Tag: Melissa George

Turistas (John Stockwell, USA 2006)

Posted by 6. Dezember 2013

TuristasWenn der Urlaub zum Albtraum wird… Eine Gruppe von US-Amerikanischen Urlaubern ist nach einem Busunglück in Brasilien auf sich allein gestellt. Anfangs macht man sich noch wenig Sorgen, sondern zieht einfach zum nächsten Strand weiter und feiert dort die nächste Party. Am anderen Morgen gibt allerdings ein Erwachen mit Schrecken: Zwei der Gruppe sind verschwunden, die anderen wurden ausgeraubt. Zu diesem Zeitpunkt  und sogar noch etwas später – als sie von einem Einheimischen tiefer und tiefer in den Dschungel geführt werden – wähnen sich die Urlauber immer noch auf einen außergewöhnlichen Urlaubstrip. Dabei stecken sie schon bis zum  Hals in der Scheiße.

Dies ist die größte Stärke von „Turistas“: Weder die Urlauber, noch die Einheimischen – das gilt für die jungen Brasilianer am Strand, die Leute im Dorf als auch für die Schergen des bösen Organdealers Dr. Zamora (Miguel Lunardi) – scheinen jemals zu begreifen, in welcher Situation sie sich gerade befinden, von einer echten Kontrolle über die Situation ganz zu schweigen. Das gibt der Handlung, obwohl sie sich in gewisser Weise immer auf ausgetretenen Pfaden bewegt, stets etwas Zufälliges, Überraschendes, ja sogar Chaotisches. Schön fotografierte Landschaften und einige richtig gute Wasser-Szenen helfen dem Film außerdem, sich ein merkliches Stück von manch Genre-Konkurrenten abzusetzen. Was auch gefällt, ist die für ein B-Movie ganz ordentliche Besetzung. Auch wenn es Josh Duhamel, Melissa George, Olivia Wilde und die anderen Darstellern kaum gelingt, ihren Figuren ein richtiges Profil zu geben, machen alle doch einen sympathischen Eindruck. Besser so, als dass die Figuren durch allzu grobschlächtige Merkmale zu reinen Karikaturen werden. Was den ganz ordentlichen Gesamteindruck etwas schmälert sind einige weniger glaubwürdige Wendungen und der dann doch etwas plakativ geratene Dr. Zamora. Trotzdem insgesamt ganz okayer Film. Aber noch zu einem anderen Aspekt.

Unter anderem wurde von Seiten der Brasilianischen Presse dem Film vorgeworfen, er sei unrealistisch, schüre Fremdenfeindlichkeit und würde ein verzerrtes Bild des Landes widerspiegeln. Nun, Horrorfilme zeichnen sich jetzt nicht in erster Linie dadurch aus, dass sie ein wahrheitsgetreues Abbild der Welt zeigen, sondern, dass sie mit den Urängsten der Menschen spielen. Und das tut John Stockwell in „Turistas“ recht gekonnt. Mir kam es dabei ehrlich gesagt  nicht so vor, als käme es ihm in erster Linie darauf an, irgendjemanden in schlechtem Licht dazustellen. Es geht um Macht, Abhängigkeit und die negativen Dynamiken, die sich aus einem Reichtumsgefälle ergeben können. Die meisten Brasilianer des Films befinden sich in existenzieller Notlage oder in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Boss. Ihr Verhalten zeichnet sich (der Oberbösewicht ist hier die Ausnahme, die die Regel bestätigt) nicht durch besondere Grausamkeit aus. Die Amerikaner auf der anderen Seite bewegen sich durch das Land wie Elefanten im Porzellan-Laden, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sie sich nicht besonderer Beliebtheit erfreuen. Aber auch sie werden nicht so dargestellt, dass man auf die Ideen kommen könnte, sie hätten ihr Schicksal verdient. Will nur sagen: Die verschiedenen Parteien, die Touristen und die Einheimischen, haben mehr als nur eine Seite, und ich kann den pauschalen Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit deswegen nicht nachvollziehen. Letzten Endes sind es sogar immer die angeblich so negativ dargestellten „Fremden“, die ein wenig über den Tellerrand hinaus blicken und der Handlung einen Dreh zum Positiven geben. Die Amerikaner bleiben in ihrer Rolle des Touristen gefangen.

Bild © Universum Film
 

WΔZ (Tom Shankland, Großbritannien 2007)

Posted by 12. Oktober 2013

WΔZ#horrorctober zum Zweiten. Ich habe mir Tom Shanklands „WΔZ“ angeschaut.

Der zynische New Yorker Cop Eddie Argo (Stellan Skarsgard) und seine neue Partnerin Hellen Westcott (Melissa George) ermitteln in einem besonders grausamen Fall. In einem New Yorker Problemviertel geschehen Morde nach dem gleich Muster: Den zwei Opfern wurden entweder durch Strom getötet oder zu Tode gefoltert. Einem der beiden wurde immer das Zeichen WΔZ (W-Delta-Z) in die Haut geritzt. Bald finden die Cops heraus: Der Killer unterzieht seine Opfer einem teuflischen Test – entweder selbst zu sterben, oder die Person, die man liebt, zu verlieren.

Ehrlich gesagt, hätte ich mir „WΔZ“, dessen Inhaltsangabe verdächtig nach Filmen wie „Saw“ und dessen Nachahmern klingt, gar nicht angesehen – wenn ich nicht eine sehr neugierig machende Kritik in meinem Lieblingsblog gelesen hatte. Und „WΔZ“ ist tatsächlich weniger Vertreter der von mir sehr gering geschätzten Torture-Porn-Welle, sondern lässt sich besser mit Filmen wie David Finchers meisterlichem „Seven“ vergleichen – auch wenn er dessen Klasse nicht erreicht. Was Shankland aber richtig gut gelingt, ist, dem Zuschauer ein Gefühl von Trostlosigkeit zu vermitteln. Auch wenn in dem Film im Gegensatz zu Finchers Film ab und an ein wenig trübes Sonnenlicht auf die schmutzigen Straßen von New York fällt, gibt es – und darin sind sich die beiden Filme sehr ähnlich – hier keinen Hoffnungsschimmer. Und diese Tristesse mag ich an „WΔZ“.

Leider wirkt Shanklands Rachegeschichte dann doch etwas zu sehr wie am Reißbrett entworfen. „But the.. the equation.. it was all so clear“ sagt der Killer irgendwann im Film. Aber genau mit dieser Gleichung und der daraus resultierenden, umständlichen Art der Vergeltungstaten nach wissenschaftlicher Formel hat „WΔZ“ für mich seine Glaubwürdigkeit arg strapaziert. Dass der Racheengel beweisen möchte, dass es Liebe wirklich nicht gibt, ist vor dem Hintergrund des ihm geschehenen Unrechts verständlich, ja, sogar die Idee, dass er nicht in erster Linie aus Wut tötet, sondern aus Scham darüber, wozu ihn die Täter (die nun seiner Opfer sind) getrieben haben, fasziniert; aber die von ihm erdachte Versuchsanordnung ist nun wirklich nicht der naheliegendste Weg zur Überprüfung dieser Hypothese. „Seven“ ist zwar in gewisser Hinsicht mehr ein Endzeitfilm als ein realistischer Thriller, aber trotzdem auf erschreckende Art und Weise plausibel. Für „WΔZ“ gilt das, trotz einer wirklich interessanten Interpretation der Täter-Opfer-Rolle leider nicht.

Bild © Sony