Tracks (John Curran, Australien 2014)


Spuren BluRayDie Welt war, ist und wird wohl auch immer voll von Menschen sein, die unzufrieden sind mit ihrem Leben, die das Bedürfnis haben „auszusteigen“ und „sich selbst zu finden“. Doch nur Wenige wagen den (temporären) Schritt heraus aus der Gesellschaft und nur eine Handvoll ist dabei so zielstrebig wie die 1950 in Queensland geborene und in Brisbane aufgewachsene Australierin Robyn Davidson, die ihren Selbstfindungs-Trip quer durch die Wüste von langer Hand plante und sich durch nichts von ihrem Vorhaben abbringen ließ. Zusammen mit ihrem Hund Diggity und einer Handvoll Kamele macht sie die 2700 Kilometer lange Strecke Reise bis an die Westküste. Für das Geld für die benötigte Ausrüstung lässt sie sich von dem von dem „National Geographic“-Fotografen Rick Smolan helfen, der sie als Gegenleistung während der Reise fotografieren darf. Außerdem verpflichtet sich Davidson im Anschluss ihrer Reise einen Artikel für National Geographic zu verfassen – die Grundlage ihres späteren Beststellers „Spuren“, der auch Grundlage für diesen Film war.

„Tracks“ ist in gewisser Hinsicht so etwas wie die helle, freundliche Version von Sean Penns „Into The Wild“. Das ist allerdings nicht rein positiv zu werten. Schon Penn hatte anscheinend nicht hundertprozentiges Vertrauen in seine Bilder, und den Film zu dessen Nachteil beinahe schon in Musik ertränkt. Ganz so schlimm ist es bei Curran nicht, aber so richtig bewusst, welches Pfund er mit der Geschichte von Davidson eigentlich in der Hand hält, scheint auch ihm nicht gewesen zu sein: Brav chronologisch erzählt er seine Story runter, hakt die Plotpoints ab, pingelig darauf bedacht, dass auch ja nicht zu viel Leerlauf entsteht – ständig passiert irgendwas!, und wenn es ihm dann doch zu viel Wüste in seinem ganz und gar nicht wüsten Film wird, darf natürlich stimmungsvolle Musik nicht fehlen. Ja, mit Curran und seinem Film verhält es sich ein wenig wie mit Robyn und dem Reporter Smolan (im Film gespielt von Adam Driver), der ihren Trip zwar erst möglich gemacht hat, dessen ständige Einmischung ihr aber auch die Ruhe stiehlt und sie immer wieder daran hindert, ihre Reise so zu erleben, wie sie es sich gewünscht hat.

Dass ich „Tracks“ trotzdem mag, liegt maßgeblich an Mia Wasikowska. Sie schenkt nicht nur der Figur der Robyn Davidson, sondern dem ganzen Film seine Kraft. Diese Kraft liegt in Ruhe der Darstellerin, nicht in der Ruhe des Films, die Curran sich und dem Zuschauer viel zu selten gestattet. Und es liegt auch an ihr, dass „Tracks“ mehr ist, als ein gefälliges Biopic über einen Selbstfindungstrip. Dank Wasikowska und ihrem subtilen Spiel weiß man, dass das doch nicht ganz so einfach mit der Selbstfindung. Schließlich findet sie am Ende ihres Trips auch nicht sich selbst, sondern nur den Ozean. Von dem sie ja schon die ganze Zeit wusste, wo er ist.

 Bild © Ascot Elite
 

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