Tag: Peter Berg

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

Posted by 29. April 2012

Wäre ich Anführer einer Superhelden-Gruppe, würde ich sie bestimmt nicht “Die Rächer” nennen. Das wäre mir irgendwie peinlich. Trotzdem. Joss Whedons „The Avengers“ gehörte für mich zu den meisterwarteten Filmen 2012.  Nachdem ich vorletzte Woche zur Pressevorführung leider krank war (und mich zu Hause mit Rob-Zombie-Filmen vergnügen durfte), habe ich diesen Most-Wanted nun gestern endlich in der regulären Vorstellung nachgeholt. Auch wenn meine hohen Erwartungen nun bestimmt nicht übertroffen und vielleicht sogar nicht einmal ganz erfüllt wurden, war „The Avengers“ zweifellos ein starker Superheldenfilm.

„The Avengers“ schließt an die Handlung von „Thor“ an, aber auch die Kenntnis von „Captain America: The First Avenger“ und den beiden „Iron Man“-Teilen schadet nichts: Loki (Tom Hiddleston), Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) hat sich mit einer außerirdischen Streitmacht verbündet, um die Erde zu erobern. Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., trommelt deswegen seine Rächer zusammen, um der Bedrohung Herr zu werden. Doch auch wenn die Helden – Thor, Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) – allesamt über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, sind sie doch Einzelgänger und die Arbeit im Team nicht gewöhnt. Ein Umstand, den Loki hinterlistig ausnutzt…

Ich fange mal hinten an: Die letzte halbe Stunde, die gefühlt noch eine ganze Weile länger gedauert hat, gehört für mich nicht zu den Stärken des Films. Gesichtslose Außerirdische greifen die Erde bzw. zunächst einmal New York an und kriegen von den Rächern mit großem Krawums eins auf den Deckel. Das ist tricktechnisch durchaus beeindruckend und der ein oder andere Gag sorgt dafür, dass der Showdown seine Höhepunkte hat. Ich bin allerdings überhaupt kein Freund von solchen Materialschlachten, sie langweilen mich sehr schnell. Gelangweilt habe ich mich in diesem Fall zwar nicht, aber ich war auch nicht allzu weit davon entfernt. Aber wahrscheinlich sind solche Actionexzesse einfach ein Zugeständnis an Otto-Normal-Kinozuschauer, der ja auch dafür verantwortlich ist, dass sich Mist wie „Battleship“ seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Kinocharts hält. Wobei das bombastische Finale von Whedons Film zum Glück um Längen besser ist als alles, was Peter Berg seiner Schiffe-Versenken-Verfilmung gelungen ist.

Die Stärken von „The Avengers“ liegen allerdings weder in den guten Special Effects noch bei der – ebenfalls überzeugenden – Action, sondern, wie bei Joss Whedon üblich, in der Art und Weise wie die Figuren miteinander funktionieren. Schon „Buffy“, „Dollhouse“, „Firefly“ und „Serenity“ waren auch und vielleicht sogar vor allem deswegen so gut, weil zwischen den Figuren etwas passierte und Whedon in der Lage war, diese Chemie in grandiose Dialoge zu überführen. Das gelingt ihm auch bei „The Avengers“. Ganz egal, ob Black Widow versucht, Bruce Banner zu überzeugen, zum Team hinzuzustoßen, Iron Man und Thor aneinander geraten oder Phil Coulson (Clark Gregg) Captain America von seiner Leidenschaft für Superhelden-Sammelkarten erzählt – alle Szenen sind unglaublich charmant und witzig. Ebenfalls sehr gekonnt ist es, wie Whedon stets den Überblick behält und alle Figuren zu ihrem Recht kommen lässt. Niemand steht unangenehm im Vordergrund, allen wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil. Und sogar Figuren wie der einfach gestrickte Captain America in seinem komischen Kostüm wirkt in Whedons Film auf einmal nicht mehr so peinlich wie in Joe Johnston „Captain America – The First Avenger“. Whedon hat seine Helden alle lieb und macht interessante Einzelfiguren zu einer starken Truppe. Wenn ich der Anführer einer Gruppe Superhelden wäre, würde ich sie vielleicht auch “Die Rächer” nennen.

Bild © Walt Disney
 

Battleship (Peter Berg, USA 2012)

Posted by 15. April 2012

Aliens wollen mal wieder die Erde erobern. Dass es auch dieses Mal nicht klappt, liegt daran, dass die Außerirdischen alles andere als vorbereitet aufmarschieren. Einerseits hochtechnisiert, so dass sie irre Entfernungen von jetzt auf gleich überwinden können, scheint es ihren Raumschiffen andererseits an so etwas wie einem Ortungssystem zu fehlen. So verlieren die Angreifer gleich in der Erdumlaufbahn eines ihrer Schiffe, weil sie gegen einen Satelliten brettern. Und ihre Pechsträhne hält auch nach der Landung in den Gewässern vor Hawaii an. Denn die Nationen der Erdlinge veranstaltet ausgerechnet dort, wo die Invasoren niedergehen, einen kleinen Wettkampf ihrer Kriegsflotten. So ein paar Kriegsschiffe sollten für die überlegene Technik der Aliens eigentlich kein Problem sein. Leider haben diese ihre Angriffssysteme – das gilt für ihre Raumschiffe sowie auch im Nahkampf für ihre Körperpanzer – so programmiert, dass Feinde tendenziell nicht angegriffen werden. Was auf den Displays grün (und nicht rot!) blinkt, wird verschont. Und grün blinkt so ziemlich alles. Das gibt den Menschen unter der Führung des Heißsporns Alex Hopper (Taylor Kitsch) die Möglichkeit, die Angreifer nach und nach auszuschalten.

Wer einen intelligenten/spannenden/originellen Alien-Invationen-Film sehen möchte, soviel sollte klar geworden sein, trifft mit „Battleship“ die falsche Wahl. Aber dies war wohl auch kaum vorrangiges Ziel seiner Macher. Bei einer Verfilmung des Spiels „Schiffe versenken“ stehen natürlich die Schauwerte im Vordergrund. Und tatsächlich beginnt nach einer halben Stunde, in der Figuren vorgestellt werden (und die mir eigentlich ganz gut gefallen hat), schon der anderthalbstündige Showdown. Überraschenderweise hat der Film für mich auch hier keinen Boden gut gemacht – und das auch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass „Battleship“ nicht viel mehr sein will als ein Actionfilm, bei dem möglichst viel zu Bruch geht. Das liegt zum einen an dem schon erwähnten Punkt, dass die Angreifer aufgrund ihrer unpraktikablen Technik keine echten Gegner sind, zum anderen aber auch daran, dass die zuvor nicht ungeschickt aufgebaute Beziehungskonstellation, leichtfertig – und im Falle von Stone Hopper (Alexander Skarsgård) ganz wortwörtlich – über Bord geworfen wird. Während der Scharmützel im Verlauf des Film passiert emotional rein gar nichts mehr. Aber auch die Actionszenen habe mir nicht wirklich gut gefallen: Manche Sequenzen scheinen sich zu wiederholen, z.B. wenn die Raumschiffe der Außerirdischen aus dem Wasser hopsen. Und das CGI mag auf der Höhe der Zeit sein, richtig Wucht hat trotzdem kaum eine der Szenen.

Trotzdem ist „Battleship“ nicht völlig uninteressant. Die erste halbe Stunde bietet immerhin gute Comedy; und danach kann man dicke Hawaiianer zählen, sich fragen, ob man da gerade Militärpropaganda schaut (oder ob es vielleicht doch irgendeinen Hintersinn gibt?), sich über die verpeilten Außerirdischen oder wahlweise Rihanna in ihrer ersten Rolle beömmeln. Oder doch einfach nur den Mut von Liam Neeson bewundern, der nach „The A-Team“, „Clash Of The Titans“, „The Grey“ und „Wrath Of The Titans“ wieder mal in einem nach rationalen Maßstäben miesen Film mitmacht, ohne dadurch das Gesicht zu verlieren.

Bild © Universal Pictures