The Secret of Kells (Tomm Moore, Frankreich / Belgien / Irland 2009)

Posted by 1. November 2012

Irland im 9. Jahrhundert. Während sich Abt Cellach nur für den Bau der Klostermauer interessiert, die die Abtei vor den Wikingern  beschützen soll, ist sein 12-jährige Neffe Brendan von Bücher fasziniert. Als eines Tages der legendäre Meister-Buchmaler Aidan die Abtei besucht, beginnt für Brendan ein großes Abenteuer.

Bei den Irish Film and Television Awards wurde er als „Bester Animationsfilm 2010“ ausgezeichnet und bei den Oscars im gleichen Jahr erhielt er immerhin eine Nominierung „Bester Animationsfilm“. Ist „The Secret of Kells“ wirklich so gut? Die Bilder sind in der Tat großartig. Die handgemalten Zeichnungen und die Computeranimationen wirken zwar erst etwas zweidimensional, entfalten im Laufe des Films aber eine immer größere Kraft und haben auf mich fast schon hypnotisch gewirkt. Den Film ist wie ein Drogentrip.

Die Story, im Kern eine Coming-of-Age-Geschichte, hat mich allerdings nicht vollständig überzeugt. Die Figuren sind holzschnittartig, aber im Gegensatz zu den Bilder, gewinnen sie nicht im Laufe des Films. Brendans Freundschaft zu dem Waldmädchen Aisling z.B. Da treffen zwei ganz unterschiedliche Kulturen aufeinander, aber Moore macht gar nichts daraus. Ähnlich oberflächlich bleibt „The Secret Of Kells“ auch bei Brendans Beziehung zu  seinem Onkel. Dabei ist der Konflikt zwischen den beiden elementar: Cellach steht für konservatives Denken,  Autorität und Sicherheitsorientierung, Brendan für Neugier und Forschungsdrang. Aber auch hier weiß Moore leider nicht mehr zu erzählen. Alles bleibt an der Oberfläche. Was mich besonders gestört hat: Die Wikingersind grunzende Unmenschen – das personifizierte Böse. Ein wirklich fantasievoller Film hätte so etwas nicht nötig gehabt.

Dass es auch anders geht, kann man in den Filmen von Hayao Miyazaki wunderbar sehen. Ja, Moores Film hat durchaus einige Stärken. Aber trotzdem möchte ich lieber fünfmal „My Neighbor Totoro“ nacheinander sehen als noch einmal „The Secret of Kells“.

Bild © Ascot Elite
 

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