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Resident Evil: Retribution (Paul W. S. Anderson, USA 2012)


„Resident Evil: Retribution“ ist eindeutig die Kinosplitterbombe des Sommers. Da kann sich die deutsche Filmkritik noch so abmühen und behaupten, der sei Film sinnlos, dumm, zusammengeklaubt, inhaltlich schwach […]. Das geht völlig am Thema vorbei. Denn es geht Paul W.S. Anderson schon lange nicht mehr um Inhalte, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.

Worum geht’s denn dann? Die Story-Fragmente, die Anderson dem Zuschauer um die Ohren ballert, handeln von Alice (Milla Jovovich), die nach den Ereignissen des vierten Teils im einem Stützpunkt der Umbrella Coporation aufwacht. Als Gefangene! Doch ausgerechnet ihr Erzfeind Albert Wesker (Shawn Robert) verhilft ihr zur Flucht. Unterstützt von Ada Wong (Bingbing Li), einem Klon von Rain Ocampo (Michelle Rodriguez) und den Söldnern Leon S. Kennedy (Johann Urb), Barry Burton (Kevin Durand) Luther West (Boris Kodjoe), versucht Alice sich ihren Weg aus dem Umbrella-Komplex freizukämpfen. Keine leichte Aufgabe, denn ihre ehemalige Partnerin, die zur Killermaschine gewordene Jill Valentine (Sienna Guillory), diverse Monster und ein Haufen Zombies haben die Verfolgung aufgenommen…

Was bei anderen die Geschichte oder zumindest zusammenhängende Handlungselemente sind, das ist bei Anderson eine Tischbombe, gefüllt mit allerlei buntem Zeug: kleine Mosaikteilchen, Ideensplittern und Mikromomente, die wie zufällig in den Film gesprengt werden. Mit anderen Worten: Ja, der Film ist absolut STUPID! Aber trotzdem. Oder deswegen ist er etwas Besonderes. Mich jedenfalls hat er fasziniert! Die Bilder haben sich völlig von der Geschichte gelöst, die naive Tonspur scheint  unverbunden neben dem Film herzutreiben. Es gibt nicht einmal mehr längere Sequenzen, die in einem logischen Zusammenhang stehen – dafür aber wahnsinnig viele wunderschöne, schwerelose Action-Momente. Ach ja, viel Ironie und Zitate, massig Zitate. (Sogar „Star Wars IV“ ist dabei.) Ich merke gerade – ich mutiere zum Anderson-Fan

Ich hatte vermutlich etwas Glück, dass ich den vierten Teil, „Resident Evil: After Life“ zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte. So kamen mir viele Passagen originell vor, die aber eigentlich nur Diebesgut waren. Aber wer so schön klaut, dem sei vergeben. Man nehme nur den Anfang, der das Ende des letzten Teils noch einmal in Zeitlupe – und rückwärts! – zeigt. Anfänge konnte Anderson schon immer, aber dieses aus der Zeitgefallene, sich den Gesetzen der Physik entgegen stellende Todesballett sucht wahrhaftig seines Gleichen. Ganz groß!

Bild © Constantin Film
 

Resident Evil (Paul W. S. Anderson, USA / UK / Deutschland 2002)


Alle schimpfen über Paul W. S. Anderson. Ich frage mich warum. Ist doch spannend, was der Mann macht. Oder habe ich seine schlechten Filme einfach noch nicht gesehen? Wie auch immer. Um mich auf „Resident Evil: Retribution“ vorzubereiten, den ich nächste Woche sehen werde, hatte ich mir vorgenommen, die ersten vier Teile vorher noch einmal durchzuschauen. Schaffe ich aber nicht. Hier aber zumindest schon einmal einige Sätze zum ersten Teil, „Resident Evil“.

In einem geheimen Forschungslabor der Umbrella Corporation setzt ein Unbekannter das gefährliche T-Virus frei. Selbiges kann tote Zellen wiederbeleben. Damit das Virus nicht entkommt, beschließt die Red Queen, der Zentralcomputer des Labors, alle Mitarbeiter zu töten. Eine Spezialeinheit der Umbrella Corporation wird geschickt, um den Computer abzuschalten. Doch das Team sieht sich nicht nur mit der wehrhaften Red Queen konfrontiert, sondern auch mit dem Personal, das mittlerweile durch das Virus verändert wurde.

Besonders der Anfang oder besser: die beiden Anfänge des Films (eigentlich sind es drei Anfänge, denn ganz zum Schluss, da fängt alles noch einmal an…), haben es in sich: Die Szenen, in denen das Virus freigesetzt wird und der Zentralcomputer vom Hive (so heißt das supergeheime Forschungslabor) die Beschäftigen niedermetzelt, sind unglaublich stimmungsvoll. Man merkt sofort: Der Regisseur hat was auf dem Kasten! Aber auch die Momente nach dem Anfang – der zweite Anfang –, in dem eine offensichtlich desorientierte Frau (Milla Jovovich) im Badezimmers eines großen, verlassenen Anwesens aufwacht, habe eine sehr spezielle, luzide Atmosphäre. Hier wirkt „Resident Evil“ fast wie ein Traum. Und im weiteren Verlauf des Films fragt man sich immer wieder, wann man eigentlich aufgewacht ist – oder ob man vielleicht immer noch träumt? Interessant sind diese beiden Praeludien des Films vor allem deswegen, weil so unterschiedlich sind, so als wären sie von zwei unterschiedlichen Personen inszeniert. Oder sogar von dreien: Denn im Mittelteil des Films ist wieder alles anderes, aber diesmal ziemlich konventionell. Da ähnelt „Resident Evil“ plötzlich zwar einem solidem inszenierten, irgendwie einen x-beliebigen Zombie-Shooter. Langeweile. Dann auch mal Ärger. Und wieder Augenblicke des Staunens. Magie. Licht und Dunkelheit. Bewunderung. Entsetzen,…

Paul W. S. Anderson ist ein Chamäleon. Seine filmische Handschrift ist in „Resident Evil“ die einer multiplen Persönlichkeit. Und dieses zusammengewürfelte Hin- und Her, dieses „Mal so, Mal so“, Hott & Hüh ist wohl auch das, was meine übersättigte, multitaskinggeschädigte, zitatgeile Generation verdient hat. Mit dem nötigen Maß an Ambiguitätstoleranz kann man diesen eklektizistischen Scheiß dennoch ganz gut aushalten, ja – sogar genießen.

Bild © Constantin Film