Tag: Thomas Arslan

Berlinale 2013 – Tag 3

Posted by 9. Februar 2013

A Long And Happy Life (Boris Khlebnikov, Russland 2013)

Wenn ein Film „A Long And Happy Life“ (OT: Dolgaya schastlivaya zhizn) heißt, darf man getrost davon ausgehen, dass er eben nicht von einem glücklichen Leben handelt. Sascha (Alexander Yatsenko ) bewirtschaftet einen kleinen Betrieb auf der russischen Kola-Halbinsel. Als der Staat den Kleingrundbesitzern ihr Land abkauft, sieht er die Chance, die Abfindung zu kassieren und mit seiner Geliebten, Anya (Anna Kotova), in die Stadt zu ziehen. Doch seine Arbeiter wollen bleiben und so entschließt sich Sascha, das Angebot der Regierung abzulehnen. Das gefällt weder den Behörden noch seiner Freundin. Und auch seine Arbeiter scheinen plötzlich doch nicht mehr so fest hinter ihm und seiner Entscheidung zu stehen. Es gibt zwei starke Szenen in „A Long And Happy Life“. Zum einen eine Autofahrt, bei der das Fahrgeräusch immer stärker anschwillt und man der Meinung sein könnte, Sascha würde in den letzten Momenten seines Lebens direkt ins Unglück rasen. Zum anderen der Showdown. Denn eigentlich wollte der Regisseur Boris Khlebnikov  seinen Film als modernen Western im Stile von „High Noon“ drehen. Und zumindest am Ende liefert der Regisseur eine Idee davon, was hätte sein können. Mich persönlich hätte das mehr interessiert als diese formal und inhaltlich nicht gerade üppige Revolutionsparabel.

Gold (Thomas Arslan, Deutschland 2013)

Nachdem „Im Schatten“ eines meiner Berlinale-Highlights im vorletzten Jahr war, habe ich mich besonders auf Thomas Arslans diesjährigen Wettbewerbsbeitrag „Gold“ gefreut. Zu Recht? Ich weiß noch nicht so genau. Ich muss ihn noch etwas wirken lassen.  Der Treck-Film um eine Gruppe deutscher Einwanderer, die im Sommer 1898 durch Kanada reist, um im Norden des Landes ihr Glück auf den neuentdeckten Goldfeldern zu machen, ist auf jeden Fall interessant. Man erkennt sowohl Arslans Genre-Bewusstsein als auch seinen Wunsch, sich nicht zu sehr von Vorbildern leiten zu lassen, sondern etwas Eigenes zu machen. Ich würde: das ist ihm gelungen. Besonders spannend an „Gold“ finde ich, dass es gelingt, die etwas linkische Performance der deutschen Schauspieler in die Story des Films zu integrieren und so das Gefühl der allgegenwärtigen Fremdheit noch zu verstärken. Auf jeden Fall ist es ihm gelungen, eine Westerngeschichte zu erzählen, die so noch nicht erzählt worden ist.

The Necessary Death of Charlie Countryman (Fredrik Bond, USA 2013)

Zum Schluss gab’s dann noch einen Film, in dem Till Schweiger als Gangsterboss Drako nicht zu den schlechtesten Aspekten gehörte. Und das will etwas heißen. Kurz nach dem Tod seiner Mutter erscheint diese Charlie (Shia LaBeouf) noch einmal schnell als Geist und bittet ihn nach Bukarest reisen. Im Flugzeug gleich der nächste Tote mit einem letzten Wunsch, den Charlie ihm erfüllen soll: Bitte die hässliche in Amerika gekaufte Mütze der Tochter Gabi (Evan Rachel Wood) überbringen, danke. In „The Necessary Death Of Charlie Countryman“ von Fredrik Bond gibt es auch immer wieder ein paar Szenen und Sequenzen, die für sich genommen gut sind. Z.B. einige mit Mads Mikkelsen. Oder die  Zu-Fuß-Verfolgungsjagd durch Bukarest. Doch im Großen und Ganzen war es ein aufdringliches, unsensibles und unglaubwürdiges Stück Film, mit keinerlei Gespür für seine Figuren und seine Geschichte. Und was sollte der bekloppte Erzähler? Nach dem Film reicht’s mir für heute. Mit der Stimme von John Hurt sage ich “Gute Nacht, Ladies und Gentlemen” und verschwinde in die Nacht.