Tag: Science Fiction

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)


Durch meine letzten Texte „The Hunger Games“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3.1) dürfte klar geworden sein, dass ich ein großer Verehrer der Reihe bin. Die Bücher haben mir sehr gut gefallen, die Filme finde ich sogar noch besser. Nun bin ich ein wenig erleichtert, dass sich daran auch durch den letzten Film nichts ändert, gab es doch beim Vorgänger ein Indiz, dass es das große Filme vielleicht an der nötigen Konsequenz missen lassen würde. Doch jetzt bin ich beruhigt, Francis Lawrence bringt die Adaption zu einem würdigen Abschluss und zeigt, dass Blockbuster und Anspruch ebenso wenig ein Widerspruch sind wie ein Kino für jugendliche Zuschauer, das gleichzeitig auch Erwachsene herausfordern kann. Der starke „The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ komplettiert die Reihe, die ich als Ganzes nun ohne Zögern als Meisterwerk bezeichne. Meine ausführliche Kritik gibt es wie stets auf Kino-Zeit.

They Live (John Carpenter, USA 1988)

Posted by 16. August 2015

they live„So ein Humbug“, sagt mein Vater nach dem Film, und meine Mutter: „Bist du nicht langsam zu alt für sowas?“ Ich fühle mich geehrt, dass mir ein so exklusiver Geschmack bescheinigt wird. Aber ich wundere mich auch: Wie können meine Eltern nicht erkennen, was für einen fantastischen Film sie mit John Carpenters „They Live“ vor sich haben?

Auf der Suche nach Arbeit kommt John Nada (Roddy Piper) nach Los Angeles und heuert dort auf dem Bau an. Mehr oder weniger zufällig fällt ihm ein Karton mit Sonnenbrillen in die Hände. John traut seinen Augen nicht – der Blick durch die Brille offenbart, wie die Welt wirklich ist: Die Erde ist von Außerirdischen infiltriert, die alle Menschen mit unterbewussten Botschaften beeinflussen. Zusammen mit seinem Kumpel Frank (Keith David) sagt er den Besetzern den Kampf an. Wobei der Ausdruck „Kumpel“ der Geschichte vorgreift. Ehe John und Frank an einem Strang ziehen und den Außerirdischen entgegentreten, muss John seinen Kollegen zunächst einmal von seiner Entdeckung überzeugen, was in eine der längsten Prügelszenen der Filmgeschichte kulminiert. „Put the glasses on! Put ’em on!“. Bäng. Zosch. Krawumm.

Humbug ist das aus einem bestimmten Blickwinkel natürlich schon. Da prügeln sich zwei, weil der eine will, dass der andere eine Brille aufsetzt, das ist schon was anderes, als man sonntäglich beim Tatort zu sehen bekommt. Und ich kann meinen Eltern eigentlich auch nicht vorwerfen, dass sie von „They Live“ nicht so fasziniert sind wie ich heute. Denn ehrlich gesagt hatte ich diesen Carpenter-Film auch nicht in bester Erinnerung, ich habe ihn erst jetzt wirklich ins Herz geschlossen. Denn Humbug in dem Sinne, dass hier Bedeutung vorgegeben wird, die tatsächlich aber nur Schwindel ist – das ist der Film mit Sicherheit nicht, das ist mir diesmal klar geworden. Es geht um eine fremde Macht, die die Menschen über die wahre Beschaffenheit der Welt im Unklaren lässt. Willensfreiheit ist in diesem Szenario eine Illusion. Die Menschen werden durch unbewusste Signale gesteuert und dazu animiert, zu gehorchen und zu konsumieren. Ich will hier nicht den Gesellschaftskritiker raushängen lassen, aber ganz anders geht es in der Welt ja wirklich nicht zu. Im Kapitalismus muss der Mensch zum Kaufen animiert werden – um jeden Preis. Wir sind schon so erzogen, aber auch die allgegenwärtige Werbung macht uns jeden Tag klar: der Mensch ist ein Mängelwesen, doch er kann diesem Mangel durch Konsum entgegenwirken. Und selbst für diejenigen, die aus dem System ausbrechen wollen, gibt es noch das passende Selbsthilfebuch oder den Yogakurs im Angebot. Doch mit der Selbstverwirklichung verhält es sich wie mit dem Esel und der Karotte, natürlich ist sie nicht erreichbar, ständig fehlt noch ein weiterer Konsumartikel zum letzten Glück.

Da hat es der Widerstand im Film natürlich ein wenig leichter: Brille auf – und schon lässt sich die Illusion als solche entlarven. Man merkt schon daran, wie genial Carpenters Drehbuch ist, dass es Menschen gibt, die den Film als Humbug bezeichnen. In plakativen und eindringlichen Bildern wird hier die moderne westliche Gesellschaft aufs Korn genommen, aber aller Einfachheit zum Trotz ist es gar nicht so leicht, die Ähnlichkeit zwischen Fiktion und Wirklichkeit klar zu erkennen – so umfassend ist die Gehirnwäsche, der die meisten von uns seit Beginn ihres Lebens ausgesetzt sind. Ehe ich zu verschwörungstheortetisch klinge, möchte ich einfach noch einmal betonen, was für einen großen Spaß dieser Film macht, wenn man ihn mit der richtigen Einstellung anguckt. Humbug im Sinne von Quatsch mit Soße ist er nämlich auch. Man merkt allen Beteiligten ihren Spaß an, den sie während des Drehs hatten. Allen voran Roderick George Toombs, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Roddy Piper, was mich zum Schluss noch zu einem traurigen Anlass bringt. Piper ist ist am 1. August 2015, einen Tag nachdem ich mir „They Live“ angesehen habe, gestorben. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich weder ein besonderes Interesse am Wrestling noch bewusst andere Filme mit Piper gesehen habe, geht mir sein Tod nahe. Piper hat in Carpenters Film eine unheimlich sympathische Ausstrahlung und nicht zuletzt ist er der Grund dafür, warum „They Live“ so ein feiner Film geworden ist. Oder mit John Nadas Worten: „I have come here to chew bubblegum and kick ass… and I’m all out of bubblegum.“ Oh ja, das ist ihm gelungen! Die außerirdischen Invasoren haben hier den Arschtritt ihres Lebens bekommen. Außerhalb des Films verhält sich alles leider etwas komplizierter. Wir haben keine Brille, die uns dabei hilft, die Welt zu erkennen, wie sie wirklich ist.

Bild © Optimum

Starman (John Carpenter, USA 1984)

Posted by 26. Juli 2015

StarmanDie Voyager Golden Record ist eine Datenplatte, die mit der Raumsonde Voyager in die Weiten des Universums gesendet worden ist. Mit ihrer Hilfe sollten Aliens von der Existenz der Menschheit erfahren. Extrem unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. John Carpenters „Starman“, der auf einem Drehbuch von Bruce A. Evans und Raynold Gideon beruht, spielt die Idee durch, was wäre wenn eine außerirdische Intelligenz die Einladung annimmt. Doch anders als in so vielen Science-Fiction-Filmen erweisen sich hier nicht die Besucher als feindlich, sondern die Menschheit als verdammt schlechter Gastgeber. Kaum angekommen, wird das UFO auch schon abgeschossen. Der „Starman“ an Bord überlebt, nimmt die Gestalt des verstorbenen Mannes (Jeff Bridges) von Jenny Hayden (Karen Allen) an und reist mit ihr quer durch die USA zu dem Ort, wo er in zwei Tagen wieder abgeholt werden soll. Und wie soll es anders sein: das Militär ist ihnen dicht auf den Fersen.

Da es niemand sonst so richtig tut, möchte ich hier eine Lanze für John Carpenters „Starman“ brechen, den ich nach einer Ewigkeit vor ein paar Tagen wieder einmal gesehen habe. Das Science-Fiction-Roadmovie, dem die typischen thematischen und stilistischen Erkennungsmerkmale des Regisseurs zwar fehlen, weiß nichtsdestotrotz zu überzeugen, weil es nämlich nicht nur ganz wunderbare, prägnante Momente (die Szene mit dem Baby!, herrliche Landschaftsaufnahmen), sondern auch inhaltlich einiges zu bieten hat. Dass der Mensch mehr ist als sein Körper, gehört zu einer häufig strapazierten Binsenweisheit des Wohlfühlkinos. Dass der Mensch wie jedes Lebewesen aber nun mal eben auch Körper ist und dass damit einiges zusammenhängt, wird gerne mal unter den Tisch gekehrt. Nicht umsonst besorgt sich das außerirdische Energiewesen in Carpenters Film erst einmal einen Körper, denn nur so kann es erleben, wie es ist ein Erdenbewohner zu sein und nur auf diesem Weg ist es in der Lage, eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen. Doch es sind nicht nur die Chancen der Körperlichkeit, welche die Geschichte vorantreiben, sondern auch ihre Tücken. Der Starman ist gefangen im Fleisch, unddas mit allen seinen Bedürfnissen – Hunger, Schmerzen und vor allem Liebe – die zwar nicht das Ziel, aber doch die Beschaffenheit seiner Reise bestimmen. Und für Jenny Hayden ist die Gestalt des Außerirdischen natürlich alles andere als nebensächlich. Dass er aussieht wie ihr verstorbener Mann ist anfangs natürlich vor allem ein Grund für Irritation, Angst und Misstrauen. Doch schon bald ist es gerade seine Gestalt, die ihr hilft, Vertrauen zu fassen und sich schließlich sogar zu verlieben. Mit Blick auf viele seiner anderen Filme frage ich mich, ob es vielleicht dieser Aspekt gewesen sein könnte, der Carpenters Interesse an dem Stoff geweckt hat – dass unsere Körper letztlich unsere Freiheitsgrade bestimmen, dass wir in gewisser Weise sogar ihre Gefangenen sind, weil sie bestimmen, was wir tun und empfinden können.

Aber ich will diesen Gedanken auch nicht überstrapazieren. Denn wie gesagt, dies ist ein Carpenter-Film der etwas anderen Art, einer in dem der Regisseur seine Vielfältigkeit und sein großes thematisches Spektrum unter Beweis stellt. Hier geht es nicht um Angst, es geht um Liebe, weniger um Zwänge denn um Möglichkeiten und nicht carpenter-typisch ums Gefangensein, sondern um Freiheit. „Starman“ gehört zu den seltenen Filmen, welche die schönen Seiten der USA zeigen, in denen es um Hilfsbereitschaft geht und um guten Kuchen. Er ist damit ein wenig wie ein Märchen, in dem der Außerirdische wie die gute Fee dem Menschen seine Wünsche erfüllt. Nach der Begegnung mit dem Starman sind alle, die es zugelassen haben, bereichert. Sie hatten die Chance, etwas zu lernen. Und auch er selbst hat zum Schluss, wenn er sich auf den Rückweg zu seinem Planeten macht, wertvolle Erfahrungen dazugewonnen.

Bild © Sony Pictures

Terminator: Genisys (Alan Taylor, USA 2015)

Posted by 6. Juli 2015

„Wenn man die Terminator-Filme mag, wird man diesen Film lieben.“ James Cameron soll das gesagt haben. Und „dieser Film“ ist natürlich „Terminator: Genisys“, der wie zuvor „Terminator: Die Erlösung“ als erster Teil einer neuen Trilogie konzipiert ist. Ob das was wird, daran habe ich allerdings meine Zweifel. Auch wenn die Action zumeist kurzweilig ist, ist der Mangel an Ideen doch eklatant. Warum will man diese Geschichte vom Kampf des Menschen gegen die Maschinen weitererzählen, wenn es so offensichtlich nichts zu erzählen gibt? Am lässt sich Teil 5 als eine Sammlung der vermeintlichen Highlights des ersten und zweiten Teils beschreiben. Doch Szenen dieses „Best-of“ verblassen vor denen, auf die sie anspielen. Und das ist nicht das einzige Problem von „Terminator: Genisys“. Auf Kino-Zeit.de gibt es eine längere Kritik von mir.

Mad Max (George Miller, Australien 1979)

Posted by 31. Mai 2015

mad max trilogieIn einer nicht allzu weit entfernten Zukunft beherrschen motorisierte Banden die Straßen. Sie terrorisieren die Bevölkerung, stehlen Benzin und auch vor Vergewaltigung und Mord schrecken sie nicht zurück. Die Polizei ist nahezu machtlos. Als bei einer Verfolgungsjagd der aus dem Gefängnis entflohene Nightrider (Vincent Gil) umkommt, sind seine Banden-Kollegen Toecutter (Hugh Keays-Byrne) und Bubba Zanetti (Geoff Parry), die ohnehin nicht gut auf die Polizei zu sprechen sind, noch aufgebrachter. Als Cop Jim „Goose“ Rains (Steve Bisley) und Max Rockatansky (Mel Gibson) auch noch Johnny „the Boy“ Boyle (Tim Burns), ein Mitglied ihrer Gang, verhaften, eskaliert die Lage zwischen den Outlaws und den Gesetzeshütern.

Lang ist es her. Damals war auch die Zukunft eine andere. Endlose, verdorrte Weiten, in denen sich eine Handvoll verrohter Überlebender um die letzten Rohstoffe zanken und das Recht des Stärkeren gilt. In George Millers erstem „Mad Max“-Film war dieses Szenario zwar nicht voll ausgeprägt, doch darf man wohl behaupten, dass hier – auch wenn es z.B. mit „The Last Man on Earth“ (1964), dem wunderbaren „A Boy And His Dog“ (1974) und weiteren schon andere stilbildende postapokalyptische Filme gab – sowohl was die visuelle als auch die inhaltliche Ebene dieser Erzählungen betrifft, ein wichtiger Vertreter das Licht der Welt erblickt hat. In meiner Erinnerung war der erste Teil immer der schwächste der Reihe. Als ich ihn mir vor ein paar Tagen – heiß gemacht durch den famosen „Mad Max: Fury Road“ und anlässlich der Veröffentlichung der ersten 3 Filme auf Blu-Ray – endlich mal wieder gesehen habe, musste ich wie so manches Mal feststellen, dass die Erinnerung trügt, bzw. dass der Geschmack sind ändert.

Viele reden bei den „Mad Max“-Filmen immer von rudimentären Geschichten oder zumindest solchen, die „kein Gramm Fett zu viel“ enthalten. Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt. Schon beim Schreiben der Inhaltsangabe ist mir aufgefallen, wie schwer es ist, den Finger drauf zu legen, was an „Mad Max“ eigentlich wichtig ist. Zumindest scheint es sich hier um alles andere als eine gradlinige Rachegeschichte zu handeln. Der Konflikt zwischen jenen, die krampfhaft versuchen, die kümmerlichen Reste der alten Ordnung aufrecht zu erhalten und jenen, die ihre eigenen Regeln machen, ist sicherlich elementar. Allerdings geraten die Figuren im Film eher unvermittelt aneinander. Dass es gerade Max ist, der mit den Straßenrockern in Konflikt gerät und dass das Schicksal gerade ihn ins Finale spült, ist eher dem Zufall geschuldet. So wie ich das sehe, erzählt „Mad Max“ dem Titel zum trotz weniger die Geschichte von einer bestimmten Person als vom Untergang der Zivilisation. Die Polizei – das sieht man schon am Anfang des Films – ist den Straßen-Rowdies sehr ähnlich. Max fürchtet sich davor, eine Grenze zu überschreiten und so zu werden, wie die, die er jagt: „Any longer out on that road and I’m one of them.“ Als sein Partner schwer verwundet wird, entschließt er sich dazu, den Dienst zu quittieren und mit seiner Familie aufs Land zu fahren, vom Helden im klassischen Sinne hier noch keine Spur. Als dann das Schicksal ihm alles nimmt wofür erlebt, will sich Max trotzdem nicht so recht in das Bild seiner heroischen Zunft fügen.

Damals war, wie gesagt, unser Bild der Zukunft ein anderes. Die „Mad Max“-Filme geben hiervon Zeugnis. Wenn, beziehungsweise – vielleicht sogar weil der ebenfalls wahnsinnig gute „Mad Max 2: The Road Warrior“ als der prototypische Vertreter des Endzeit-Films gilt, mag ich diesen ersten heute sogar noch etwas lieber. Das liegt zum einen daran, dass er so roh, so anarchisch und hoffnungslos ist und zum anderen so pointiert eine Welt zeigt, welche sich in der Umbruchphase zur sozialen Entropie befindet. In wenigen Filmen dieser Gattung sieht man besser als in George Millers Debütfilm, warum alles den Bach runter geht. „Mad Max“ ist sicherlich ein unangenehmer, aber auf den zweiten Blick auch ein großer und wichtiger Film über das Scheitern.

Bild © Warner Home Video

Prince Of Darkness (John Carpenter, USA 1987)

Posted by 19. Mai 2015

Prince Of DarknessWenn man sich über Carpenter-Filme unterhält, wundere ich mich regelmäßig, wie viele Filmfans „Prince Of Darkness“ sehr mögen, ohne sich wirklich durchringen zu können, ihn an die Spitze ihrer persönlichen Rangliste des Regisseurs zu stellen. Wobei – irgendwie kann ich es auch gut nachvollziehen. Schließlich geht es mir ähnlich. Bei mir rangiert der Film pi mal Daumen auf Platz 5 meiner Carpenter-Charts. Meine Einstellung zu dem Film ist mir bei der letzten Sichtung etwas klarer geworden und ich will versuchen, das hier mal ganz knapp zu notieren.

In diesem Film erzählt John Carpenter nach eigenem Drehbuch die Geschichte einer im wahrsten Sinne teuflischen Bedrohung: Im Keller einer lange geschlossenen Kirche wird eine seltsame Entdeckung gemacht. Ein Priester (Donald Pleasence) verständigt daraufhin eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung Howard Birack (Victor Wong), die das Phänomen genauer untersuchen wollen. Doch ehe sie sich versehen, sitzen sie in der Falle – sie können die Kirche nicht verlassen. Und im Keller lauert der Prinz der Finsternis und wartet darauf, wiedergeboren zu werden.

Irgendwo zwischen den allseits bejubelten Meisterwerken und den Filmen, bei denen sich die meisten einig sind, dass sie wirklich gar nichts taugen, hat John Carpenter einige Filme gedreht, die sich im Mittelfeld versteckt halten. „Prince Of Darkness“, nach „The Thing“ und vor „Mouth Of Madness“ der zweite Teil von Carpenters sogenannter apokalyptischer Trilogie, ist so ein Film, der nie ganz zu den Klassiker aufgeschlossen hat, der sich angesichts seiner mannigfaltigen Stärken aber ohne Frage irgendwo im oberen Drittel verorten lässt. Schon der Anfang versetzt mich jedes Mal in Hochstimmung. Die zielführende Hinführung zum Plot, die dezente Vorstellung der gleichwohl markanten Figuren und dann die Location, diese wunderbar gruselige Kirche in einem ebenso gruseligen Teil von Los Angeles, die anfangs schwer fassbare Bedrohung, die innerhalb und außerhalb der Gemäuer lauert. Eingesperrt sein ist auch hier wieder ein ganz zentrales Thema. Je mehr Raum das Böse bekommt, desto unfreier werden die Figuren, die im Laufe des Filmes verschiedene Stadien der Gefangenschaft durchlaufen. Ja, „Prince Of Darkness“ hat alles, was Carpenter-Filme auszeichnet – und noch mehr.

Für manchen mögen hier auch die Probleme anfangen. Hat dieser apokalyptische Sci-Fi-Horror- und Zeitreisefilm von allem etwas zu viel? Zu viel pseudo-wissenschaftliches Gebrabbel enthält er mit Sicherheit, aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm, so bluten einem wenigsten ordentlich die Ohren. Mich jedenfalls hat dieses relative Manko eigentlich nicht gestört, zumal der geniale Regisseur Carpenter die Schwächen des Drehbuchautors Carpenter mehr als ausgleicht. Ich empfinde den dadurch entstehenden Trash-Appeal sogar als ganz guten Ausgleich für die Horror-Seite des Films. Ja, ich würde sagen – nach „The Thing“ ist „Prince Of Darkness“ der spannendste Film, den John Carpenter je gemacht hat. Insofern habe ich meine Probleme auch eher mit dem letzten Drittel des Films, denn hier funktioniert er für mich dramaturgisch nicht mehr so gut. Mich würde sehr interessieren – geht es anderen ähnlich? Die Figuren sind zu dem Zeitpunkt eingeschlossen in drei verschiedenen Räumen. Sie können nicht heraus, aber auch nicht bleiben. Bei einer besteht sogar die Notwendigkeit, ihren Aufenthaltsort zu verlassen. Was auf dem Papier ganz reizvoll klingt, erweist sich im Film – möglicherweise noch nicht gleich beim ersten Sehen, aber bei jeder erneuten Sichtung etwas mehr – als zunehmend zäh. Mehr Gefängnisse erhöhen nicht den Grat an Gefangenschaft. Carpenter schneidet von Raum zu Raum und nach einer langen Weile, ohne besondere dramaturgische Notwendigkeit, mündet das Ganze in einem wenig glorreichen Finale. Die Wissenschaftler können den Prinzen der Finsternis recht unspektakulär auf einmal aus der Welt schubsen. Und ab dafür.

Viel gruseliger sind da schon die letzten Sekunden, die für die letzte halbe Stunde mehr als entschädigt. Carpenter verabschiedet sich mit einem eindrucksvollen Bild, wenn nämlich deutlich wird, dass das Böse zwar vertrieben aber niemals völlig aus der Welt ist. Es blickt uns tagtäglich in unserem Ebenbild an. Und weil der Wissenschaftler ein Narzisst ist, wird er die verspiegelte Büchse der Pandora auch immer wieder von neuem öffnen.

Bild © Studiocanal

Terminator (James Cameron, USA / Großbritannien 1984)

Posted by 19. Mai 2015

TerminatorUm mich für „Mad Max: Fury Road“ einzustimmen, den ich letzten Sonntag Abend im Kino gesehen habe (Text folgt vielleicht noch), habe ich zuvor diesen Klassiker aus dem Regal gezogen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich „Terminator“ mittlerweile gesehen habe – oft! – aber weil das letzte Mal schon wieder ein Weilchen zurückliegt und das Thema „Wiederholung“ ohnehin gut zu dem Film passt, ist es an der Zeit, meine Erinnerung an ihn mal wieder aufzufrischen.

„Terminator“ erzählt die Geschichte von zwei Zeitreisenden – dem Soldaten Kyle Reese (Michael Biehn) und dem Cyborg T-800 (Arnold Schwarzenegger). Beide sind aus der Zukunft in die Gegenwart des Jahres 1984 zurückgekehrt, um eine Frau zu finden: Sarah Connor (Linda Hamilton). Der eine will sie töten, der andere sie retten. Denn in der Zukunft haben nach einem Atomkrieg die Maschinen die Macht übernommen und die Reste der Menschheit fürchtet ums Überleben. Sarah Connors zukünftiger Sohn John, der im Jahre 1984 noch nicht geboren ist, wird die Rebellion gegen die Maschinen erfolgreich anführen; aus diesem Grund wollen die Maschinen seine Geburt verhindern.

„Terminator“ ist für mich so etwas wie die Sci-Fi-Version von John Carpenters „Halloween“, weil der Film in Struktur und Stimmung ähnliche Merkmale aufweist. (Und sogar Schwarzenegger sieht in ein paar Einstellungen aus wie Michael Myers.) In diesem Action-Bollwerk kommt die Bedrohung allerdings nicht aus dem Irrenhaus, sondern aus der Zukunft; und sie ist auch nicht so schwer fassbar wie Carpenters Film, denn wir wissen, was der Terminator will. Er will die Mutter des ärgsten Feindes der Robomacht der Zukunft vernichten, ehe dieser zu einer Gefahr werden kann. Klingt straight, ist es aber nicht. Denn: Gelänge ihm dies, würde es den Film wohl nicht geben, wäre die Menschheit der Zukunft Geschichte. Weil es den Film aber gibt, können wir daraus schließen, dass der Terminator scheitert – und die Geschichte ist eine unmögliche Figur, die sich immer wiederholt, ohne wirklich sein zu können. Ad infinitum. Wenn man jetzt noch einbezieht – Menschen, die „Terminator“ noch nicht gesehen haben, überlesen das bitte mal kurz –, dass Sarah und Kyle ein Stelldichein haben, dessen Produkt Sarahs Sohn John sein wird, erstrahlt dieses ödipale Escher-Gemälde von einem Film erst in voller Pracht.

Der Sohn schickt seinen Vater durch die Zeit zurück, um die eigene Zeugung sicherzustellen, die Maschinen, deren Emporkommen sich später ebenfalls als direktes Resultat des Zusammentreffens der Zeitreisenden im Jahr 1984 zeigt, schicken eine Art Anti-Vater zurück, der die Zeugung verhindern soll – der dadurch aber andererseits auch wieder die Bedingung der Möglichkeit der eigenen Existenz nihiliert hätte. Zum Schluss ist der einst so mächtige T-800 wie ein Baby, das mit letzter Kraft durch die Fabrikhalle krabbelt, bis er von der Mutter in einem schöpferischen Akt zerquetscht wird. Aber als Baby steht er auch für Leben und tatsächlich sichert gerade seine Zerstörung seine zukünftige Existenz und ewige Wiederkehr ins Jahr 1984. Halleluja! Je länger man darüber nachdenkt, desto fester zieht der Möbiusknoten im Kopf. Jedenfalls ist – und das ist es, was ich vermutlich sagen will – „Terminator“ damals wie heute eine runde Sache!

Bild © Twentieth Century Fox

Tomorrowland (Brad Bird, USA 2015)

Posted by 19. Mai 2015

Bei „Tomorrowland“ bzw. „A World Beyond“, wie er auf gut deutsch heißt, weiß ich auch nicht so recht. Einerseits fand ich ihn flott, amüsant und warmherzig. Gute Action-Szenen! Und auch die Figuren – George Clooney als griesgrämiger Erfinder Frank Walter, Britt Robertson als das junge Genie Casey Newton und Raffey Cassidy als Götterbotin Athena – waren mir sehr sympathisch. Trotzdem hat mich Brad Birds Film in einer ambivalenten Stimmung zurückgelassen. Am Ende ist alles zu einfach, zu schwarz-weiß und moralisch zumindest zu hinterfragen. Denn wenn es wirklich Disney’s Träumer-Elite obliegt, die Welt von Morgen (er)finden, wage ich die Prognose, dass sich nicht jeder Mensch gleichermaßen gut vertreten fühlen wird. Auf Kino-Zeit.de führe ich diese Gedanken weiter aus.

Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Posted by 21. April 2015

Ex Machina„Künstliche Intelligenz“ ist ein verdammt spannendes Thema! Schließlich läutet der Mensch durch die Erschaffung neuen, intelligenten Lebens seinen nächsten evolutionären Quantensprung ein. Oder macht er sich selbst überflüssig? Was macht den Mensch zum Menschen? Was macht ihn aus? – Überraschenderweise fallen mir gerade nur sehr wenige Filme ein, die sich ernsthaft, kompetent und unterhaltsam mit diesen Fragen auseinandersetzen. Natürlich gibt es eine ganze Reihe Filme mit intelligenten Maschinen – diese Intelligenz wird allerdings immer nur behauptet, eine wirkliche Auseinandersetzung, was sie ausmacht, findet nicht statt. Anders bei Alex Garlands grandiosem Quasikammerspiel „Ex Machina“.

Der Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt bei der firmeninternen Lotterie den Hauptpreis. Er darf Firmengründer Nathan (Oscar Isaac) treffen. Dieser lebt zurückgezogen in einem streng abgesicherten Areal in den Weiten Alaskas. Dort arbeitet der Tech-Guru an einen Projekt zur Künstlichen Intelligenz. Caleb hat nun die Aufgabe, den verblüffend menschlich aussehenden Roboter Ava (Alicia Vikander), einer Art Turing-Test zu unterziehen und herauszufinden, ob Ava wirklich über Intelligenz verfügt.

Der Turing-Test, benannt nach seinem Erfinder Alan Turing, ist eine Versuchsanordnung, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Dabei interviewt ein menschlicher Fragesteller ohne Sichtkontakt zwei andere Personen, von denen einer ein Mensch und einer eine Maschine ist. Wenn der Fragesteller nach dem Interview nicht sagen kann, wer Mensch und wer Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden. Caleb führt die Gespräche mit Ava gleich von Angesicht zu Angesicht, so wird schnell klar: Ava verhält sich wie ein Mensch! Und Caleb beginnt ziemlich schnell, eine Beziehung zu dem weiblich aussehenden Roboter aufzubauen.

Auf die Frage, warum „Ex Machina“ ein so starker – drei Wochen nach Sichtung möchte ich immer noch sagen – überragender Film geworden ist, gibt es mehrere Antworten. Die nachvollziehbaren Figuren z.B. Das Verhalten der zwei Menschen wie auch der KI erklärt sich aus ihre Wünschen – und was sie dafür zu tun bereit sind. Für mich ist das stärkste Argument für den Film die Ruhe und konzentrierte Kraft, mit der er sich seinem Thema stellt. Ganz allgemein könnte man sagen, das Gelingen des Films ist eine Sache von Form und Inhalt. Die meisten Filmemacher bisher konnten der Versuchung nicht widerstehen, dem Publikum auch etwas fürs Auge zu bieten. Aber mit Sensationen und den Mitteln des Actionkinos lässt sich das Geheimnis der Künstlichen Intelligenz eben nur unzureichend einfangen. Das soll nicht heißen, dass etwas an der Form in Alex Garlands Film in irgendeiner Hinsicht nicht zufriedenstellend wäre, im Gegenteil, das Design ist zurückhaltend aber dennoch ausgeklügelt, so wie fast alles an dem Film. So einen durchdacht-ästhetischen Film habe ich seit langem nicht gesehen! Nur steht sie, die Form, hier eben im Dienste des Inhalts und dieser ist – das kann man kaum anders sehen – äußerst clever gemacht. Warum ich den „Ex Machina“ so schlau finde, kann ich hier leider nicht in aller Tiefe ausbreiten, ohne diejenigen, die ihn noch nicht gesehen haben, eine Erfahrung zu nehmen. Insofern belasse ich es bei Andeutungen, empfehle aber allen, die den Film unbefangen genießen wollen, nicht weiterzulesen. Spontan würde ich denken, was die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz spannend machen kann, sind zwei Dinge. Zum einen die Frage, was es für das Selbstverständnis des Menschen und gesellschaftlich bedeuten würde, wenn es eine wirkliche KI gäbe. Zum anderen – und dies ist die zentrale Frage des Films – wie eine KI beschaffen sein muss, dass man ihr tatsächlich zugestehen würde, in allen wesentlichen Eigenschaften wie ein Mensch zu sein. Den Turing-Test zu bestehen, ist dabei sicherlich nur die eine Seite. Welche Eigenschaften gehören noch dazu? Mitgefühl? Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, Beziehungen einzugehen? Überlebenstrieb? Irrational sein zu können? Sexappeal? Soviel sei verraten – Garland findet hier seine ganz eigene Antwort.

Nun ist „Ex Machina“ aber nicht nur deswegen so gut, weil er auf einer cleveren Prämisse beruht. Auch links und rechts seines Plots findet sich mehr als genug zum Entdecken. Es ist erstaunlich, wie viele Ideen Garland in seinen Stoff verwoben hat, ohne dass dieser überfrachtet wirkt; und wie spannend der britische Schriftsteller sein Regiedebüt – unterstützt durch das fantastische Trio Alicia Vikander, Oscar Isaac und Domhnall Gleeson – bis zum überraschenden, nachdenklich stimmenden und je nach Interpretation ziemlich traurigen Finale erzählt. Entgegen der genretypischen Klischees stellt sich hier nicht die Frage nach der Weltherrschaft der Maschinen, sondern eher ob die KI im Film nicht ein Epiphänomen und Ava nicht nur die erste, sondern gleich auch schon die letzte künstliche Frau sein wird. „Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt“ sing Herbert Grönemeyer – „weil er lügt und betrügt“ hätte der Text bei Alex Garland gelautet. Und „weil er scheitern kann“, möchte ich noch hinzufügen.

Bild © Universal Pictures Germany

Maze Runner (Wes Ball, USA, Kanada, UK 2014)

Posted by 17. Februar 2015

maze runnerHier noch ein paar Nachzügler-Worte zu „Maze Runner“, den ich kurz vor Weihnachten gesehen habe. Unterm Tannenbaum lagen dann die Bücher der Jugendromanreihe von James Dashner, und ich wollte zumindest den ersten Teil der Trilogie gelesen haben, bevor ich etwas zur Verfilmung des ersten aufschreibe. Buch fertig, es kann losgehen. Ich starte mit der Feststellung, dass mir der Film, was eher selten der Fall ist, ein gutes Stück besser gefallen hat als das Buch. Das empfand ich als mäßig geschrieben und unangenehm in die Länge gezogen. Der Film hingegen wirft den Zuschauer direkt in die Geschichte, der wie der Protagonist zuerst überhaupt nicht weiß, was vor sich geht.

Wir erwachen im Film mit Thomas (Dylan O’Brien), der anfangs weder seinen Namen weiß, noch wie er auf die von hohen Mauern umzogene Lichtung zu den anderen jungen Männer kommt. Das sind z.B. ihr Anführer Alby (Aml Ameen), sein Stellvertreter Newt (Thomas Sangster), der gutherzige Chuck (Blake Cooper) und der aggressive Gally (Will Poulter). Alle 30 Tage, erklären sie ihm, wird ein neuer Junge auf die Lichtung gebracht. Dort leben sie, dort arbeiten sie, von dort aus erforschen sie das riesige Labyrinth jenseits der Mauern. Doch mit Thomas, das ahnt anfangs noch niemand, wird sich alles ändern.

Zumindest in der ersten Hälfte sitzen die Daumenschrauben. Man weiß nie mehr als Thomas. Mit ihm lernen wir seinen neuen Lebensraum bei den Lichtern (so nennen sich die Jungs auf der Lichtung) kennen. Sowohl die soziale Struktur, die sich hier gebildet hat, ist interessant, das Machtgefüge, als auch die die Spezialisierung auf verschiedene Arbeitsbereiche je nach Fähigkeit, dann die jugendkulturellen und quasi-religiösen Erscheinungsformen, die wir Stück für Stück besser kennenlernen, ohne dass irgendwas zu Tode erklärt wird. Eine mindestens ebenso große Anziehungskraft auf Thomas wie auch den Zuschauer übt natürlich das Labyrinth aus, von dem wir anfangs nur seine riesigen Mauern sehen. Schon von außen löst der Anblick eine Gänsehaut aus, die sich nach den ersten neugierig-schüchternen Blicken des Protagonisten ins Innere noch verstärkt. Die Angst, was sich wohl in ihm befindet, geschürt durch Erzählungen der anderen Jungen, ist beinahe größer, so lange alles noch im Dunkeln liegt. Mit jedem Flashback, der Thomas ein Stück seiner Vergangenheit enthüllt und jeder neuen Erkenntnis über die Gesetzmäßigkeiten des Labyrinths, vor allem aber mit immer häufigeren Auftauchen der „Griewer“ genannten Wesen, die zuerst nur im Labyrinth, im weiteren Verlauf der Handlung aber auch außerhalb ihr Unwesen treiben, hat bei mir der Schrecken und ein Stück weit auch die Faszination an der Geschichte nachgelassen.

„Maze Runner“ ist anfangs noch ein großes Geheimnis, wandelt sich aber immer mehr zu einer vereinfachten Version von „Lord Of The Flies“ und einer entschärften von „Cube“, was bereits andeutet, dass beide Vorbilder nicht erreicht werden. Und auch wenn der Film den Zuschauer von einem halb gelösten direkt ins nächste Rätsel entlässt, sind zumindest am Ende bei mir erste Zweifel gesät, ob die impliziten Versprechen an alle Freunde des phantastischen Films in den nächsten Teilen tatsächlich eingelöst werden. Man wird sehen.

Bild © Fox Deutschland