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Bourne-Trilogie (Doug Liman, Paul Greengrass, USA 2002/2004/2007)


In einem Abwasch bespreche ich hier für euch die „Bourne“-Trilogie – die ja eigentlich keine ist. Das beweist der vierten Teil, der gerade im Kino läuft.

In „The Bourne Identity“ wird ein Mann (Matt Damon) aus dem Wasser gefischt. Sei Gedächtnis hat er verloren. Trotzdem wird schnell klar, dass er kein einfacher Tourist ist, der über Bord gegangen ist. Bei seiner Suche nach sich selbst bringen ein Mikrochip unter seiner Haut und seine besonderen Fähigkeiten den Mann schnell auf eine heiße Spur: Er ist Superagent Jason Bourne, der im Namen der amerikanischen Regierung als Killer gearbeitet hat. Seine Auftraggeber haben allerdings gar kein Interesse, dass Bourne frei herumläuft und so findet sich der ehemalige Killer selbst auf der Abschussliste wieder. Hilfe erhält er nur von Weltenbummlerin Marie (Franka Potente).

Der erste Teil ist – trotz gut inszenierter Action – definitiv der gefühlvollste aller drei Teile. Und das liegt an Franke Potente. Sie bringt einen Ton in den Film, der den Nachfolgern völlig abgeht. Manchmal wirkt es ja ein bisschen seltsam, wenn deutsche Schauspieler in internationalen Produktionen den Deutschen geben müssen. Nicht so bei Potente. Ihre Figur fügt sich völlig natürlich in die Geschichte ein. Und auch die Chemie zwischen ihr und Damon stimmt. Dazu sind die Personen in der Agency – voran die von Brian Cox und Chris Cooper gespielten Bösewichte – ebenfalls einfallsreich, mehrdimensional und gut gespielt. Die Figuren  in Teil eins sind wirklich glaubwürdig –  und das ist etwas, nicht von allen Personen in den kommenden Teilen behaupten kann.

Der erste Teil endet mit einem Etappensieg für Bourne. Wenn sie ihn nicht in Ruhe lassen, werde er den Kampf vor ihre Haustür tragen. Das darf der Zuschauer dann in den nächsten beiden Teilen erleben.

Ab „The Bourne Supremacy“ ist alles etwas anders. Das liegt daran, dass Doug Liman von Paul Greengrass abgelöst wird, der schon mit „Bloody Sunday“ einen ganz fantastischen, halb-dokumentarischen Film gemacht hat. Seinem Stil – der omnipräsenten Handkamera, den Parallelmontagen und rasanten Schnitten –  ist er auch in seinen beiden „Bourne“-Filmen treu geblieben – ja, er scheint ihn geradezu perfektioniert zu haben.

Jason und Marie sind in Teil zwei untergetaucht und haben sich in Indien ein eigenes Leben aufgebaut. Doch eine politische Intrige zerrt den ehemaligen Agenten wieder ans Tageslicht und belastet ihn darüber hinaus mit einem Mord, den er allerdings nicht begangen hat. Mit letzter Kraft kann Bourne seinen Häschern entkommen. Marie hat allerdings nicht soviel Glück. Bourne beschließt darauf hin, ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit aufzuräumen.

Was die Action betrifft, ist der zweite Teil ein einziger Rausch und damit absoluter Genuss. In diesem Moment würde ich „The Bourne Supremacy“ sogar nach „A Quantum Of Solace“ als besten Action-Film der letzten 10 Jahre bezeichnen, auch, weil hier künstlerische Gesichtspunkte nicht zu kurz kommen. Im Gegensatz zum folgenden Teil hat es Drehbuchautor Tony Gilroy auch noch geschafft, ein passables Script zu fabrizieren, das die Geschichte um Jason Bourne weiter voran treibt und bei paar Überraschungen bereit hält. Auch die emotionale Seite der Geschichte kommt – vor allem am Anfang bei Maries Tod und am Ende, wenn Bourne nach Russland reist – nicht zu kurz. Auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein können, haben mir beim nochmaligen Gucken der ersten und zweite Teil beide ungefähr gleichgut gefallen.

Der dritte Teil, „The Bourne Ultimatum“, geht genau dort weiter, wo der zweite endete. Bourne ist bei seiner Reise nach Moskau, wo er der Tochter seines ersten Opfers seine Taten beichtet, schwer verletzt worden – schafft es aber mit letzter Kraft zu fliehen. Doch damit hat der gebeutelte Agent noch immer keine Ruhe. Denn die Regierung ist ihm weiterhin dicht auf den Fersen. Wird es Bourne endlich schaffen, die falschen Vorwürfe gegen ihn zu entkräften und seine Erinnerung endgültig wieder herzustellen.

Der dritte Teil könnte unter dem Motto stehen: „Jemand ist für all das verantwortlich. Und ich werde ihn finden.“ Die Kausalkette lässt sich natürlich immer weiter zurückverfolgen, weil jede Wirkung eine vorausgehende Ursache hat. So kann man natürlich noch hundert weitere Bourne-Filme drehen. Aber die eigentliche Geschichte ist meiner Meinung nach schon in Teil zwei erzählt und alles was hier noch drangehängt wird, macht die Ausgangsidee nicht besser. Hinzu kommt ein wirklich schlechtes Drehbuch, dass zahlreiche Elemente der Vorgänger einfach dreist kopiert und dem Zuschauer ansonsten auch noch ziemlich viel Unsinn auftischt. Durch die rasante Inszenierung von Greengrass wird aber sogar „The Bourne Ultimatum“ (was für ein Ultimanum eigentlich?) zu einem einigermaßen kurzweiligen Filmerlebnis.

Fazit: Die drei „Bourne-Filme“ sind nicht gleich gut, aber alle machen Laune. Wenn man mal eine gute Agenten/Action-Reihe sehen möchte, dann macht man mit den Filmen bestimmt nichts falsch.

P.S. Ein besonderes Kompliment geht noch an die Polizei in jedem Land. Egal ob in Deutschland, Russland, Marokko oder Schweiz – die Beamten verstehen ihr Handwerk. Sie lassen nicht locker, komme was wolle. Aus diesem Grund setzen sie Bourne manchmal auch mehr zu als alle Super-Spezial-Agenten der Regierung zusammen.

Bild © Universal Pictures
 

The Bourne Legacy (Tony Gilroy, USA 2012)


Es hat bei mir etwas gedauert, bis ich die Bourne-Filme zu schätzen wusste. „The Bourne Identity“ von Doug Liman war mir erst etwas zu lahm, die beiden folgenden Teile von Paul Greengrass zu hektisch. Aber irgendwann, bei einer TV-Sichtung des ersten Teils, hat es dann Klick gemacht und auf einmal fand ich ihn mitreißend. Ähnlich erging es mir mit Teil zwei und Teil drei. Eigentlich wollte ich aus diesem Grund die Bourne-Filme mal am Stück gucken, was ich aber bisher nicht geschafft habe. Bisher. Anlässlich des Release von „The Bourne Legacy“ ist mir dieses Projekt aber wieder eingefallen und ich gelobe, dass ich das demnächst auch mal durchziehe und dann auch was dazu hier ins Blog stelle. Aber vorher hier ein paar Sätze zum aktuellen Teil, „The Bourne Legacy“, der es nicht ganz schafft, mit den Vorgängern mitzuhalten. (Ein ausführlicheres Review gibt’s hier.)

Weil Jason Bourne den Geheimdienst ärgert sollen alle Top-Secret-Programme, in denen Menschen durch Medikamente zu Supersoldaten gemacht werden, geschlossen werden. Damit nichts an die Öffentlichkeit gerät, müssen allerdings auch alle Agenten und involvierten Wissenschaftler sterben. Aaron Cross (Jeremy Renner) aka Agent Nummer 5 entgeht aber den Anschlägen. Zusammen mit Chemikerin Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz), die aufgrund ihres Insiderwissens ebenfalls zur Zielscheibe geworden ist, versucht er seinen Häschern zu entkommen.

Über die Geschichte muss man wohl nicht viele Worte verlieren. Innerhalb des Bourne-Universums ist sie glaubwürdig genug, aber in gewisser Weise auch überflüssig, weil sie nichts wesentlich Neues über die Killer-Programme der Regierung enthüllt. Insofern kann man Paul Greengrass schon verstehen, dass er nach „The Bourne Ultimatum“ entgültig die Nase voll hatte. Rein vom Erleben, habe ich mich bei „The Bourne Legacy“ die ersten 30 Minuten etwas gelangweilt: Agent Nummer 5 läuft durch den Wald, während anderswo umständlich die Weichen gestellt werden, ihn und alle anderen Agenten aus dem Weg zu träumen. Das hätte man für meinen Geschmack kürzer erzählen dürfen. Aber dann, irgendwann in der Mitte, gab es dann eine grandiose Actionsequenz, die mich wieder geweckt hat: Erst werden Dr. Marta Shearing Kollegen brutal von einem anderen Chemiker erschossen, aber die stärkste Sequenz geht erst nach dem Blutbad los. Da sitzt Marta zu Hause in ihrem renovierungsbedürftigen Haus (dieses Haus ist es übrigens, das einer Profil von dieser ansonsten austauschbaren Figur am nächsten kommt), als die Polizei vorbei kommt, um sie noch einmal zu den Vorfällen im Labor zu verhören. Doch die Stimmung kippt, Marta merkt, dass die Beamten ihr nicht helfen, sondern ihr anscheinend eine Teilschuld an den Vorfällen unterstellen wollen. Je mehr sich Marte gegen die Anschuldigungen wehrt, je aggressiver werden auch die Beamten – und schließlich merkt Marta, ihr Besuch ganz andere Absichten hat, als sie zu verhören.

Leider hat mich nach dieser grandiosen Sequenz nichts mehr vom Hocker gerissen. Als Tony Gilroy dann im Finale versucht, es noch einmal richtig krachen zu lassen, hat das bei mir eher den gegenteiligen Effekt ausgelöst. Der „Endgegner“ wurde mir etwas zu unvermittelt aus dem Hut gezaubert und die Verfolgungsjagd per Auto und Motorrad war für mich over the top. Ich fasse mal so zusammen: „The Bourne Legacy“ über weite Strecken ein kurzweiliger Actionfilm. Aber Gilroy scheint sich entschieden zu haben, dass das Franchise etwas mehr Gewalt benötigt. Das führt daszu, dass Agent Nummer fünf weder bei freundlichem Sicherheitspersonal noch unschuldigen Wolfsrudeln Gnade kennt und alles was sich ihm in den Weg stellt, kurzerhand niedermetzelt. Verglichen mit den Vorgängern hat „The Bourne Legacy“ deswegen das Herz aber nicht mehr am rechten Fleck.

Bild © Universal Pictures