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Halloween H20: 20 Years Later (Steve Miner, USA 1998) 

Posted by 29. Oktober 2014

Halloween H20#horrorctober 11

Weil ich schon bei „Halloween II“ eine Ahnung davon bekommen habe, wie sehr es mich stört, wenn sich Fortsetzungen wenig bis gar nicht um den „Geist“ des Originals scheren, und weil ich neugierig darauf war, „Halloween H20“ noch einmal in dem Wissen zu sehen (das letzte Mal war im Jahr des Kinostarts), dass Steve Miner auf dem Regiestuhl sitzt, habe ich umdisponiert und schaue mir zum Schluss meiner kleinen #horrorctober-Retro lediglich noch diesen „Halloween“-Teil an. War bereits die erste Fortsetzung überflüssig, so darf dieser Film immerhin wohlwollend als Folgefehler durchgehen.

Miners Film lässt die letzten Teile außer Acht und schließt inhaltlich an „Halloween II“ an. Zwanzig Jahre später lebt Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) unter dem Namen Keri Tate in Kalifornien. Als Direktorin der Elite-Schule „Hillcrest“ hat sie Verantwortung für viele Schüler, darunter ist auch ihr Sohn John (Josh Hartnett). Dem geht das überfürsorgliche Verhalten seiner Mutter extrem auf die Nerven. Deswegen kümmert er sich auch nicht weiter um ihre Warnungen, Michael Myers könne noch irgendwo da draußen sein, und stiehlt sich zusammen mit ein paar Freunden von einer Klassenfahrt davon, um im Keller des Internats eine wilde Party zu feiern. Hätte er auf seine Mutti gehört…

… wäre der Film auch nicht anders gelaufen. Michael, der Lauries Tarnidentität mittlerweile aufgedeckt hat, dringt in das gut gesicherte Internatsgelände ein und metzelt sich durch die Belegschaft. Dass nun ein paar Schüler mit John eine Party feiern, spielt für das Grundgerüst der Story keine Rolle. Und das ist wahrscheinlich auch schon der Hauptaspekt, der mich an „Halloween H20“ stört: Das meiste, was passiert, ist einfach ganz schrecklich egal. Miner hat Jason immerhin seine Maske geschenkt und damit die „Friday“-Reihe zu dem gemacht, was sie ist. Ein vergleichbarer Coup gelingt ihm bei „Halloween“ nicht. Für diesen Jubiläums-Film, der nach ursprünglicher Planung das endgültige Ende der Reihe markieren sollte, ist das Drehbuch von Robert Zappia, Matt Greenberg und Kevin Williamson echt schludrig – respektive: vieles macht einfach keinen Sinn. Das fängt mit diesem seltsamen Konstrukt des Internats an, reicht über die völlig unplausible Handlung (warum muss John seine Mutter erst überreden, mit am Schulausflug teilnehmen zu dürfen, nur um dann „heimlich“ doch zu Hause zu bleiben?) und schlecht geschriebene Charakter, wie z.B. Laurie Strode, die mittlerweile schwere Alkoholikerin ist, was für den Verlauf der Geschichte aber rein gar keine Rolle spielt.) Da helfen weder alte Stars wie Jamie Lee Curtis, die sich noch einmal erbarmt hat in ihre Rolle zu schlüpfen, noch die kommenden (Michelle Williams, Joseph Gordon-Levitt), noch die Handvoll Gänsehautmomente nicht weiter. Z.B. als Laurie – die Michael zuvor schon einige Male imaginiert hat – den Killer mit der weißen Maske dann wirklich sieht. Oder das Finale, in dem Laurie gegen ihren Nemesis antritt und ein für alle Mal (schön wär’s) einen Schlussstrich unter das Kapitel Halloween zieht. Solche Momente sind in Ordnung, vieles ist nicht wirklich schlecht – aber nichts ist eben richtig gut. Außerdem frage ich mich, was das Ende, wenn der eingeklemmte Michael seiner Schwester die Hand entgegenstreckt, bedeuten soll. Dass das Böse doch auch nur geliebt werden will? Wenn sich hier wirklich eine Idee versteckt, dann hätte sie besser ausgearbeitet gehört. Bei John Carpenter ist die künstlerische Vision bei der Umsetzung des Stoffs klar erkennbar. Das absolut Böse ist bei ihm eine unerklärbare, leere Größe. Miner nutzt die„Halloween“-typischen Gadgets, die weiße Maske, den Carpenter-Score, doch als hätten er und seine Autoren das Thema des Originals wirklich verstanden, kommt es mir nicht vor.

Mir hat der Film vor allem noch einmal klar gemacht, was ich am ersten sowieso, aber vor allem auch am unterschätzen zweiten Teil der Reihe eigentlich hatte. Ich überlege seit zwei Tagen, ob man „Halloween H20“ als einen würdigen Ausklang der Reihe betrachten kann, aber dazu kann ich mich leider nicht entschließen. Das beste, was ich gerade noch über diesen siebten Teil sagen kann: es hätte schlimmer kommen können.

 Bild © Lions Gate
 

Friday the 13th Part 3 (Steve Miner, USA 1982)


BÄMM, und plötzlich ist er da, Jason, der Killer mit der Eishockey-Maske. Ruhig steht er auf dem Bootssteg, hebt die Harpune, visiert die Frau an, die ein paar Meter vor ihm im Wasser steht – und drückt ab. Aber der Reihe nach.

„Friday the 13th Part 3“ beginnt, wie der Teil zuvor mit einem Rückblick, dann geht’s los mit dem Vorspann, Nebel, Disco-Mucke und billigen 3-D-Effekten. Die Reihe ist endgültig in den 1980er Jahren angekommen. Der Anfang des Films und damit der dritten Episode in Sachen #horrorctober 2014 ist auch gleich schon nach meinem Geschmack: Jason tötet einen Ladenbesitzer und seine Frau. Diese Sequenz ist mit viel Liebe inszeniert, die Figuren haben Charaker, es gibt bunte Vorhänge und ein süßes Karnickel. Was will man mehr? Nach dem schönen Auftakt macht sich dann aber erst einmal Langeweile breit. Die Jugendlichen Chris (Dana Kimmell), Andy (Jeffrey Rogers), Vera (Catherine Parks), Debbie (Tracie Savage) und Shelly (Larry Zerner) wollen ein Wochenende am Crystal Lake verbringen. Was ich bei den Vorgänger-Filmen noch als positiv wahrgenommen habe – das sinnlose, aber auch naiv-charmante Rumgeplänkel zwischen den Figuren – hat mich im dritten Teil nicht besonders interessiert. Ausnahme ist das Aufeinandertreffen von Clown Shelly und Vera mit den Motorradrockern Fox (Gloria Charles), Loco (Kevin O’Brien) und Ali (Nick Savage) im nahegelegenen Supermarkt, was in der hinreißend doofen Szene mündet, dass die drei Rocker aus Rache für ihre umgefahrenen Motorräder den Jungs und Mädels am Crystal Lake das Benzin klauen wollen und dabei Jason in die Arme laufen.

Die „Qualität der Morde“ (ohje, wie das klingt) schwankt von uninteressant bis äußerst gelungen. Mich stören die kurzen, unspektakulären Todesfälle nicht weiter, für mich gehören diese sogar zu Reihe dazu. Nichtsdestotrotz ist mein Lieblingsmord (BÄMM) – der erste, bei dem Jason seine Maske trägt – meines Erachtens nicht nur der beste des Films, sondern einer der interessantesten der bisherigen Reihe. In diesem kurzen Moment, in dem sich Jason und Vera taxieren, er auf besagtem Bootssteg, sie im Wasser, scheint die Zeit stehen zu bleiben – ein absoluter Höhepunkt des 1982 noch jungen Franchise. Ebenfalls gefallen hat mir die Szene, in der Chris nach Rick sucht. „Rick, help me“ ruft sie, denn sie weiß noch nicht, dass auf Männer in diesem Genre – den Killer mal ausgenommen – kein Verlass ist. Doch Rick kann nicht antworten, ihm wird von Jason hinterm Haus der Mund zugehalten. Jason ist im Übrigen nicht mehr der gleiche. Er ist selbstbewusster, energischer geworden. Schien er sich im Teil zuvor noch für seine verstorbene Mutter zu rächen, kommt er mir in Teil drei eher vor wie jemand der kurz davor ist zu rufen: „Get off my lawn“. Doch er ist kein Sadist. Er ist ein effizienter Totmacher, keiner der seinen Opfern ein langes Leiden beschert. Im zweiten Sequel ist er noch jemand, der durchaus mal etwas ungestüm und vor allem fehlbar ist. In meiner sehr nebulösen Erinnerung an die folgenden Teile wird sich das ändern.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Mit Nacktheit ist „Friday the 13th Part 3“ zurückhaltender als die Vorgänger, dafür ist sowohl der Gewalt- als auch der Humorpegel höher. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird mich das vermutlich bald stören. Hier fand ich das Verhältnis gerade noch okay, so dass ich Teil drei lange nicht so stark wie den ersten, aber doch einen Tacken besser als den zweiten finde. Den Film am Stück zu sehen, war neben dem Weg eine komische Erfahrung. Ich kannte zwar etliche der Morde schon, wahrscheinlich von dieser bereits mehrmals erwähnten VHS-Kasette, die einen Zusammenschnitt der besten Mordszenen enthielt, aber den kompletten Film noch nicht. Diese Jahrzehnte alten Lücken sind nun endlich gefüllt.

Friday the 13th Part 2 (Steve Miner, USA 1981)


#horrorctober 2

Fünf Jahre sind seit den Ereignissen im Camp Crystal Lake vergangen. Damals hatte Pamela Voorhees dort aus Rache für ihren ertrunkenen Sohn Jason ein Blutbad angerichtet. Nun bereiten sich Paul (John Furey), der Leiter des Ferienlagers, seine Freundin Ginny (Amy Steel) und ein paar weitere junge Leute darauf vor, das Camp bald wieder zu eröffnen. Doch in einer mondhellen Nachts beginnt das Morden erneut.

#horrorctober zum Zweiten, was passt da besser, als mir die Fortsetzung von „Friday The 13th“ zu Gemüte zu führen. Diese ist in Deutschland als „Freitag der 13. – Jason kehrt zurück“ bekannt, obwohl er hier zum ersten Mal richtig auftaucht, nein, stimmt nicht ganz, denn auch diesem Teil merkt man an, dass die Reihe noch in der Findungsphase ist. Jason muss sich hier noch mit einem Kartoffelsack als Gesichtsschmuck begnügen, seine Eishockeymaske erhält er erst im nächsten Teil. Ansonsten verhält es sich mit „Friday the 13th Part 2“ ähnlich wie mit dem Vorgänger: Die Figuren, die im Laufe des Films nacheinander gewaltsam ableben, werden kurz eingeführt, einige bleiben recht gesichtslos, andere werden immerhin mit einigen plakativen Eigenschaften ausgestattet (der Spaßvogel, die Clevere, der Rollstuhlfahrer, die Joggerin etc.). Männer reparieren Autos, Frauen sollen während ihrer Periode auf die Hygiene achten, und alle denken nur an das eine: an Sex (außer Jason, der denkt ans Töten). Aber – und das möchte ich positiv herausstellen –, wie schon in Part 1 haben gerade die Szenen, in denen eigentlich nichts besonderes passiert, eine ganz wunderbare Lockerheit, die mir fast besser gefallen als die Slasher-Momente des Films. In Part 2 übt sich Jason mehr oder weniger erfolgreich in der Kunst des kreativen Tötens und imitiert dabei teilweise die Morde seiner Mutter, denkt sich aber auch ein paar eigene Kills aus. Unter den Morden findet sich übrigens auch ein dreister Todes-Diebstahl, nämlich als Jason ein kopulierendes Pärchen mit einem Speer durchbohrt. Diese Szene, nur besser, gab es ja bereits in Mario Bavas großartigem „Bay Of Blood“.

Insgesamt hat mir die „Friday“-Fortsetzung ganz gut gefallen, auch wenn ich gegenüber Teil eins doch einige Kritikpunkte habe: Man merkt, dass Regisseur Steve Miner und Drehbuchautor Ron Kurz noch nicht so richtig viel mit ihrer Hauptfigur anfangen konnten. Jason (maskiert Steve Dash, unmaskiert Warrington Gillette) sieht in seinem Kartoffelsack-Outfit nicht besonders gruselig aus und hat auch „charakterlich“ noch nicht seine Bestimmung gefunden. Er wird an einer Stelle als das zurückgebliebene Kind im Männerkörper beschrieben, aber so richtig mag man diesen Habitus in seinem Verhalten nicht erkennen. Zwar stolpert er am Ende bei jeder Gelegenheit, aber seine Aktionen sind insgesamt doch zu planmäßig und gezielt durchgeführt. Aber nicht nur Jason wirkt optisch wie charakterlich unfertig, der ganze Film ist weniger geschlossen als der erste. Er beginnt mit dem Mord an Alice (Adrienne King), der Überlebenden des ersten Teils in ihrer Wohnung, verlegt sich dann in das nahe des Camps gelegene Dorf und erst dann ins Camp Crytal Lake, macht ein paar Ausflüge in den Wald, zum See, in Jasons Hütte, in eine Kneipe, bevor er wieder ins zurück Camp zurückkehrt und es schließlich zum Showdown in Jasons Walddomizil kommt. So richtig angekommen bin ich als Zuschauer nirgends.

„Making love while a young boy drowned“ ist der Vorwurf von Pamela Voorhees an die jungen Menschen dieser Welt, die ihren Sohn haben ertrinken lassen, weil sie unachtsam waren. Als es sich anbahnt, dass das Camp wieder eröffnet wird, schreitet Pamela ein und erinnert unsanft an die Vergangenheit. Wie so viele Horrorfilme ist damit auch „Friday the 13th“einer über Geschichtsvergessenheit. Es ist hier allerdings nicht in erster Linie Sex und Drogenmissbrauch, die geahndet werden, sondern die fehlende Sensibilität gegenüber zurückliegenden Ereignissen. „Friday the 13th Part 2“ ist weiterhin ein Film über den Teufelskreis und die Absurdität von Rache: Erst rächt Pamela ihren Sohn Jason Voorhees, ab dem zweiten Teil rächt dieser seine enthauptete Mutter, die er ja nur sinnvoll rächen kann, weil der Grund ihrer Rache – sein Tod – nicht stattgefunden hat. Das macht alles nicht besonders viel – aber genau deswegen auf gewisse Weise besonders Sinn.

Zum Schluss noch ein kleines Gespräch zwischen mir und meiner Mutter:

Mutter (gerade zu Besuch, schaut mir beim schreiben dieses Textes über die Schuler): Wer ist denn Jason?

Ich: Jason Voorhees, ein Killer mit na Eishockeymaske auf..

Mutter: Mhm…

Ich: Hatte er aber nicht immer auf, im zweiten Teil ist es nur ein Kartoffelsack. Und im ersten spielt er gar nicht mit.

Mutter: Im ersten spielt er nicht mit?

Ich: Nein, da mordet seine Mutter aus Rache für ihren ertrunkenen Sohn. Im zweiten Teil kommt heraus, dass er doch nicht ertrunken oder wiederauferstanden ist.

Mutter: Wie Jesus…

Ich: Hm, so ähnlich. Im zweiten Teil ist jedenfalls Jason der Mörder.

Mutter: Warum rächt denn die Mutter den Sohn, wenn er gar nicht tot ist?

Ich: Ich weiß nicht genau.

Mutter: Und warum hat sich der Sohn nicht gleich bei der Mutter gemeldet?

Ich: Äh.. Also, die Mutter stirbt ja auch am Ende des ersten Teils. Ihr wird mit einem Spaten der Kopf abgehackt.

Mutter: Aua.

Ich: Tut glaube ich gar nicht so weh. (Wir googeln, finden aber nichts)

Mutter: Und warum trägt der Mann eine Maske, ist er hässlich?

Ich: Naja.. (wir googeln)

Mutter: Ok, mit Maske ist besser.

 * Diesmal kein Extra Cover, Freitag 1-8 sind alle in der Box, die ich schon beim ersten Teil gepostet habe.