Tag: Suzy Kendall

Torso (Sergio Martino, Italien 1973)

Posted by 16. Juni 2012

Es gab Fenchel-Kartoffel-Suppe, frisches Brot, Butter, Käse. Und zu trinken einen Chardonnay. Dann: Erdbeeren als Nachtisch und ein Gläschen Chatreuse, um die Sache abzurunden. Dazu Gespräche über den Unterschied zwischen Massenmördern, Serienkillern, Amokläufern, Terroristen und politischen Attentätern, die in eine Diskussion über Zurechnungs- und Schuldfähigkeit mündeten. Soweit so schön. Dann war mit „Torso“ (OT: I corpi presentano tracce di violenza carnale) der Film für den gestrigen Videoabend an der Reihe. Und schon bald haben wir uns, glaube ich, alle an den Küchentisch zurückgewünscht. Denn „Torso“, aka „Die Säge des Teufels“, ist, seiner Bekanntheit und dem reißerischen internationalen Titel zum Trotz, nach meinem derzeitig Geschmacks- und Kenntnisstand, ein eher schwacher Vertreter des italienisches Thriller-Subgenre namens Giallo.

Ein Serienkiller erwürgt attraktive Studentinnen der Kunstgeschichte. Weil sie sich in der Stadt nicht sicher fühlen, fliehen die vier Freundinnen Daniela (Tina Aumont), Jane (Suzy Kendall), Katia (Angela Covello) und Ursula (Carla Brait) in eine abgelegene Villa. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass sie auch hier in Gefahr sind.

Dafür, dass die Giallo-Zutaten vorhanden sind und mir Martino durch „Der Killer von Wien“ (OT: Lo strano vizio della Signora Wardh) eigentlich als ordentlicher Regisseur in Erinnerung war, ist „Torso“ doch ein überraschend lahmer, uninspirierter und spannungsarmer Film geworden. Die Geschichte ist lieblos zusammengeklaubt, die Auflösung wirkt völlig beliebig und die Figuren sind durch die Bank uninteressant. Sinnlose Nacktszenen wechseln sich mit den Attacken des Killers ab. Und selbst die Morde – ein Aushängeschild des Giallo – sind, trotz einer gewissen Härte, langweilig in Szene gesetzt. Lediglich zwei Sequenzen ragen aus der trüben Filmsuppe ein wenig heraus: Zum einen, als die bekiffte Carol (Conchita Airoldi) nach einer Party in den Wald läuft, wo der Killer schon auf sie wartet. An sich völlig sinnfrei (warum geht sie in den Wald? warum ist der Killer schon da? etc.), kommt hier wenigstens mal etwas Stimmung auf. Leider ist dieser Moment schnell wieder vorbei. Etwas länger und noch etwas besser gelungen ist der Teil des Films, als der Killer die vier Mädchen im Haus überfällt. Anstatt dass der Zuschauer hier mit weiteren Mordszenen gelangweilt wird, geht es nach einem Cut aus der Perspektive von Jane (Suzy Kendell) weiter, die die Attacke des Killers schlicht verpennt hat und diesen nun beim Zerlegen der Leichen ihrer Freundinnen überrascht. Was nun folgt ist mit Sicherheit die beste Viertelstunde des Films. Die wiegt den mäßigen Gesamteindruck des Films allerdings nicht auf.

Ich vermute, dass ich „Torso“, abgesehen von den beiden eben genannten Szenen, schnell vergessen werde. Das Essen und die gestrigen Gespräche über Massenmörder werden mir bestimmt länger in Erinnerung bleiben.

Und noch ein Satz zum Satz auf dem Cover der Shameless-DVD. “Where Whores Meet Saws” – der geht einfach gar nicht.

Bild © Shameless
 

Spasmo (Umberto Lenzi, Italien 1974)

Posted by 16. April 2012

Ich habe neulich gelesen, Umberto Lenzi, Erfinder des Italienischen Kannibalen-Films, wäre ein unterschätzter Regisseur. Dies könne man unter anderem an seinem Film „Spasmo“ ganz gut beobachten. Das hat mich neugierig gemacht. Bis auf  „Mondo Cannibale“ (OT: Il paese del sesso selvaggio) völlig Lenzi-unterfahren habe ich mir daraufhin besagten „Spasmo“ durch ein großes Onlineversandhaus zuschicken lassen..

Aber  jetzt zu berichten, was ich da gesehen habe, fällt mir gar nicht leicht. Nach einem Auftakt, der scheinbar nichts mit der folgenden Handlung zu tun hat, lernt der Zuschauer Christian Baumann (Robert Hoffmann) kennen, als er gerade  mit seiner Freundin unterwegs ist. Am Strand finden die beiden eine bewusstlose Frau (Suzy Kendall). Die Frau ist  unverletzt, stellt sich als Barbara vor und verschwindet. Als Christian sie kurze Zeit später auf einer Party wieder trifft, gibt er seiner Freundin den Laufpass und sucht sich stattdessen mit Barbara ein Hotelzimmer. Ehe die beiden aber zur Tat schreiten können, wird Christian im Badezimmer von einem Unbekannten (Adolfo Lastretti ) mit einer Waffe bedroht. Im folgenden Handgemenge fällt ein Schuss. Im Glauben, einen Mord begangen zu haben, verstecken sich Christian und Barbara im Haus von Barbaras Freundin.

Soweit zum Inhalt. Was sich geschrieben noch einigermaßen stimmig anhört, kommt einem im Film viel weniger plausibel herüber. Und nach Ankunft von Christian und Barbara in besagtem Haus, folgt Lenzis Film noch weniger einer erkennbaren Handlungslogik. Personen tauchen auf, verschwinden, alles wird immer rätselhafter und erinnert mehr und  mehr an einen Traum. Wird Christian verrückt? Und wenn ja, warum eigentlich? Hat es irgendetwas mit den ersten Minuten des Films zu tun? Warum ist der Tote aus Christians Badezimmer auf einmal wieder da? Und warum liegen eigentlich überall aufblasbare Gummipuppen herum? Der Zuschauer bekommt die Antworten auf diese Fragen. Aber bis dahin muss er sich in Geduld üben. Und wenn dann am Ende die Auflösung durch die Tür stolpert, ist sie auch nicht befriedigend. Damit diese Schlusspointe funktioniert, hätte Lenzi den Film anders aufbauen müssen.

Ich kann also nicht sagen, dass mir „Spasmo“ außerordentlich gut gefallen hat. Auch wenn er optisch ein paar schöne Momente besitzt und die Stimmung dezent unheimlich ist – richtig fesseln konnte er mich nie. Dazu war er zu wirr. Diese Unbestimmt- und Verrücktheit als stilistisches Ausdrucksmittel zu sehen, ist mir nicht gelungen. Für mich waren sie das Resultat einer schlecht erzählten Geschichte.

Bild © Media Blasters Inc.
 

The Bird With The Crystal Plumage (Dario Argento, Italinen 1970)

Posted by 3. April 2012

 Meinen ersten Film von Dario Argento habe ich auf dem Flohmarkt der Bonner Rheinaue gekauft. Es war „Phenomena“. Der Film hat mich damals total umgehauen und mir eine Tür zu einem Genre aufgestoßen, mit dem ich bis dahin nur oberflächlich Bekanntschaft gemacht hatte. Das meiste von Argento habe ich mir den folgenden Jahren nach und nach angeschaut. Ein paar Lücken gibt es aber immer noch, wenn auch seit gestern eine weniger: Mit „The Bird With The Crystal Plumage“ (OT: L’uccello dalle piume di cristallo) habe ich nun endlich Argentos Debüt gesehen und damit die sogenannte Tier-Trilogie komplettiert (die des Weiteren aus „The Cat o’Nine Tails“ (1971) und „Four Flies On Grey Velvet“ (1972) besteht.)

„The Bird With The Crystal Plumage“ handelt von dem amerikanischen Schriftsteller Sam Dalmas (Tony Musante), der in Rom Zeuge eines Mordversuchs wird. Er beobachtet, wie eine Frau (Eva Renzi) in einer Kunstgalerie von einem Unbekannten attackiert wird und nur schwer verletzt überlebt. Dalmas wird daraufhin zum Hauptverdächtigen – was ihn aber nicht davon abhält, sich mit Hilfe seiner Freundin Julia (Suzy Kendall) auf die Suche nach dem Täter zu machen. Bei diesem soll es sich um einen schon länger gesuchten Serienmörder handeln.

Die Geschichten, könnte man meinen, seien im Laufe von Argentos Karriere immer unwichtiger und abstrakter geworden. Stil verdrängte immer die Substanz, die zumindest bei seinen ersten Filmen noch vorhanden gewesen sein soll. Sein Debüt ist auf den ersten Blick ein normaler Krimi mit einer „sinnvollen“ Handlung: Sam versucht sich im Laufe des Film immer wieder die beobachtete Tat zu vergegenwärtigen, weil er der Meinung ist, er hätte ein Detail übersehen, das ihn zum Täter führen könnte. Mit ihm hat auch der Zuschauer das Gefühl, er könne den Fall durchschauen, wenn er nur genau genug hinsehen würde. Doch  dieser Eindruck ist, meine ich, bereits in diesem frühen Film bloße Illusion. Die scheinbar realistische Handlung suggeriert Rationalität, folgt aber in Wirklichkeit nur den Gesetzen des Genres und den Regeln, die Argento für seine Geschichten vorsieht. Weder ergeben sich die einzelne Handlungsabschnitte logisch auseinander, noch gibt es psychologische Notwendigkeiten für das Verhalten der Figuren, noch hat die ganze Geschichte einen tieferen Sinn. Und schon gar nicht ist der Täter zu erraten. Argento zeigt sich schon in „The Bird With The Crystal Plumage“ als begnadeter Stilist einer Form, die sich in den kommenden Filmen noch entwickeln sollte. Ob diese mit dem Begriff „Giallo“ tatsächlich schon auf den Punkt gebracht ist, bezweifele ich. Argento hat den Mord und seine Rahmenbedingungen zu einer Kunstform erhoben und in den 1970er und 80er Jahren ein filmisches Instrumentarium entwickelt, um die Essenz des Tötens freizulegen. Insofern ist das im Film gezeigte Gemälde „Mord im Park“ auch paradigmatisch für das Werk Argentos und prophetisch für alle seiner weiteren Filme.

Aus der Erinnerung würde ich sagen, dass mir „The Bird With The Crystal Plumage“ von den ersten drei Argento-Filmen am besten gefallen hat. Das kann aber auch daran liegen, dass die Erinnerung an ihn im Gegensatz zu den anderen beiden noch frisch ist. Ich fand ihn durchweg spannend und einige Sequenzen (der Auftakt bei der Kunstgalerie oder als Sam den einen Killer verfolgt oder als Julia in ihrem Zimmer bedroht wird oder oder oder) sind grandios inszeniert und genau das, wofür ich Argento schätzte.