Tag: Jeremy Renner

Captain America: Civil War (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2016)

Posted by 25. April 2016

Wenn Superhelden die Welt retten, geht oft so einiges kaputt. Dass dabei auch Menschen umkommen, wird in Film und Comic allerdings oft verschwiegen. Nachdem DC in Zach Snyders „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ dieses Thema angegangen ist, zieht nun auch Konkurrent Marvel nach lässt die Regisseure Anthony Russo & Joe Russo, die sich schon mit „Captain America: The Winter Soldier“ für einen der besten Marvel-Filme verantwortlich zeichneten, das Kind aus dem Brunnen holen, frei nach dem Motto: Ernst, das können wir auch! Das Ergebnis, „Captain America: Civil War“, kann sich, wie ich finde, nicht nur sehen lasse – es ist ein Highlight innerhalb des leider etwas eintönigen Marvel Cinematic Universe. Dabei erfinden Russo & Russo das Rad gar nicht neu, im Gegenteil – ihr Film fügt sich bestens in die Reihe der bereits existierenden Filme ein. Aber sie schaffen es eben auch, das Franchise in eine neue, ernstere Richtung zu lenken, Akzente zu setzen indem sie einen zeitgemäßen, nachvollziehbaren Konflikt präsentieren, die Figuren glaubhaft agieren lassen und kraftvolle Szenen kreieren, die in Erinnerung bleiben. Ich hoffe, dass der eingeschlagene Weg weiter beschritten wird, ich glaube, es ist der richtige. Auf Kino-Zeit habe ich ein wenig mehr dazu geschrieben.

Hansel & Gretel: Witch Hunters (Tommy Wirkola, USA / Deutschland 2013)

Posted by 24. Februar 2013

Hansel und Gretel

Für das Multimania-Magazin Nr. 24 habe ich zusammen mit Kollege Patrick den Aufschlag für die Rubrik „1 Film, 2 Meinungen“ gemacht. Hier mal mein (leicht gekürzter) Text, in dem ich die Rolle des Fürsprechers übernommen habe.

Filme bilden. So haben wir beispielsweise gelernt, dass Abraham Lincoln in Wirklichkeit ein furchtloser Vampirjäger war, dass Quatermain, Tom Sawyer, Dorian Gray, Captain Nemo und Dr. Jekyll dem gleichen Superhelden-Verein angehörten und die Gebrüder Grimm – das waren eigentlich Geisterjäger, die ihre Geschichten selbst erlebt haben. Und in Neuinterpretation von Hänsel und Gretel durch Tommy Wirkola („Deadsnow“) erfahren wir endlich die Wahrheit über das berühmte Geschwisterpärchen.

15 Jahre nach ihren Erlebnissen im Pfefferkuchenhaus haben sich Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) nämlich zu unerbittlichen Rächern gemausert, vor denen keine Hexe sicher ist. Ihr neuer Fall führt sie nach Augsburg, wo die böse Muriel (Famke Janssen) eine Reihe von Kindern entführt hat, um diese bei der nächsten Blutmond-Nacht zu opfern.

Natürlich gäbe es einiges an „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ zu kritisieren. So passt die Story aus der Feder von Wirkola und Dante Harper auf ein Post-it; der Umgang mit dem Thema Hexenjagd ist alles andere als sensibel; und die Eindimensionalität der Charaktere steht in eklatantem Kontrast zum gelungenen 3D des Films. Trotzdem: Wirkolas Film ist ein Spaß, den sich niemand mit Faible für fantasievollen Actiontrash entgehen lassen sollte. Er hat Witz, ein Pfefferkuchenhaus und ordentlich Tempo: Wenn Hänsel und Gretel ihre erste Hexe durch den Wald jagen, wird man förmlich in den Kinosessel gedrückt. Aber auch später gibt es immer wieder Momente, in denen der Film zu explodieren scheint. Das ist laut, bunt, spektakulär – und manchmal ziemlich blutig – und Bewegungskino wie es sein muss.  Und auch abseits der offensichtlichen Sensationen hat „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ einiges zu bieten. Es sind besonders diese zahlreichen fantasievollen Momente, die ganz nebenbei passieren, Momente voll grenzenloser Zärtlichkeit für den fantastischen Film.

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Bild © Paramount Pictures
 

The Bourne Legacy (Tony Gilroy, USA 2012)


Es hat bei mir etwas gedauert, bis ich die Bourne-Filme zu schätzen wusste. „The Bourne Identity“ von Doug Liman war mir erst etwas zu lahm, die beiden folgenden Teile von Paul Greengrass zu hektisch. Aber irgendwann, bei einer TV-Sichtung des ersten Teils, hat es dann Klick gemacht und auf einmal fand ich ihn mitreißend. Ähnlich erging es mir mit Teil zwei und Teil drei. Eigentlich wollte ich aus diesem Grund die Bourne-Filme mal am Stück gucken, was ich aber bisher nicht geschafft habe. Bisher. Anlässlich des Release von „The Bourne Legacy“ ist mir dieses Projekt aber wieder eingefallen und ich gelobe, dass ich das demnächst auch mal durchziehe und dann auch was dazu hier ins Blog stelle. Aber vorher hier ein paar Sätze zum aktuellen Teil, „The Bourne Legacy“, der es nicht ganz schafft, mit den Vorgängern mitzuhalten. (Ein ausführlicheres Review gibt’s hier.)

Weil Jason Bourne den Geheimdienst ärgert sollen alle Top-Secret-Programme, in denen Menschen durch Medikamente zu Supersoldaten gemacht werden, geschlossen werden. Damit nichts an die Öffentlichkeit gerät, müssen allerdings auch alle Agenten und involvierten Wissenschaftler sterben. Aaron Cross (Jeremy Renner) aka Agent Nummer 5 entgeht aber den Anschlägen. Zusammen mit Chemikerin Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz), die aufgrund ihres Insiderwissens ebenfalls zur Zielscheibe geworden ist, versucht er seinen Häschern zu entkommen.

Über die Geschichte muss man wohl nicht viele Worte verlieren. Innerhalb des Bourne-Universums ist sie glaubwürdig genug, aber in gewisser Weise auch überflüssig, weil sie nichts wesentlich Neues über die Killer-Programme der Regierung enthüllt. Insofern kann man Paul Greengrass schon verstehen, dass er nach „The Bourne Ultimatum“ entgültig die Nase voll hatte. Rein vom Erleben, habe ich mich bei „The Bourne Legacy“ die ersten 30 Minuten etwas gelangweilt: Agent Nummer 5 läuft durch den Wald, während anderswo umständlich die Weichen gestellt werden, ihn und alle anderen Agenten aus dem Weg zu träumen. Das hätte man für meinen Geschmack kürzer erzählen dürfen. Aber dann, irgendwann in der Mitte, gab es dann eine grandiose Actionsequenz, die mich wieder geweckt hat: Erst werden Dr. Marta Shearing Kollegen brutal von einem anderen Chemiker erschossen, aber die stärkste Sequenz geht erst nach dem Blutbad los. Da sitzt Marta zu Hause in ihrem renovierungsbedürftigen Haus (dieses Haus ist es übrigens, das einer Profil von dieser ansonsten austauschbaren Figur am nächsten kommt), als die Polizei vorbei kommt, um sie noch einmal zu den Vorfällen im Labor zu verhören. Doch die Stimmung kippt, Marta merkt, dass die Beamten ihr nicht helfen, sondern ihr anscheinend eine Teilschuld an den Vorfällen unterstellen wollen. Je mehr sich Marte gegen die Anschuldigungen wehrt, je aggressiver werden auch die Beamten – und schließlich merkt Marta, ihr Besuch ganz andere Absichten hat, als sie zu verhören.

Leider hat mich nach dieser grandiosen Sequenz nichts mehr vom Hocker gerissen. Als Tony Gilroy dann im Finale versucht, es noch einmal richtig krachen zu lassen, hat das bei mir eher den gegenteiligen Effekt ausgelöst. Der „Endgegner“ wurde mir etwas zu unvermittelt aus dem Hut gezaubert und die Verfolgungsjagd per Auto und Motorrad war für mich over the top. Ich fasse mal so zusammen: „The Bourne Legacy“ über weite Strecken ein kurzweiliger Actionfilm. Aber Gilroy scheint sich entschieden zu haben, dass das Franchise etwas mehr Gewalt benötigt. Das führt daszu, dass Agent Nummer fünf weder bei freundlichem Sicherheitspersonal noch unschuldigen Wolfsrudeln Gnade kennt und alles was sich ihm in den Weg stellt, kurzerhand niedermetzelt. Verglichen mit den Vorgängern hat „The Bourne Legacy“ deswegen das Herz aber nicht mehr am rechten Fleck.

Bild © Universal Pictures