Tag: Stephen King

Carrie (Kimberly Peirce, USA 2013)

Posted by 27. Oktober 2013

#horrorctober 7

Als ich vor einiger Zeit gehört habe, dass „Boys Don’t Cry“-Regisseurin Kimberly Peirce „Carrie“ verfilmt, war ich sehr gespannt. Ein weiblicher Blick auf die Novelle von Stephen King, der andere Aspekte der Geschichte betonen würde als die Filmversion von Brian de Palma hätte mich sehr interessiert. Das Ergebnis ist allerdings viel weniger spektakulär als ich gehofft habe. Sehr ähnlich dem Vorgänger, aber nicht so gut. Was genau mich an dem Film stört, erzähle ich im AGM-Blog (und warum ich de Palmas „Carrie“so mag, könnt hier noch einmal hier nachlesen).

Christine (John Carpenter, USA 1983)

Posted by 13. April 2013

ChristineLet me tell you something about love. It has a voracious appetite. It eat’s everything. Friendship, family…“ – Arnie Cunningham

Wenn es einen Film von John Carpenter gibt, mit dem ich noch nie so richtig warm geworden bin, dann ist das „Christine“.  Das könnte natürlich auch an der Roman-Vorlage von Stephen King liegen. Für die gilt das gleiche. Da mein Kontakt mit Roman und Film allerdings bis in die Schulzeit zurückreicht, wird es Zeit, so denke ich mir gerade, zumindest den Film, der seit ein paar Monaten unbeachtet im Regal steht, einer Neusichtung zu unterziehen.

Darum geht’s: Arnie (Keith Gordon), hat es nicht leicht an der High School. Er ist der Prügelknabe der Stärkeren. Vor allem Buddy (William Ostrander) und seine Gang haben es auf ihn abgesehen. Doch als sich Arnie einen stark renovierungsbedürftigen 1958er Plymouth Fury zulegt und diesen wieder auf Vordermann bringt, geht auf einmal eine Veränderung in dem Außenseiter vor. Selbst sein bester Freund Dennis (Dennis Guilder) erkennt ihn bald kaum noch wieder. Als plötzlich Buddys Gang unfreiwillig ins Jenseits befördert wird, beginnt sich auch der Polizist Rudolph Junkins (Harry Dean Stanton) für Arnie und sein Auto zu interessieren.

Mich erinnert der Film gerade an die maskuline Variante von „Carrie“. Statt einem Mädchen, das sich mit den Problemen des Erwachsenwerdens herumschlagen muss, ist es hier der junge Außenseiter Arnie. In beiden Filmen geht es um die erste Liebe.  Doch statt des Schulballs, um den sich bei Carrie alles dreht, geht es hier um Autos. Und ich mag einfach keine Filme mit Autos. Mochte ich noch nie. Vielleicht ist das der Grund, warum ich dem Film bzw. dem Roman bisher so wenig abgewinnen konnte. Aber eigentlich geht es in „Christine“ nicht um ein Auto. Im weitesten Sinne geht es um falsche Freunde, seien es Personen, Gruppen oder Gegenstände, jedenfalls um Dinge, die einem das Gefühl von Stärke vermitteln, die einen aber letzten Endes zerstören. Drogen könnte man hierzu zählen. Manche Fetische. Extreme Gruppierungen.

Aber diese Ebene, die der Stoff um das mörderische Auto zweifellos besitzt, ist nur eine vom mehren Aspekten, die ich an dem Film mag. Keith Gordons Performance als Arnie Cunningham beispielsweise, die ich früher immer etwas over the top fand, hat mir heute ziemlich gut gefallen. Alle Figuren des Films sind in gewisser Weise ja Karikaturen, aber trotz der Übertreibungen – hier passt es und bringt sogar noch den ironischen Ton des Stoffes besser heraus. Das größte Pfund ist aber –  wie bei allen Filmen des Regisseurs – John Carpenters Inszenierung. Und das, obwohl das Skipt Carpenter eigentlich wenig Möglichkeiten gibt, seine Stärken wie die Inszenierung von geschlossenen Räumen voll auszuspielen. Aber auch so gibt es einiges, das ins Auge springt. Die brennende Christine beispielsweise, die Buddy verfolgt und überfährt und dann irgendwann – beobachtet vom Garagenbesitzer – verkohlt zurück zu ihrem Stellplatz kommt, gehört zu den maßvollen, aber nichtsdestotrotz vorhandenen Highlights dieses insgesamt recht ruhigen Films. In dieser Sequenz zeigt Carpenter sein Gefühl für Bild, Bewegung, Erzählton (unheimlich, aber nicht ohne Augenzwinkern) und Musik sehr gut. Ebenfalls erwähnenswert die Szene mit Arnie, der schon völlig von Christine besessen ist und Dennis während einer Spritztour. Aus ihr stammt auch das Zitat am Anfang des Textes, das die – ich sag jetzt einfach mal – „Moral“ des Films deutlich macht. Die falsche Liebe kann dich verschlingen.

Ich denke, „Christine“ gehört trotz einiger Vorzüge nicht zu Carpenters besten Filmen. Trotzdem muss ich meine Meinung von damals revidieren und sage, doch, heute gefällt er mir. Eine der besseren Stephen-King-Verfilmungen ist er obendrein. Und, obwohl ich keine Autos mag: Christine ist verdammt schön.

Bild © Sony
 

The Mist (Frank Darabont, USA 2007)

Posted by 19. August 2012

Nach „Carrie“ stand gestern noch Frank Darabonts „The Mist“ auf dem Programm, den ich aus der Erinnerung neben Brian De Palmas Film und Stanley Kubricks „The Shining“ zu den drei besten Stephen-King-Verfilmungen gezählt hätte.

Ein seltsamer Nebel umhüllt eine amerikanische Kleinstadt. Darin scheint etwas Böses zu lauern. Eine Gruppe Menschen, darunter auch der Künstler David Drayton (Thomas Jane) und sein Sohn Billy (Nathan Gamble) verschanzen sich in einem Supermarkt. Doch nicht von dem Nebel geht Gefahr aus – auch die zufällig zusammengewürfelten Menschen werden sich  immer mehr zu Bedrohung. Vor allem die religiöse Fanatikerin Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) gewinnt immer mehr Einfluss und versteigt sich bald in die Idee, dass der Nebel Gottes Strafe ist und nur ein Opfer den zornigen Allmächtigen besänftigen könne.

Ich bin, was Filme betrifft, bestimmt kein Weichei. Im Gegenteil – es darf gerne etwas wehtun. „The Mist“ geht allerdings richtig an die Nieren. Die klaustrophobische Atmosphäre in dem Supermarkt ist sehr intensiv eingefangen und auch die Angst vor dem Nebel und dem, was darinnen lauern könnte, versteht Darabont meisterhaft zu erzeugen. Selbst als man endlich einen Eindruck der Monster bekommt, mindert es das Entsetzen nur unwesentlich. Darabont ist es gelungen, den Finger auf die Urängste der Menschen zu legen und ich gebe gerne zu, dass das auch bei mir funktioniert. Hinzu kommt, dass Darabont mit „The Mist“ wahrscheinlich die trostloseste aller King-Verfilmungen geglückt ist. Auch ohne den Nebel, der die Monster verbirgt, aber dafür das Böse im Menschen zum Vorschein bringt, ist die im Film gezeigte Welt keine in der ich leben möchte. Über das Ende des Films ließe sich wohl eine ganze Weile diskutieren. Anders, als die Kurzgeschichte endet der Film nicht offen, sondern holt noch einmal zu einem heftigen Schlag in die Magengrube aus. Und der sitzt. Soll dieses Ende ein zynischer Witz sein? Oder verbirgt sich hier die „Moral“, die Darabont der Geschichte beimisst, nämlich, dass es die größte aller Sünden ist, die Hoffnung aufzugeben. Denn dieser Sünde hat sich David Drayton schuldig gemacht und dafür muss er zahlen.

Ich habe „The Mist“ 2007 im Kino gesehen. Und seitdem bis gestern nicht mehr. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob ich Darabonts Film wirklich zu den besten drei King-Adaptionen zählen würde, dazu ist er mir etwas zu konstruiert und bei der Religionskritik zu platt. Außerdem ist die Konkurrenz stark: Anwärter für die Top-3 wären zum Beispiel Rob Rainers sommerschwüler „Stand By Me“ oder auch David Cronenbergs präziser „Dead Zone“. Nichtsdestotrotz ist Darabont mit „The Mist“ ein starker Film gelungen, der es inhaltlich aber auch stilistisch in sich hat. Hier sei vor allem die Schwarz-Weiß-Version genannt, die tatsächlich noch besser weil atmosphärischer ist als die farbige Kinofassung. Außerdem funktioniert die S/W-Fassung auch als Hommage an die Monsterfilme der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ganz hervorragend.

Bild © Universum
 

Carrie (Brian de Palma, USA 1976)

Posted by 19. August 2012

Der gestrige Abend hat sich dahingehend entwickelt, dass ich zumindest zwei meiner drei Lieblingsverfilmungen von Stephen-King-Romanen einer Neusichtung unterzogen habe. Als erstes stand „Carrie“ auf dem Programm.

Die 16-jährige Carrie White (Sissy Spacek) steht unter der Fuchtel ihrer fanatisch-religiösen Mutter Margaret (Piper Laurie). Auch in der Schule hat es Carrie nicht leicht. Ihre Mitschülerinnen sehen in dem stillen, etwas sonderbaren Mädchen ein leichtes Opfer. Als die unaufgeklärte Carrie dann auch noch nach dem Sportunterricht unter der Dusche das erste Mal ihre Tage bekommt, kennt der Hohn und Spott der Mädchen keine Grenzen. Nur Sue (Amy Irving) hat Mitleid mit Carrie. Um  sie wieder aufzubauen und ihr etwas Selbstbewusstsein zu geben, überredet sie ihren Freund Tommy (William Katt) Carrie zum Abschlussball auszuführen. Doch Mitschülerin Chris (Nancy Allen) bekommt davon Wind und fasst einen Plan, wie sie es Carrie auf dem Abschlussball so richtig zeigen kann.

Schon die ersten Minuten haben mich vollständig in den Bann gezogen. Die Duschszene gehört dank De Palmas Genie und Sissy Spaceks hingebungsvollem Spiel zu den intensivsten und traurigsten Filmmomenten, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Schon diese ersten Augenblicke verraten und präsentieren ein schmerzhaft pessimistisches Bild der Natur des Menschen. Im weiteren Verlauf finden sich ebenfalls zahlreiche Momente, die über sich selbst hinausweisen und Szenen, die schon für sich genommen kleine Meisterwerke sind. Besonders gut hat mir gestern die Einleitung des Finales gefallen, in der eine subtile Dissonanz das kommende Unheil ankündigt: Beim Tanz von Tommy und Carrie,  dreht sich einfach alles etwas zu schnell und man ahnt, dass die Figuren nunmehr kurz davor sind, aus der Bahn geschleudert zu werden. Mich hat  das nicht besonders subtile aber dafür umso kraftvollere Ende gerührt, als die verstörte Carrie zu ihrer Mutter zurückkommt, dort aber nicht den erhofften Trost findet, sondern es  zur finalen Auseinandersetzung zwischen den beiden kommt.

Die Geschichte scheint voll und ganz auf das blutige Finale zugeschnitten zu sein. Es ist De Palmas Verdienst, dass er auch den Weg dahin  spannend, bildgewaltig und psychologisch stimmig in Szene setzt, dass „Carrie“ mehr ist als ein einfacher Horror- oder Rachefilm. De Palmas zeigt eindrucksvoll das Leben einer Außenseiterin und analysiert präzise die Mechanismen von Repression und Gewalt. Weil sie von ihren Mitschülerinnen gequält wird, werden diese von ihrer Lehrerin (Betty Buckley) bestraft. Der Hass der Schülerinnen richtet sich allerdings nicht gegen die Lehrerin, sondern natürlich gegen das leichter Opfer, gegen Carrie, die sie dafür noch einmal so richtig büßen lassen wollen. Wie De Palmas diesen Mechanismus filmt, scheint er mir nicht nur für den  im Film gezeigten speziellen Fall zu gelten, sondern generell eine Studie des menschlichen Verhaltens und der Entstehung von Gewalt zu sein. Interessant ist, dass nicht nur das Ende als Resultat der vorausgehenden Ereignisse gesehen werden muss, sondern diese sich wiederum noch über den Anfang der Geschichte hinaus zurückverfolgen lassen würde. So bekommt man eine vage Ahnung, was z.B. Carries Mutter Margaret erlitten haben muss, das sie in den religiösen Wahn getrieben wurde.

„Carrie“ war schon immer einer der King-Romane,  die mich weniger interessiert haben, was seltsam ist – schließlich ist das ein großartiger Stoff und das hätte mit eigentlich beim Lesen auffallen müssen. Aber vielleicht brauchte ich einfach die Bilder von Brian De Palma, um das zu erkennen. Heute, einen Tag nach Sichtung des Films (das Mal davor ist bestimmt 15 Jahre her), kann ich nichts anderes als  überwältigt zu sein, was De Palma aus der Vorlage gemacht hat. Was für ein Film! „Carrie“ ist ohne Wenn und Aber ein Meisterwerk!

Bild © MGM