Tag: Rape & Revenge

Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan (Chor Yuen, Hongkong 1972)

Posted by 21. April 2014

Meine neun #MARCHialARTs-Filme hatte ich im März brav zu Ende geschaut, es bisher aber leider versäumt, etwas zu „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“ (OT: Ai Nu)  zu schreiben. Genaugenommen hat sich der widersinnige Film schon während des Schauens ein wenig gesträubt – bis ich ihn dann schließlich ganz gesehen habe, hatte die chinesische Kurtisane mit ihrem tödlichen Blick schon zweimal dem VCL-Player den Garaus gemacht, von mehreren Aussetzern der Tonspur ganz zu schweigen. Und auch im Nachgang widersetzt er sich noch. Es fällt mir nicht leicht, den Finger darauf zu legen, warum er mir eigentlich so gut gefallen hat.

Die junge Ai Nu (Lily Ho Li-Li) wird entführt und von Gangstern an das Edelbordell „Vier Jahreszeiten“ verkauft, das unter dem eisernen Regime der Kung-Fu-Meisterin Lady Chun (Betty Pei Ti) steht. Jeder Versuch, sich zu wehren, wird grausam bestraft. Jahre später ist Ai Nu eine erfolgreiche und heiß begehrte Kurtisane. Doch Ainu hat nichts von dem, was ihr angetan wurde, vergessen. Ihr einziger Wunsch: Rache.

Schon diese paar Zeilen deuten vielleicht das breite Themen-Spektrum von Chor Yuens Film an. Er malt seine Geschichte in kräftigen Farben, kennt keine Tabus, weder bei Ai Nus obligatorischer Jungfrauen-Untersuchung oder späterer Genital-Folter, lässt Posaunen zur Vergewaltigung erschallen, ist Rache- bzw. „Rape & Revenge“- und Gefängnisfilm aber eben auch Martial Arts, Melodram, Liebesfilm und sogar Krimi. Weil Ai Nu schon früh gelernt hat, dass sie mit Gewalt nicht weiterkommt, hat sie ihre Strategie geändert. Sie verführt die lesbische Bordellchefin, die ein Auge auf sie geworfen hat und hat dadurch den Rücken frei, sich zunächst einmal um die Männer „zu kümmern“, die sie vergewaltigt haben. Der Polizist Chief Ji (Yueh Hua) beginnt zu ermitteln, und obwohl sein Verdacht schnell auf Ai Nu fällt, kann er der schönen Frau nichts nachweisen. Hier beginnt der Film übrigens, mit dem Anfang von Jis Nachforschungen, die Vorgeschichte bis zu diesem Punkt wird in Rückblenden erzählt.

Was ich an „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“ mochte, war auch seine Vielseitig- und Ernsthaftigkeit wie auch sein vergleichsweise hoher Härtegrad. Zum Schluss spritzt das Blut literweise und auch der ein oder andere Arm verbleibt nicht am zugehörigen Torso. Was den Film für mich letzten Endes großartig macht, ist, dass er trotz seiner Nähe zum Bahnhofskino und der Fülle an Themen doch eine Geschichte erzählt. Sinngemäß erklärt Ai Nu der Puffmutter und dem Zuschauer im Finale noch einmal das Kernthema: Am Anfang habe ich dich gehasst, sagt sie zu Chun, aber mit Hass konnte ich dich nicht besiegen, deswegen habe ich angefangen dich zu lieben. Interessant ist, mit welch langem Atem Yuen dieses Thema herausarbeitet hat und wie gekonnt er sogar noch das Doppelgänger-Motiv in seinen Film einfließen lässt. Zum Schluss ist es für den Zuschauer – für den europäischen wahrscheinlich noch viel mehr als für den chinesischen – nicht leicht den Überblick zu behalten, wer Ai Nu und wer Chan ist. Die Figuren verschwimmen, scheinen fast eins zu sein. Unmittelbar nach dem Film habe ich mich sogar gefragt, ob die Darstellerinnen nicht einige Male ihre Kleider getauscht haben, nur um mich zu verwirren. Das habe ich mir möglichweise aber nur eingebildet. Nichtsdestotrotz gelingt es Yuen nach den zuvor gelegten falschen Fährten ganz vortrefflich, seinen Film auf  ein zentrales Thema zuzuspitzen, eine Frau nämlich, die sich erst in ihre ärgste Feindin verwandeln musste, um sie besiegen zu können. Und ist das nicht die Crux und das Tragische an allen Rache-Filmen, dass das Opfer zunächst das Böse begreifen und schließlich selbst ein Teil von ihm werden muss?

Herzlichen Dank an Thomas, der mir dieses Kleinod aus der Shaw-Brothers-Schmiede zur Verfügung gestellt hat.

Fantasy Filmfest 2012


Seitdem ich in Berlin wohne, gehört das Fantasy Filmfest (neben Weihnachten, Geburtstag und Urlaub) zu den Höhepunkten meines Jahres. Umso bedauerlicher, dass mir eigentlich fast immer etwas dazwischen kommt. Nicht so in diesem Jahr. Ich habe mir zwar nicht besonders viel angesehen, hatte aber mit den Filmen fast durchweg Glück.

In Anfang in diesem Jahr machte „Game Of Werewolves“ (mehr dazu hier).  Nachdem ich kürzlich soviel Freude an „Howling III: The Marsupials“ und auch „The Undying Monster“ mir Spaß gemacht hat, dachte ich, ich müsste mal mehr Werwolf-Filme guten. Der spanische „Game Of Werewolves“ hat mich ebenfalls nicht enttäuscht. Für mich war der Film sogar nach Neil Marshalls „Dog Soldier“ einer der originellsten und charmantesten Werwolf-Filme der letzten 20 Jahre.

Etwas weniger Freude hatte ich mit dem „Thale“. Wie auch schon im grandiosen „Trollhunter“ steht hier auch ein Stück norwegische Folklore im Zentrum, aber anders als André Øvredal schafft es Aleksander Nordaas meines Erachtens selten, den Zuschauer auch nur ansatzweise ähnlich zu verzaubern.  Eine ausführliche Review von mir findet ihr hier.

„Girls Agains Boys“ habe ich mir ehrlich gesagt nur wegen des Titels angeschaut. Ein Glücksgriff. Vordergründig mag es sich um ein normales „Rape And Revenge“-Movie handeln. Unter der Oberfläche steckt in ihm aber soviel mehr! Ich weiß, das ist schnell behauptet und müsste weiter ausgeführt werden, damit deutlich wird, was ich damit meine und bei Gelegenheit werde ich das vielleicht auch mal tun, z.B. anlässlich des DVD-Starts des Films, der hoffentlich kommen wird.

Mein Highlight des Fantasy Filmfests 2012 war aber „Excision (meine Lobdudelei gibt’s hier). Direkt nach dem Screening dachte ich noch, „Excsion“ wäre gut, aber nicht wirklich toll. Doch je mehr ich über den Film nachgedacht habe, desto mehr ist mir über ihn ein- und an ihm aufgefallen. Der Film tut erst, als wäre er dein Freund. Aber dann! „Excision“ ist eine einzige, blutige Erziehungsmetapher, die sich lange geschickt als schwarze Komödie tarnt, obwohl er doch ein galliges Drama ist.  Und tut richtig weh. In a good way.

Zum Abschluss gab es noch „Cockneys vs. Zombies (meine Rezension auf Kino-Zeit). Falls ich es in diesem Blog noch nicht erwähnt habe: Ich kann lustigen Zombiefilmen nichts abgewinnen. Das liegt schon daran, dass ich sie in der Regel nicht lustig finde. Insofern hatte es der Film Matthias Hoene bei natürlich auch schwer, auch wenn ich zugegeben muss, dass sein Film bestimmt nicht die schlechteste ZomCom ist. Meiner Meinung nach ist das Comedy-Virus ansteckender und ungleich gefährlicher als jede Zombie-Epidemie, es wird irgendwann jedes Genre infizieren und einen qualvollen Tod sterben lassen. Der Zombie-Film ist auf dem besten Weg dahin.

Bild © Rosebud Entertainment