die Action, die ihm mehr schlecht als recht funktioniert. Viele Bewegungsabläufe wirken von Sam Raimis „Spider-Man“ abgeguckt, ohne allerdings dessen Eleganz zu erreichen, es will den Effektkünstlern einfach nicht gelingen, die Bewegungen echt aussehen zu lassen. Mich hat das während des Films immer wieder herausgerissen, mir ist ein unbeweglicher „Batman“ à la Tim Burton lieber als Choreografien der Marke „gewollt und nicht gekonnt“. Einige andere Kritiken wie die an Ben Affleck als Hauptdarsteller, kann ich nachvollziehen, hat mich allerdings nicht gestört. Das ernsthafte Musikproblem, das dem Film mitunter unterstellt wird, höre ich ebenfalls nicht. Für mich sind Figuren wie Songs gleichermaßen over the top und passen daher gut zusammen.

Wie gesagt, „Daredevil“ gehört noch zu den Filmen, bei denen von der eintönigen Qualität späterer Produktionen noch nicht allzu viel zu merken war. Besser macht ihn das freilich auch nicht. Aber allein, dass er ein Stück aus der Masse der Hochglanz-Produkte herausragt, macht ihn schon sehenswert. Und wenn ich mir hier im Blog nicht immer Sachen schwarz auf weiß vornehmen würde, die ich dann in 97,9 % der Fälle nicht einhalte, würde ich sagen, dass ich mir demnächst mal die ganzen „hässlichen Entlein“ der Marvel-Filme zu Gemüte führe – vielleicht finde sich ja doch der eine oder andere schwarze Schwan darunter.

Bild © Studiocanal