Tag: Wes Ball

Notizen #6

Posted by 25. Februar 2016

The Martian (Ridley Scott, USA 2015)

Buch gelesen, Film nachgeholt. Ein Kinoereignis ist „The Martian“ von Ridley Scott ohne Frage – auf dem heimischen Fernseher ohne gutes Soundsystem entfaltet er seine Wirkung allerdings nur bedingt. Außerdem hat der Film das gleiche Problem wie das Buch: Schlaue Menschen finden technische Lösungen für technische Probleme, aber das „Menschliche“ kommt in Film und Vorlage so gut wie nicht vor. Die größte Emotion löst hier noch der Bowie-Song „Starman“ aus. Sicherlich, was interessieren Befindlichkeiten, wenn es darum geht, einen Astronauten (Matt Damon) vom Mars zu retten? Mit Jammern, Tränen ist niemandem geholfen, der sich in einer solchen Notlage befindet. Hier geht es darum, was der Homo Sapiens kraft seines Verstandes erreichen kann. Die Verneigung vor der Wissenschaft ist Scott mit seinem Film auf jeden Fall gelungen, ein echtes, menschliches Drama allerdings nicht.

Green Inferno (Eli Roth, USA / Chile 2014)

An Eli Roth scheiden sich die Geister. Bis ich „Hostel 2“ gesehen hatte, hielt auch ich ihn für einen interessanten Filmemacher. Auf „Green Inferno“ war ich trotzdem irgendwie gespannt, vielleicht weil ich dachte, dass das ohnehin schon recht fürchterliche Genre des Kannibalen-Films durch Roths Provokationsdrang vielleicht noch etwas dazugewinnen könnte. Doch man merkt schnell: Roth hat keine wirkliche Idee, was er zum Genre beizusteuern hat. Deswegen orientiert er sich sehr nah an den Genre-Vorbildern sowie an seinem eigenen „Hostel“: Eine lange Exposition, das – je nach Sichtweise – mehr oder weniger geschickte Spiel mit Vorurteilen gegen fremde Kulturen und heftige Gewaltexzesse. Leider funktioniert das bei „Green Inferno“ nicht. Diente die Einleitung bei „Hostel“ noch dem Spannungsaufbau, ist sie hier größtenteils langweilig, die Figuren geben wenig her; und im Kannibalenfilm ist dann irgendwie doch zu klar, worauf das alles hinausläuft. Interessant ist der Film am ehesten noch deswegen, weil hier die Verhältnisse mehrmals komplett auf den Kopf gestellt werden: Wer hier gut und wer böse ist, darüber kann man genauso lange sinnieren wie über das wenig glaubwürdige aber trotzdem provokante Ende, wo eine der überlebenden Figuren eine wenig nachvollziehbare aber trotzdem denkwürdige Entscheidung trifft. Daran, dass bei Eli Roth die Meinungen auseinandergehen, wird auch „Green Inferno“ nichts ändern.

Dredd (Pete Travis, USA 2012)

Extreme Situationen erfordern extreme Maßnahmen. Das sieht man nirgends so gut wie an der Comic-Figur Judge Dredd, die in einem postapokalyptischen Amerika für Recht und Ordnung sorgt. Ich weiß auch nach der Zweitsichtung (ein paar Sätze zur ersten gibt’s hier) nicht genau, ob mir der zynische Ton des Films wirklich gefällt, aber ich bin immer noch der Meinung, dass bei Pete Travis so gut wie alles stimmt. Die Geschichte (Alex Garland), das visuelle Konzept des Regisseurs und von Kameramann Anthony Dod Mantle, der schon für einige Dogma-Filme tätig war, die Schauspieler (Karl Urban als Judge Dredd, Olivia Thirlby als seine Partnerin, die großartige Lena Headey als fieser Gangsterboss) – hier passt alles. So bin ich denn fast geneigt, „Dredd“ zu meinen Lieblings-Comicverfilmungen zu zählen, aber da wäre wohl voreilig, denn ich kenne die Comics ja gar nicht. Da ich ohnehin gerade dabei bin, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen, wäre es wohl auch eine gute Gelegenheit, mir mal „Judge Dredd“ näher anzuschauen. Lesetipps nehme ich gerne entgegen.

Maze Runner: The Scorch Trials (Wes Ball, USA 2015)

Den ersten Teil („Maze Runner“) hatte ich noch recht wohlwollend aufgenommen. Er hat mir sogar besser gefallen als die Buchvorlage. Den zweiten Roman habe ich angefangen, aber wegen künstlerischer Differenzen zwischen mir und dem Jugendbuch-Autor James Dashner nicht zu Ende gelesen, dafür den Film dann vor ein paar Tagen nachgeholt. Leider ist nichts von den Dingen übrig, die ich am ersten Teil mochte. Thomas (Dylan O’Brien) und seine ebenfalls aus dem Labyrinth entkommenen Freunde verschlägt es in „Maze Runner: The Scorch Trials“ zuerst direkt in die Hände der Organisation WCKD (World Catastrophe Killzone Department) und gleich danach, verfolgt vom undurchsichtige WCKD-Agenten Janson (Aidan Gillen) und seinen Schergen, in ein verbranntes Ödland, in dem zahlreiche Gefahren lauern. Trotzdem wollte bei mir nicht so recht Spannung aufkommen, im Gegenteil – ich fand die Hatz nach kürzester Zeit unglaublich ermüdend. Ob das daran liegt, dass das Geheimnis um das Labyrinth im ersten Teil in ein 08/15-Plot um eine zwielichtige Organisation transformiert wurde, dass zwischen den Figuren nichts Interessantes passiert, oder dass Wes Ball kein Regisseur ist, der die beiden Punkte in irgendeiner Form kompensieren könnte. Meine Freude auf den nächsten Teil, „Maze Runner 3: The Death Cure“, hält sich deswegen in Grenzen.

Maze Runner (Wes Ball, USA, Kanada, UK 2014)

Posted by 17. Februar 2015

maze runnerHier noch ein paar Nachzügler-Worte zu „Maze Runner“, den ich kurz vor Weihnachten gesehen habe. Unterm Tannenbaum lagen dann die Bücher der Jugendromanreihe von James Dashner, und ich wollte zumindest den ersten Teil der Trilogie gelesen haben, bevor ich etwas zur Verfilmung des ersten aufschreibe. Buch fertig, es kann losgehen. Ich starte mit der Feststellung, dass mir der Film, was eher selten der Fall ist, ein gutes Stück besser gefallen hat als das Buch. Das empfand ich als mäßig geschrieben und unangenehm in die Länge gezogen. Der Film hingegen wirft den Zuschauer direkt in die Geschichte, der wie der Protagonist zuerst überhaupt nicht weiß, was vor sich geht.

Wir erwachen im Film mit Thomas (Dylan O’Brien), der anfangs weder seinen Namen weiß, noch wie er auf die von hohen Mauern umzogene Lichtung zu den anderen jungen Männer kommt. Das sind z.B. ihr Anführer Alby (Aml Ameen), sein Stellvertreter Newt (Thomas Sangster), der gutherzige Chuck (Blake Cooper) und der aggressive Gally (Will Poulter). Alle 30 Tage, erklären sie ihm, wird ein neuer Junge auf die Lichtung gebracht. Dort leben sie, dort arbeiten sie, von dort aus erforschen sie das riesige Labyrinth jenseits der Mauern. Doch mit Thomas, das ahnt anfangs noch niemand, wird sich alles ändern.

Zumindest in der ersten Hälfte sitzen die Daumenschrauben. Man weiß nie mehr als Thomas. Mit ihm lernen wir seinen neuen Lebensraum bei den Lichtern (so nennen sich die Jungs auf der Lichtung) kennen. Sowohl die soziale Struktur, die sich hier gebildet hat, ist interessant, das Machtgefüge, als auch die die Spezialisierung auf verschiedene Arbeitsbereiche je nach Fähigkeit, dann die jugendkulturellen und quasi-religiösen Erscheinungsformen, die wir Stück für Stück besser kennenlernen, ohne dass irgendwas zu Tode erklärt wird. Eine mindestens ebenso große Anziehungskraft auf Thomas wie auch den Zuschauer übt natürlich das Labyrinth aus, von dem wir anfangs nur seine riesigen Mauern sehen. Schon von außen löst der Anblick eine Gänsehaut aus, die sich nach den ersten neugierig-schüchternen Blicken des Protagonisten ins Innere noch verstärkt. Die Angst, was sich wohl in ihm befindet, geschürt durch Erzählungen der anderen Jungen, ist beinahe größer, so lange alles noch im Dunkeln liegt. Mit jedem Flashback, der Thomas ein Stück seiner Vergangenheit enthüllt und jeder neuen Erkenntnis über die Gesetzmäßigkeiten des Labyrinths, vor allem aber mit immer häufigeren Auftauchen der „Griewer“ genannten Wesen, die zuerst nur im Labyrinth, im weiteren Verlauf der Handlung aber auch außerhalb ihr Unwesen treiben, hat bei mir der Schrecken und ein Stück weit auch die Faszination an der Geschichte nachgelassen.

„Maze Runner“ ist anfangs noch ein großes Geheimnis, wandelt sich aber immer mehr zu einer vereinfachten Version von „Lord Of The Flies“ und einer entschärften von „Cube“, was bereits andeutet, dass beide Vorbilder nicht erreicht werden. Und auch wenn der Film den Zuschauer von einem halb gelösten direkt ins nächste Rätsel entlässt, sind zumindest am Ende bei mir erste Zweifel gesät, ob die impliziten Versprechen an alle Freunde des phantastischen Films in den nächsten Teilen tatsächlich eingelöst werden. Man wird sehen.

Bild © Fox Deutschland