Tag: Scarlett Johansson

Captain America: Civil War (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2016)

Posted by 25. April 2016

Wenn Superhelden die Welt retten, geht oft so einiges kaputt. Dass dabei auch Menschen umkommen, wird in Film und Comic allerdings oft verschwiegen. Nachdem DC in Zach Snyders „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ dieses Thema angegangen ist, zieht nun auch Konkurrent Marvel nach lässt die Regisseure Anthony Russo & Joe Russo, die sich schon mit „Captain America: The Winter Soldier“ für einen der besten Marvel-Filme verantwortlich zeichneten, das Kind aus dem Brunnen holen, frei nach dem Motto: Ernst, das können wir auch! Das Ergebnis, „Captain America: Civil War“, kann sich, wie ich finde, nicht nur sehen lasse – es ist ein Highlight innerhalb des leider etwas eintönigen Marvel Cinematic Universe. Dabei erfinden Russo & Russo das Rad gar nicht neu, im Gegenteil – ihr Film fügt sich bestens in die Reihe der bereits existierenden Filme ein. Aber sie schaffen es eben auch, das Franchise in eine neue, ernstere Richtung zu lenken, Akzente zu setzen indem sie einen zeitgemäßen, nachvollziehbaren Konflikt präsentieren, die Figuren glaubhaft agieren lassen und kraftvolle Szenen kreieren, die in Erinnerung bleiben. Ich hoffe, dass der eingeschlagene Weg weiter beschritten wird, ich glaube, es ist der richtige. Auf Kino-Zeit habe ich ein wenig mehr dazu geschrieben.

Lucy (Luc Besson, Frankreich 2014)

Posted by 17. Februar 2015

LucyIn Filmen ist zunächst einmal alles wahr, das ist eines der vielen schönen Dinge, die es über sie zu sagen gibt. So nutzen Menschen in Luc Bessons neuem Film nur 10 Prozent ihrer Gehirnkapazität. Aber weil die amerikanische Urlauberin Lucy (Scarlett Johansson) in Taipeh als unfreiwilliger Drogen-Kurier für die brandneue Substanz CPH4 missbraucht wird und durch eine Überdosis zum Übermenschen mutiert, gilt diese Regel für sie bald nicht mehr. Schnell liegt das 10 Prozent-Limit hinter ihr. Ärgerlich nur – da bist du immerhin schon 28 Prozent deiner Gehirnkapazität und musst trotzdem noch Morgan Freeman anrufen, wenn du nicht weiter weißt. Der spielt in dem Film Hirnforscher Professor Samuel Norman und darf in einem weitestgehend parallel laufenden Handlungsstrang den Zuschauer mit pseudowissenschaftlichen Hintergrundinfos versorgen. Und einen französischen Polizisten (Amr Wakedmuss) muss sich Lucy dann auch noch anlachen, damit sie nicht zu schnell ihre Menschlichkeit verliert.

Bei 30 Prozent weiß Lucy die Kugelschreiber-Farbe ihres Telefonpartners und kann Schäferhunde mit Blicken züchtigen. Ab 40 Prozent gibts Champagner in der Economy-Class. Aber schon hier machen sich die ersten Problemchen breit. Ihr Superorganismus verliert den Zusammenhalt, sie beginnt sich aufzulösen und braucht schnell mehr von der Droge, weswegen sie den anderen Drogenkurieren nachreist. In einem Pariser Krankenhaus kommt es zum Showdown. Der Drogenbaron Mr. Jang (Choi Min-sik) und seine Schergen sind mittlerweile aufgetaucht, aber Lucy hat 80 Prozent hinter sich gelassen und bewegt sich in an „Matrix“ erinnernde „Konstrukt“-artigen Sphären, so dass ihr ein popeliger Gangster nicht mehr gefährlich werden kann. Auf Anraten von Prof. Norman ist Lucy gerade dabei, noch schnell einen Supercomputer zu konstruieren, um ihr in den letzten Stunden rasant angeschwollenes Wissen weitergeben zu können. Klappt und dann ists auch schon vorbei, und ich denke, sympathischer Trip, dieser „Lucy“. Aber ich finde auch: Besson hätte noch ein wenig mutiger dem Irrsinn huldigen können. Wir hätten dir alles geglaubt, Luc, warum die Zurückhaltung? So nutzt „Lucy“ leider nur knappe 60 Prozent seines Potenzials. In meiner Fantasie peppe ich alles deswegen ein wenig auf, indem ich mir vorstelle, der Film sei der zweite Teil einer Trilogie, bestehend aus dem ersten Teil „Vicky Christina Barcelona“, dann eben „Lucy“ und schließlich „Her“.

Bild © Universal

Fantasy Filmfest 2014


Fantasy Filmfest 2014Es ist schon etwas her, dass ich beim Fantasy Filmfest so wenig gesehen habe wie in diesem Jahr. Lediglich zu vier Filmen im Kino und einer heimischen DVD-Sichtung hat es gereicht. Die Ausbeute? Mager. Aber immerhin zwei Filme waren dann doch so großartig, dass es mir fast egal ist, wie viel Ausschussware ich dafür noch mitnehmen musste. Ein paar Sätze zu den Filmen in chronologischer Reihenfolge.

Starred Up (David Mackenzie, Großbritannien 2013)

Den ersten großartigen Film des Festivals gab es für mich gleich zu Beginn: David Mackenzies „Starred Up“ ist intensives Vater- und Sohn- wie Knastdrama gleichermaßen. Es ist ein Film der Spannungen – zwischen den Figuren, aber auch zwischen ihnen und ihrem Lebensraum. „Starred Up“ nach dem Debütdrehbuch von Jonathan Asser gehört zu den wenigen Gefängnisfilmen, in denen es kein Außerhalb gibt, es werden keine Ausbruchspläne geschmiedet und am Ende steht auch keine Entlassung wegen guter Führung. Der Knast ist die einzige Realität für die Figuren. Diese Spannung überträgt sich auch auf den Zuschauer. Ich jedenfalls saß die gut 100 Minuten Filmdauer verkrampft in meinem Kinosessel. Toll. Muss sich nicht hinter „Un Prophète“ verstecken.

Blue Ruin (Jeremy Saulnier, USA 2013)

Wie unterschiedlich die Wahrnehmung doch ist. Bei diesem Film beispielsweise lagen ich und das Gros des Publikums auseinander. Einige haben ihn als präzisen, realistischen Rachethriller gesehen, ich habe ihn als aufgedunsenen und nervig prätentiösen Film empfunden. Es geht um einen Mann, der nach dem Tod seiner Eltern als Obdachloser am Rande der Gesellschaft vor sich hin vegetiert – bis der Mörder auf freien Fuß kommt und er die Chance auf Rache wittert. Mein Problem mit dem Film? Ich glaube das alles nicht. Weder die Story, die sich von der einen zur anderen Unwahrscheinlichkeit hangelt, noch die Figuren, die im Falle der Schurken zum Schluss auch grimassierenden Ungeheuern werden müssen. Dass „Blue Ruin“ ein paar gute Momente hatte, will ich dennoch nicht verschweigen. Als die Hauptfigur sich im Haus seiner Schwester gegen den bevorstehenden Angriff der Gangster wappnet – das hatte schon was.

Extraterrestrial (Colin Minihan, USA 2014)

Ein ungewöhnlicher Alien-Film, aber nicht im positiven Sinne. „Extraterrestrial“ von Colin Minihan und Stuart Ortiz aka The Vicious Brothers zitiert sich ungelenk durch das Genre, was aber eher für peinliche als lustige Momente sorgt. Ein bisschen wirkt der Film wie eine monströse, aus Versatzstücken zusammengeklebte Collage, hergestellt von Menschen ohne Sinn für Proportionen. So ist das größte Problem des Films auch sein Timing – als es kurz gegen Ende im Raumschiff der Aliens spannend wird, ist der Film auch schon vorbei. Schön immerhin: Wiedersehen mit Michael Ironside als durchgeknalltem Hanfbauern. Schlecht allerdings: was die bösen Brüder aus dieser Idee machen.

Under The Skin (Jonathan Glazer, Großbritannien, Schweiz, USA 2013)

Und noch einmal: Ein ungewöhnlicher Alien-Film, diesmal aber ein ganz fantastischer! Man kann ihn sicherlich einfach als klassisches – wenn auch eigenwilliges – Werk der Science Fiction sehen, wohl aber auch als Allegorie auf Prostitution. Zumindest war letzteres mein erster Gedanke sofort nach dem Kinobesuch. Für diese Deutung spricht einiges, was ich gerne, demnächst, wenn ich den Film noch einmal gesehen habe, ausführe. Mich jedenfalls hat „Under The Skin“ nahezu komplett glücklich gemacht und ich bin kurz davor „Meisterwerk“ in die Welt hinauszurufen. Vielleicht hat Glazer in der Entwicklungsphase doch noch etwas Angst vor der eigenen Courage bekommen und hat – in Massengeschmack vorauseilendem Gehorsam – im letzten Drittel dem Drang nachgegeben, doch noch eine Geschichte zu erzählen. Zuviel „Handlung“ späteren Verlauf des Films – das wäre derzeit aber auch meine einzige Kritik. Viel ist über Glazers Film und den ihm versagten Kinostart im Vorfeld gesprochen worden, und, nachdem ich ihn nun endlich gesehen habe, schlage ich mich eindeutig auf die Seite derer, die sagen, dass Bild- und Klanginstallation auf die große Leinwand gehört. Geht nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen? Blödsinn! Wenn diese allein bestimmen, was in den deutschen Kinos läuft, haben wir bald nur noch die Wahl zwischen dem Transformers, dem nächsten Marvel-Film oder irgendeiner reaktionären Rom-Com.

Nurse 3D (Douglas Aarniokoski, USA 2013)

Vorher habe ich noch gedacht: Was kann man bei einem Film über eine hübsche Killerkrankenschwester, die, wenn sie nicht gerade Kollegen und Patienten auf fiese Art und Weise ins Jenseits befördert, ihren wohlgeformten Körper nackt der Kamera präsentiert, eigentlich falsch machen? Jetzt weiß ich: So einiges. Müsste ich es an einen Punkt festmachen, würde ich sagen, dass Aarniokoski sich nicht entscheiden konnte, ob er einen sleazigen Psychothriller oder vergnügliches Splatter-Fest drehen wollte. Klingt vielleicht als würde beides zusammengehen, hebelt sich meiner Meinung nach aber in diesem Fall aus. Einen nicht unerheblichen Anteil an meinem Missfallen hat auch Paz de la Huerta, die so unmöglich, ich möchte fast sagen: bizarr schauspielt, dass es mir mehrmals kalt den Rücken herunterlief. Und das ist jetzt nicht nett gemeint. Brr.

Bild © Rosebud Entertainment 
 

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Posted by 22. März 2014

Es ist nicht die Zeit für patriotische Helden, deren Kostüm aussieht, wie aus einer Amerika-Flagge zusammengenäht. Habe ich gedacht. Das erste Solo-Abenteuer von Captain America vor drei Jahren hat mich in dieser Ansicht bestärkt. Mit „Captain America: The Winter Soldier“ haben mich Anthony und Joe Russo nun allerdings eines Besseren belehrt. Geht anscheinend doch. Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen. Ein wenig geschwätzig zwar und in manchen Momenten over the top, war ich dennoch erstaunt, wie offensiv und mutig hier die Gefahr, die von allmächtigen Geheimorganisationen ausgeht, kritisiert wird. Dass die Antwort auf diese Bedrohung gerade ein Mann in nationalfarbenen Strumpfhosen sein soll, ist bestimmt diskussionswürdig, aber auf jeden Fall weniger trivial als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Systeme können sich nicht selbst heilen. Dazu bedarf es Menschen. Und zwar solche, die transparent agieren, die vertrauenswürdig sind und in der Lage, selbst zu vertrauen. Woran man denn die Bösen erkennt, wird im Film einmal gefragt. Das sind die, die auf dich schießen, antwortet Captain America. So einfach ist es vielleicht nicht. Doch den Impuls, die totale Überwachung und Waffensysteme, welche angeblich der Sicherheit dienen, unbedingt und entschlossen abzulehnen, kann ja wohl so falsch nicht sein. Dass diese Haltung gerade von einem Mann vertreten wird, der aus der Vergangenheit der USA kommt, ist vor dem Hintergrund aktueller Problemlagen natürlich besonders interessant. Ja, „Captain America: The Winter Soldier“ hat mich überrascht. Ein unterhaltsamer Film. Und vielleicht sogar ein schlauer. Die Action-Szenen nicht zu vergessen. Zumindest derer drei sind ziemlich geil. Für Kino-Zeit.de habe ich eine Kritik geschrieben.

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

Posted by 29. April 2012

Wäre ich Anführer einer Superhelden-Gruppe, würde ich sie bestimmt nicht “Die Rächer” nennen. Das wäre mir irgendwie peinlich. Trotzdem. Joss Whedons „The Avengers“ gehörte für mich zu den meisterwarteten Filmen 2012.  Nachdem ich vorletzte Woche zur Pressevorführung leider krank war (und mich zu Hause mit Rob-Zombie-Filmen vergnügen durfte), habe ich diesen Most-Wanted nun gestern endlich in der regulären Vorstellung nachgeholt. Auch wenn meine hohen Erwartungen nun bestimmt nicht übertroffen und vielleicht sogar nicht einmal ganz erfüllt wurden, war „The Avengers“ zweifellos ein starker Superheldenfilm.

„The Avengers“ schließt an die Handlung von „Thor“ an, aber auch die Kenntnis von „Captain America: The First Avenger“ und den beiden „Iron Man“-Teilen schadet nichts: Loki (Tom Hiddleston), Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) hat sich mit einer außerirdischen Streitmacht verbündet, um die Erde zu erobern. Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., trommelt deswegen seine Rächer zusammen, um der Bedrohung Herr zu werden. Doch auch wenn die Helden – Thor, Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) – allesamt über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, sind sie doch Einzelgänger und die Arbeit im Team nicht gewöhnt. Ein Umstand, den Loki hinterlistig ausnutzt…

Ich fange mal hinten an: Die letzte halbe Stunde, die gefühlt noch eine ganze Weile länger gedauert hat, gehört für mich nicht zu den Stärken des Films. Gesichtslose Außerirdische greifen die Erde bzw. zunächst einmal New York an und kriegen von den Rächern mit großem Krawums eins auf den Deckel. Das ist tricktechnisch durchaus beeindruckend und der ein oder andere Gag sorgt dafür, dass der Showdown seine Höhepunkte hat. Ich bin allerdings überhaupt kein Freund von solchen Materialschlachten, sie langweilen mich sehr schnell. Gelangweilt habe ich mich in diesem Fall zwar nicht, aber ich war auch nicht allzu weit davon entfernt. Aber wahrscheinlich sind solche Actionexzesse einfach ein Zugeständnis an Otto-Normal-Kinozuschauer, der ja auch dafür verantwortlich ist, dass sich Mist wie „Battleship“ seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Kinocharts hält. Wobei das bombastische Finale von Whedons Film zum Glück um Längen besser ist als alles, was Peter Berg seiner Schiffe-Versenken-Verfilmung gelungen ist.

Die Stärken von „The Avengers“ liegen allerdings weder in den guten Special Effects noch bei der – ebenfalls überzeugenden – Action, sondern, wie bei Joss Whedon üblich, in der Art und Weise wie die Figuren miteinander funktionieren. Schon „Buffy“, „Dollhouse“, „Firefly“ und „Serenity“ waren auch und vielleicht sogar vor allem deswegen so gut, weil zwischen den Figuren etwas passierte und Whedon in der Lage war, diese Chemie in grandiose Dialoge zu überführen. Das gelingt ihm auch bei „The Avengers“. Ganz egal, ob Black Widow versucht, Bruce Banner zu überzeugen, zum Team hinzuzustoßen, Iron Man und Thor aneinander geraten oder Phil Coulson (Clark Gregg) Captain America von seiner Leidenschaft für Superhelden-Sammelkarten erzählt – alle Szenen sind unglaublich charmant und witzig. Ebenfalls sehr gekonnt ist es, wie Whedon stets den Überblick behält und alle Figuren zu ihrem Recht kommen lässt. Niemand steht unangenehm im Vordergrund, allen wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil. Und sogar Figuren wie der einfach gestrickte Captain America in seinem komischen Kostüm wirkt in Whedons Film auf einmal nicht mehr so peinlich wie in Joe Johnston „Captain America – The First Avenger“. Whedon hat seine Helden alle lieb und macht interessante Einzelfiguren zu einer starken Truppe. Wenn ich der Anführer einer Gruppe Superhelden wäre, würde ich sie vielleicht auch “Die Rächer” nennen.

Bild © Walt Disney