Tag: Pixar

Notizen #3

Posted by 10. Januar 2016

Mal wieder nur kurz.

Fantastic Four (Josh Trank, USA 2015)

Nachdem ich so widersprüchliche Dinge über diesen Film gelesen habe, bin ich schließlich doch neugierig geworden und muss sagen, dass ich die sich eindeutig in der Minderzahl befindlichen Verteidiger von Josh Tranks „Fantastic Four“-Reboot zumindest verstehen kann. Denn vom Marvel-Einheits-Superbrei hebt er sich ab. Probleme gibt es natürlich auch. Es ist wahrscheinlich müßig, Superhelden-Filmen fehlenden Realismus vorzuwerfen, wobei das doch gerade ein Markenzeichen dieses Genres ist, aber ich muss sagen, für mich hatte der Film tatsächlich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Z.B. als die vier beschließen, auf eigene Faust in die neue Dimension aufzubrechen; oder als sie, nachdem Reed wieder eingefangen wurde, unvermittelt wieder ins Jenseits geschickt werden. Aber gut. Meckern könnte man noch lange. Zum Beispiel lang und leidenschaftlich über das gruselige CGI, die holprige Erzählung, der man anmerkt, dass nicht nur eine Hand daran herumgewerkelt hat, oder das versemmelte Finale. Doch man kann nicht ignorieren, dass Trank versucht, etwas anders zu machen. Im fertigen Produkt ist seine verwässerte Vision – eine düstere Mischung aus Coming-of-Age Geschichte und Body Horror – immerhin noch zu erahnen.Alles in allem? War das nix. Aber der Film war mir trotzdem nicht unsympathisch. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen

Case of the Scorpion’s Tail (Sergio Martino, Spanien / Italien 1971)

Obwohl mir bisher kein Film von Sergio Martino so richtig gut gefallen hat, gebe ich nicht auf. Diesmal war „Case Of The Scorpion’s Tail“ (OT: La Cola del escorpión), ein früher, aber doch nicht ganz gewöhnlicher Giallo an der Reihe. Die Geschichte beginnt mit Lisa Baumer (Ida Galli), die sich gerade mit ihrem Liebhaber im heimischen Bettlager dem Höhepunkt entgegenkuschelt als das Flugzeug ihres Mannes hoch oben in den Lüften explodiert. Die Witwe kommt damit in den Genuss der Lebensversicherung von einer Millionen Dollar, die ihr in Griechenland ausgezahlt werden soll. Weil die Versicherungsgesellschaft der Dame nicht traut, wird Lisa durch den Privatdetektiv Peter Lynch (George Hilton) beschattet. In Athen lauern außerdem noch andere Anwärter auf das Geld. Bald gibt es die ersten Toten. Auch dieser Film von Martino war für meine Begriffe jetzt keine Offenbarung, trotzdem will ich nicht leugnen, dass er weder ein 08/15-Giallo ist, noch sich überhaupt so leicht in das Genre einfügen lassen will.. Eine recht spannende Geschichte, Bruno Nicolais schräger Score und wirklich haufenweise seltsame Kamera-Perspektiven machen ihn auf jeden Fall sehenswert. Noch etwas mehr Freude macht der Film, wenn man sich zuvor mit dem schönen Booklet von Rochus vom kinderfilmblog einstimmt, der mir die DVD freundlicherweise ausgeliehen hat.

Captain Phillips (Paul Greengrass, USA 2014)

Ja, spannend. Ich mag Greengrass’ Filme eh und auch „Captain Phillips“, den ich nun endlich nachgeholt habe, hat mir wieder gut gefallen. Es geht um ein Containerschiff, das in der Nähe von Somalia von Piraten angegriffen und schließlich gekapert wird. Mich haben die Verhältnisse und Kontraste fasziniert, wenn ich das mal so abstrakt sagen darf – die Reichen und Armen, die Schwarzen und Weißen. Die großen Schiffe und die kleinen. Wer hätte gedacht, dass man ein großes Containerschiff einfach so kapern kann? Nun gut, so einfach ist das nicht, aber mit der richtigen Portion an Verzweiflung und Wagemut, über die die Piraten ohne Frage verfügen, ist es möglich. Den Teil des Films, der auf dem Frachter spielt, fand ich sehr mitreißend, den Teil, in dem sich die Piraten mit Captain Phillips (Tom Hanks) in einem Rettungsboot auf der Flucht befinden, etwas weniger, keine Ahnung warum. Vielleicht hat mich in dem Teil die gleiche Schockstarre überfallen, wie den gebeutelten Captain, der erst im sehr emotionalen Finale, wie ich dann auch wieder, die Fassung verliert. Starker Film jedenfalls.

21 Jump Street (Phil Lord, Chris Miller, USA 2012)

Zweitsichtung. Diesmal mit Frau und Eltern vor dem heimischen Fernseher. Interessantes Meinungsspektrum nach dem Film, das von 2/10 Punkten (Mutter) bist hin zu 8/10 Punkten (Papa) reichte. Ich sortiere mich irgendwo dazwischen ein. Ich fand ihn ähnlich gut wie bei der Erstsichtung (hier etwas mehr dazu) und sogar auf Deutsch war er nicht unlustig. Diesmal ist mir sogar noch mehr klar geworden, was für ein Glücksfall dings und dings sind. Die beiden harmonieren so prächtig, dass der Film nur so flutscht und sich die Gags quasi von selbst schreiben. Lediglich das Ende, der Genitalschuss, den ich geschmacklos und billig finde, stört mich nach wie vor.

Inside Out (Pete Docter, Ronnie del Carmen, USA 2015)

Es ist natürlich ganz wunderbar, wie die Innen- und Gefühlswelt der jungen Protagonistin in diesem Animationsfilm dargestellt wird. Ihre Gefühle – Freude, Wut, Angst und Ekel – sind hier agierende Figuren, die in der Psyche der Hauptfigur allerlei anstellen und schließlich wieder richten. Und ich würde auch sagen, dass dieser Pixar mal wieder zu den stärkeren Filmen des Studios gehört. Dennoch kann ich nicht so ganz in den allgemeinen Lobgesang einstimmen, weil ich „Inside Out“ erzählerisch als sehr konventionell und damit von den visuellen Attraktionen abgesehen fast schon als langweilig empfunden habe. Die Prämisse und die optische Seite sind ohne Frage toll, aber mir fehlte da irgendwie noch etwas, das die Geschichte spannender macht wie auch ein wenig mehr dazu, was die Behauptung des Films, dass – unsere Persönlichkeit und unsere Handlungen – vollständig durch die Mechanik unserer Innenwelt bestimmt werden, für unser Selbstverständnis als Mensch bedeutet.

Brave (Mark Andrews, Brenda Chapman, USA 2012)

Posted by 13. August 2012

Die letzten zwei Wochen war ich in Schottland. Ich könnte stundenlang über die beeindruckende Landschaft oder den großartigen Whisky (Talisker, mhmm..) schwärmen. Aber dies ist ja ein Film-Blog. Deswegen möchte ich anstelle der Annehmlichkeiten meinen Unmut über das neue Pixar-Werk „Brave“ kundtun. Mit den einstigen Heldentaten der Animationsschmiede hat dieser seltsam platte und nicht besonders stimmige Film nicht mehr viel zu tun.

Darum geht’s: Merida ist eine Frau mit eigenem Kopf. Und das Leben, das ihre Mutter Elinor für sie vorsieht, ist so gar nicht nach ihrem Geschmack. Anstatt einen der Söhne eines anderen Clans zu heiraten, reitet die talentierte Bogenschützin  durch die Wälder. Als es darüber zum Streit mit ihrer Mutter kommt, flieht Merida aus der Burg. Im Wald trifft sie eine Hexe, die ihr anbietet, die Einstellung ihrer Mutter zum Thema Hochzeit zu ändern. Merida willigt ein. Der Zauber wirkt – allerdings ganz anders als es Merida sich gewünscht hat.

Eigentlich klingt sie vielversprechend, die von Brenda Chapman erdachte Geschichte um die Tochter eines Clan-Chiefes im historischen Schottland, das sich von den verstaubten Bräuchen emanzipiert.  Doch leider lässt das Drehbuch, das Chapman zusammen mit Mark Andrews, Steve Purcell und Irene Mecchi geschrieben hat, genau die Eigenschaften vermissen, die ältere Pixar-Produktionen ausgezeichnet hat. Das sind neben den liebevollen Animationen und ihrem Faible für Außenseiter vor allem natürlich die charmanten Figuren. Bei Pixar werden die Randfiguren zu Helden, da erhalten Wesen die Chance einmal im Mittelpunkt zu stehen, denen es sonst nicht vergönnt ist. Man denke nur an „Finding Nemo“, „Ratatouille“ oder „Wall-E“. Da sind auch die Nebenfiguren keine bloßen Stichwortgeber, sondern durchdacht und warmherzig dargestellt. Dazu sind die Pixar-Geschichten verrückt, schelmisch und manchmal sogar subversiv. „Brave“ hat diese Stärken nicht.

Die aufbegehrende Hauptfigur ist noch einigermaßen sympathisch gezeichnet, auch wenn sie die Komplexität anderer Pixar-Protagonisten vermissen lässt; alle anderen Figuren hingegen sind bloßen Karikaturen, die für einen schnellen Lacher lieblos verheizt werden. Das ist eher das, was man von Disney-Filmen kennt, aber keinesfalls, was man vom Pixar erwartet. Und auch originelle Ideen habe zumindest ich nicht entdecken können. Im Gegensatz dazu machen sich eher einige Einfälle bemerkbar, die nicht besonders durchdacht oder überkonstruiert wirken. Natürlich ist Meridas Vater Fergus ein berühmter Bärentöter, natürlich kann die Hexe vor allem Bärenzauber und natürlich nimmt „Brave“ gleich auch noch für das ganze Land schicksalhafte Ausmaße an. Aber warum muss Merida unbedingt das Tuch heilmachen, damit der Zauber gebrochen wird? Warum ändert Mammi Bär ihren Charakter, die drei Bären-Brüder aber nicht?

Wenn ich an „Brave“ nun unbedingt etwas loben müsste, dann würde ich mich wohl für die Animationen entscheiden. Die Landschaften, das Licht, die Bewegungen der Figuren – all das ist erste Sahne und State oft the Art. Leider ist dieser Pluspunkt ohne eine gute Geschichte und lebendige Figuren nicht viel wert.

Bild © Walt Disney