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Zero Dark Thirty (Kathryn Bigelow, USA 2012)


Am 11. September 2001 entführt die Terrororganisation al-Qaida vier Passagierflugzeuge. Über 3000 Menschen kommen bei den folgenden Anschlägen ums Leben. Die Ereignisse sind ein Leuchtfeuer, das überall gesehen wird und die Welt, wie wir sie kannten, grundlegend ändert. Die anschließende Arbeit der Geheimdienste findet allerdings wieder in der Dunkelheit statt. Insofern hätte sich Kathryn Bigelow für ihren Film, der durchweg im moralischen Zwielicht spielt, auch keinen besseren Namen ausdenken können als „Zero Dark Thirty“ – ein militärischer Begriff, der die halbe Stunde nach Mitternacht bezeichnet. Im Film erzählt Bigelow die Geschichte einer CIA-Spezialeinheit, die versucht, Osama bin Laden, den Kopf von al-Qaida aufzuspüren und zu eliminieren. Besonders Maya Lambert (Jessica Chastain) ist nahezu besessen von der Suche, die sich mehr und mehr als Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen entpuppt. Mit „Near Dark“ hat Kathryn Bigelow einen meiner Lieblings(vampir)filme gemacht. Ihre anderen Arbeiten finden ebenfalls durchaus mein Gefallen. Das ist bei „Zero Dark Thirty“ nicht anders. Es ist ein sehr spannender, vielschichtiger Film, aber auch einer, der es dem Zuschauer – wie schon zuvor „The Hurtlocker“ – nicht ganz leicht macht. Ähnlich wie David Finchers „Zodiac“ ist auch Bigelows Film ein Recherchethriller, der sich über viele Jahre erstreckt und dabei eher die Mechanismen der Suche und des zugrunde liegenden Konflikts analysiert, als auf konkrete Charaktere abhebt. Auch wenn Maya die zentrale Figur ist, fungiert sie doch eher als Stellvertreterin für ein gesamtgesellschaftliches Trauma. Wie groß dieses Trauma tatsächlich ist, und ob die Rache an dem Mann, der der Welt diese Wunde zugefügt hat, zur Heilung beträgt, wird die Zeit zeigen.

Ein wenig ausführlicher beschäftige ich mich mit dem Film auf Kino-Zeit.