X-Men: The Last Stand (Brett Ratner, USA 2006)

Posted by 17. Februar 2013

Mutation – gibt es da nicht was von Ratiopharm?

Die Bruderschaft um Magneto (Ian McKellen) rüstet ein weiteres Mal zum Krieg gegen die Menschheit. Denn die hat ein Serum entwickelt, das Mutanten – auch gegen ihren Willen – ihrer Kräfte beraubt. Doch es gibt noch ein weit größeres Problem, dem sich von Charles Xavier (Patrick Stewart) und seine X-Men stellen müssen: Ihre verstorbene Kollegin Jean Grey (Famke Janssen) ist als allmächtiger Mutant Dark Phoenix wiedergeboren worden.

Ich weiß noch wie enttäuscht ich war, als ich den Film damals im Kino gesehen habe. Sicherlich, ein paar Stärken dieser Reihe – z.B. tolle Charaktere und die ethische Dimension der Geschichte – sind noch vorhanden. Außerdem gibt es eine Handvoll guter Einzelszenen. Trotzdem kriselt es im Franchise ab diesem Teil gewaltig. Ein großes – vielleicht sogar das größte Problem an „X-Men: The Last Stand“ ist schon seine Grundprämisse. Auf einmal gibt es ein Heilmittel, das Mutationen beseitigt. Mutation? Hier, nimm das. Schwupp, weg. Dass so ein Serum nicht besonders wahrscheinlich ist, ist angesichts des Genres, in dem wir uns bewegen, zu verschmerzen. Dass dadurch die große Tragik des X-Men-Universums nivelliert wird, nicht. Mutation wird auf einmal zu etwas, das man an- und ausziehen kann wie ein paar Socken. Die Fallhöhe, die die Reihe durch die ersten beiden Teile aufgebaut hatte, ist verschwunden.

Andere Elemente der Story wirken ebenfalls nicht sonderlich durchdacht. Z.B. der Handlungsstrang um Jean Grey (Famke Janssen). Der wurde zwar im letzten Teil bereits angelegt, aber jetzt bricht er doch so holterdiepolter durch die Tür, dass man fast erschrickt und gar nicht genug Zeit hat, Empathie mit ihrer und anderen involvierten Figuren aufzubauen. Charles Xavier (Patrick Stewart) enthüllt im Nebensatz, dass Jean Grey ein Supermutant mit zwei Persönlichkeiten ist. Aha. Scott Summers alias Cyclops (James Marsden) ist auf einmal verschwunden. Das wirkt, als wären da ein paar Seiten Script vom Winde verweht worden. Und auch sonst rumpelt es an allen Ecken und Enden heftig im Drehbuch von Simon Kinberg und Zak Penn, das von „Rush Hour“-Regisseur Brett Ratner – das kommt noch dazu – nicht gerade uninspiriert umgesetzt worden. Angesichts dieser beiden großen Defizite ist es fast schon egal, dass Ratners Film noch eine Reihe weiterer dummer Ideen und stilistischer Unsicherheiten aufbietet, über die ich mich jetzt aber gar nicht auslassen will.

Bryan Singer und seine Crew haben mit den ersten beiden Teilen die „X-Men“-Comics kongenial für die Leinwand adaptiert. Singer hat soviel vorgelegt – da konnte „X-Men: The Last Stand“ einfach nicht auf der ganzen Linie scheitern. Ich komme allerdings nicht umhin zu bemerken, dass Ratners Sequel gefährlich nahe am Totalausfall entlang schrammt und dem Franchise einigen Schaden zugefügt hat. Aber apropos Schaden: Da gibt’s doch bestimmt auch was von Ratiopharm?

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil 2.
 

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