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Zeder (Pupi Avati, Italien 1983)

Posted by 4. Oktober 2014

Zeder#Horrorctober 7

Beinahe jede Art von Schrecken hat uns die ohne Unterlass fleißig produzierende Horror-Industrie inzwischen gezeigt. Dass man mal etwas wirklich Neues sieht, kommt ähnlich selten vor, wie dass ein tausendmal durchgekauter Stoff wirklich noch eine Gänsehaut erzeugt. Insofern hatte es Pupi Avatis „Zeder“, der weder das eine, noch das andere tut, nicht leicht. In seinem Film bekommt der Autor Stefano (Gabriele Lavia) von seiner Frau Alessandra (Anna Canovas) eine Schreibmaschine geschenkt, in der er eine Nachricht des vorherigen Besitzers Paolo Zeder entdeckt. Dieser berichtet darauf von sogenannten K-Zonen, die es möglich machen, aus dem Reich der Toten zurückzukehren. Stefano ist fasziniert von seiner Entdeckung und macht sich daran, der Sache nachzugehen.

Zombies waren in den 1980er Jahren schon lange keine neue Sache mehr. 1978 erschien George Romeros „Night Of The Living Dead“ und zog eine Welle (mehr oder weniger) ähnlicher Filme nach sich. Doch es gab in dieser Zeit immer schon Autoren und Filmemacher, die sich ein wenig eigenständiger mit dem Thema auseinandersetzen, als die Mehrheit ihrer Kollegen. Im Jahr 1983 erschien z.B. auch Stephen Kings „Pet Sematay“, der sich ähnlich wie Pupi Avati mit der Zombie-Thematik befasst. Was wäre, wenn wir die Toten zurückholen könnten, wenn wir sie an einer ganz bestimmten Stelle begrüben? King macht daraus eine handfeste Horrorgeschichte um einen traumatisierten Vater, der seinen verstorbenen Sohn wiederhaben will, Avati geht eher den Weg des Verschwörungs- und Gruselkrimis, es ist hier bei ihm nicht das Was (die Tatsache, dass an den K-Feldern etwas dran zu sein scheint und dass Stefano schon bald mit einigen Toten zu tun haben wird), sondern das Wie. Pupi Avati erzählt seine Geschichte mit aller Ruhe der Welt, es geht ihm nicht um vordergründige Schockeffekte, er konzentriert sich auf die Schnitzel-Jagd Stefanos und versteht es dabei geschickt, dem Zuschauer ein stetig wachsendes Gefühl der Unruhe zu vermitteln. Was hat es mit der Entdeckung von Paolo Zeder auf sich? Wer weiß davon? Was sind das für Leute, was haben sie vor und was sind sie bereit zu tun, damit das Geheimnis der K-Felder unentdeckt bleibt?

Genaugenommen wird keine der Fragen vollständig beantwortet. Stefanos kleine Tragödie ist wie ein kurzes, trauriges Aufglimmen einer Motte, die im Licht vergeht. Danach ist wieder Nacht, der Zuschauer steht im Dunkeln. Nach dem Film, der so gar nicht wie ein Produkt der Massenwahre herstellenden Horror-Industrie anfühlt, hatte ich das Gefühl, nur den vagen Umriss einer noch viel größeren Geschichte gesehen zu haben. Die verschweigt uns Avati allerdings. Und ich bin ihm nicht böse deswegen. Ich bin kein Freund von prätentiösen Andeutungen, hinter denen nichts steht, aber ich liebe es, wenn ich die Sicht auf einen kleinen Ausschnitt – die Spitze des Eisbergs – erhasche, der aber eine Ahnung des bedrohlichen Ganzen in sich trägt.

Auf der schönen DVD von „Zeder“ aus dem Hause CMV ist übrigens noch ein interessanter Audiokommentar von Christian Keßler. Ich habe da bisher erst reingehört, aber ich freue mich schon auf die nächste Sichtung des Films – dann mit Kommentar! – bei dem es sicherlich noch viel zu entdecken gibt.

Bild © CMV